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„Er sieht Laschet als Verhandlungsmasse“: Politpsychologe Moritz Kirchner zum Verhältnis von Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU).
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„Er sieht Laschet als Verhandlungsmasse“: Politpsychologe Moritz Kirchner zum Verhältnis von Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU).

Nach der Bundestagswahl

Markus Söder gegen Armin Laschet: „Was Intrige angeht, ist er in Deutschland unerreicht“

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
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Der Polit-Experte Moritz Kirchner fällt ein vernichtendes Urteil über Markus Söder - und erklärt, warum Armin Laschets Klammern an die Macht ganz rational ist.

Berlin/Frankfurt - Die Bundestagswahl 2021 ist für die Union verloren. Mittlerweile hat das auch Kanzlerkandidat Armin Laschet eingesehen und seinem Kontrahenten Olaf Scholz zum Wahlsieg gratuliert - per Brief. Allein: Ganz aufgeben will der Unions-Politiker seine Kanzler-Ambitionen offenbar noch nicht. Er signalisierte inzwischen, weiter die Option einer Jamaika-Koalition ausloten zu wollen. Dabei meldet auch die FDP inzwischen Zweifel an einem Bündnis mit der Union an. Leidet Laschet also unter Realitätsverlust?

Keineswegs. Das findet zumindest der Politpsychologe Moritz Kirchner. Im Gegenteil: Laschets vehementes Ringen um das Kanzleramt sei aus Laschets Perspektive völlig rational, meint Fachmann Kirchner im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Ihm bleibe schlichtweg nichts anderes übrig: „Wenn seine politische Karriere nicht beendet sein soll, muss Armin Laschet jetzt Parteivorsitzender bleiben und Kanzler werden, weil die Union Machtverlust nicht verzeiht.“

Über den Experten

Moritz Kirchner ist promovierter Politikwissenschaftler und Diplom-Psychologe. Er arbeitet als Kommunikations- und Verhaltenstrainer und fungierte auch schon als Redenschreiber für Bundestagsabgeordnete

Kirchner attestiert CDU-Mann Laschet „ein enormes Maß an Widerstandsfähigkeit und ein enormes Selbstwertgefühl“. Anders sei es nicht nachzuvollziehen, wie er trotz starker Kritik - auch aus den eigenen Reihen -, eines pannenreichen Wahlkampfs und des desaströsen Wahlergebnisses für die Union dennoch an der Macht festhalten könne. „Die Besonderheit bei Armin Laschet ist die, dass ihm von Anfang an signalisiert wurde, er sei nicht der Richtige. Er musste für sich selbst die Konstruktion aufrechterhalten, dass er trotzdem der Richtige ist – und zum Ziel kommen wird“, analysiert der Politpsychologe im Gespräch mit dem RND.

Politologe über Bundestagswahl 2021: Machtverlust als „Höchststrafe“ für Armin Laschet

Diese Selbstgewissheit sei nun durch das schlechte Abschneiden der Union bei der Bundestagswahl 2021 ins Wanken geraten, so Kirchner weiter. Doch Zeit für Selbstzweifel blieben Laschet im Moment nicht, „weil er aus seiner Logik nach der Macht greifen muss. Machtverlust ist für einen machtbewussten Politiker wie Armin Laschet psychologisch die Höchststrafe.“ Ohnehin sei ein Machtmotiv „die stärkste Aufwallung in uns Menschen. Wenn das weg ist, fehlt Spitzenkräften etwas ganz Gravierendes“, erklärt der promovierte Politologe.

Das starre Festhalten an der Macht aber hinterlasse in der Bevölkerung einen schlechten Eindruck, ist Kirchner überzeugt. Die Bürgerinnen und Bürger erwarteten eher, dass Laschet die Niederlage akzeptiere, sich gar demütig zeige. Der schlechte Eindruck, den viele Wähler:innen vom Kanzlerkandidaten der Union während des Wahlkampfs bekommen haben, verfestige sich nun durch die „Starrhalsigkeit, sich an die Macht klammern zu wollen“. Politologe Kirchner ist überzeugt: „Er tut der Union damit keinen Gefallen. Das Verhalten schlägt insgesamt auf CDU und CSU zurück.“

Experte über das Ergebnis der Bundestagswahl 2021: CSU-Chef Markus Söder sei ein Meister der Intriganz

Polit-Experte Kirchner ist aber auch der Meinung, dass CSU-Chef Markus Söder der Union mit seinem Verhalten einen Bärendienst erweist: „Markus Söder hat mal wieder seine größte Konstante gezeigt, nämlich die Intriganz.“ Damit sei Söder „in Deutschland nahezu unerreicht“.

Er betrachte Laschet als „Verhandlungsmasse, um FDP und Grüne doch noch in eine Jamaika-Koalition zu bekommen“. In Bayern habe er mit seiner Partei ein ebenso schlechtes Ergebnis erzielt und dennoch inszeniere sich der CSU-Politiker und bayerische Ministerpräsident nun als starker Mann der Union. Kirchner glaubt sogar, dass Söder sich noch zur Kanzlerwahl stellen werde, denn „wenn er eine Chance sieht, doch noch Kanzler zu werden, wird er sie ergreifen“.

Experte kritisiert Berichterstattung der Medien über Bundestagswahl 2021

Der Politpsychologe übt aber auch scharfe Kritik an den sozialen Medien. Kirchner konstatiert: „Die Nutzer betreiben Selbstaufwertung durch Fremdabwertung über negative, gehässige, zum Teil ekelhafte Posts.“ Das habe sich in diesem Wahlkampf einmal mehr gezeigt.

Doch Kirchner moniert auch die Berichterstattung in den klassischen, journalistischen Medien. Er wirft ihnen vor, „ein unrealistisches, ein übermenschliches Bild von Politikerinnen und Politikern“ zu kolportieren. Journalisten entwürfen ein Politiker-Konzept, wonach diese „allseits kompetent, integer, immer gut drauf sein“ müssten. Damit schürten die Medien jedoch eine Erwartungshaltung, der niemand letztlich gerecht werden könne, glaubt Kirchner.

Polit-Fachmann Moritz Kirchner: Medien schürten utopische Erwartungen an Politiker während Bundestagswahlkampf 2021

Die Folge dieser utopischen Forderungen der Medien an die Politik laut Kirchner: „Enttäuschung und Desillusionierung und ein Abwertungskreislauf.“ Der Wind in der Politik sei dadurch deutlich rauer geworden, attestiert er. (Julian Dorn)

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