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Afghanische Sicherheitskräfte stehen am 4. September 2009 neben dem Wrack eines ausgebrannten Tanklastzuges in Kundus, der durch einen Bombenangriff zerstört wurde.
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Afghanische Sicherheitskräfte stehen am 4. September 2009 neben dem Wrack eines ausgebrannten Tanklastzuges in Kundus, der durch einen Bombenangriff zerstört wurde.

Afghanistan

Bundeswehr fasst Taliban-Führer

  • Willi Germund
    VonWilli Germund
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Der afghanische Schattengouverneur Mullah Abdul Rahman soll für zahlreiche Anschläge verantwortlich sein. Er kann froh sein, von einem deutsch-afghanischen Kommando lebend gefasst worden zu sein - US-Spezialeinheiten schießen meist, bevor sie fragen.

Diesmal war es eine Operation wie aus dem militärischen Bilderbuch. Afghanische Elitesoldaten und Soldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) überraschten am vergangenen Freitag bei einem gemeinsamen Einsatz in dem kleinen Dorf Ghunday Kalay im Taliban-dominierten Chardah Dara Distrikt den lang gesuchten Schattengouverneur der radikalislamischen Taliban der Provinz Kundus Mullah Abdul Rahman. Sie nahmen ihn fest.

Beim letzten Versuch, den Talibankommandeur zu töten, starben im September des Jahres 2009 142 Menschen, als auf Anforderung der deutschen Bundeswehr US-Kampfflugzeuge zwei von den Milizen gekaperte Tanklastwagen bombardierten, die im Kundus-Fluss steckengeblieben waren. Bei den meisten Opfern handelte es sich damals um Zivilisten. Mullah Rahman hielt sich in der Nähe auf und überlebte, wie aus den Wikileak-Papieren hervorgeht. Der deutsche Oberst Georg Klein, der den fatalen Lufteinsatz anordnete, wurde damals öffentlich von US-General Stanley McChrystal vorgeführt, weil er gegen mehrere Richtlinien verstoßen hatte.

Lange, vergebliche Suche

Nach einem Einsatz, bei dem das Image der Bundeswehr arg gelitten hat, feiert sie nun mit der Ergreifung von Rahman einen Riesenerfolg. Jahrelang war er seinen Häschern immer wieder entkommen. Weder die Soldaten vom KSK noch die längst im Norden Afghanistans stationierten, zahlreichen US-Elitesoldaten konnten den Schattengouverneur aufspüren.

Der wiederum leistete offenbar in den Augen seiner Chefs, die den Nordosten Afghanistans zu ihrem vorrangigen Einsatzgebiet erklärt hatten, so gute Arbeit, dass Rahman bald auch die Befehlsgewalt über die Taliban in den benachbarten Provinzen Takhar und Badakhshan erhielt. Rahman organisierte die Angriffe auf Lastwagen, die Nato-Nachschub Richtung Süden brachten. Zudem soll er für die Attacke am Karfreitag 2010 verantwortlich sein, bei der drei Bundeswehrsoldaten ums Leben kamen. Seither galt er als Talibanfeind Nummer eins der deutschen Soldaten. Jedem kleinen Hinweis wurde nachgespürt.

Laut Nato-Angaben, die Rahmans Ergreifung bereits am Sonnabend verkündete, wurde Rahman gemeinsam mit einem Leibwächter gefasst und inzwischen in Kabul afghanischen Behörden übergeben. Das afghanisch-deutsche Greifkommando reagierte angeblich nach einem Hinweis auf ein Treffen in dem kleinen Dorf, zu dem mehrere hohe Talibanvertreter erwartet wurden. Laut den bisher vorliegenden dürftigen Informationen setzte ein Bundeswehrhubschrauber das afghanisch-deutsche Einsatzkommando heimlich in der Nähe ab. Rahman soll völlig überrascht gewesen sein, als er überrumpelt wurde.

Inzwischen dürfte er in den Händen des afghanischen Geheimdienstes ein unangenehmes Dasein führen. Doch er kann sich glücklich schätzen, dass er von einem deutsch-afghanischen Kommando lebend festgesetzt wurde. Die US-Spezialeinheiten, die seit Jahren im Norden Talibankommandeure jagen, schießen meist zuerst, bevor sie Fragen stellen.

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