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Ein Mitarbeiter einer Werbefirma bringt ein Wahlplakat für Chrisitian Lindner (FDP) an
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Ein Mitarbeiter einer Werbefirma bringt ein Wahlplakat für Chrisitian Lindner (FDP) an

Bundestagswahl

Warum die FDP bei Erstwähler:innen so weit vorne liegt

  • VonLukas Zigo
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Die SPD gewinnt knapp die Bundestagswahl 2021. Wären nur junge Menschen wahlberechtigt gewesen, sähe das Ergebnis anders aus.

Berlin – Die Bundestagswahl 2021 spart nicht mit Überraschungen, in der Gruppe der Erstwähler:innen liegen FDP und Grüne weit vorne. Aus einer Hochrechnung des Instituts Infratest dimap für die ARD geht hervor, dass die FDP und Grüne bei Erstwähler:innen jeweils bei 23 Prozentpunkten liegen.

Wenig beliebt sind jedoch die bisherigen Regierungsparteien SPD (15 Prozent) und Union (10 Prozent). Die Linke verbucht 8 Prozent. Am schlechtesten schneidet die AfD mit nur 6 Prozent der Erstwähler:innen ab.

Bundestagswahl 2021 – Erstwähler machen 4,6 Prozent aller Wahlberechtigten aus

Bei dieser Wahl konnten rund 2,8 Millionen Menschen erstmals ihre Stimme abgeben. Sie sind also seit der Bundestagswahl 2017 volljährig geworden. „Damit haben Erstwählende einen Anteil von 4,6 Prozent an allen Wahlberechtigten“, teilte der Bundeswahlleiter mit.

Innerhalb der Gruppe der Jungwähler:innen, also der Menschen im Alter von 18 bis einschließlich 24 Jahren, zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Grünen liegen hier mit 23 Prozent vorne, die FDP jedoch hat mit 21 Prozent ein für viele höchst überraschendes Ergebnis erzielt. Während ein Erfolg bei Erstwähler:innen und Jungwähler:innen für die Grünen wegen Friday for Future erwartet wurde, ist der der FDP für viele überraschend gekommen.

FDP freut sich über Wahlerfolg – Woran liegt das überraschende Ergebnis?

„So stolz“ mache die FDP ihre große Beliebtheit bei Erst- und Jungwähler:innen, twitterte Konstantin Kuhle, innenpolitischer Sprecher der FDP. Auch die Bundestagsabgeordnete der FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, äußerte sich auf Twitter glücklich. „Hört auf die Jugend“, so die Verteidigungspolitikerin. Das gute Ergebnis unter jungen Leuten sei ein starkes Signal dafür, dass „die Zukunft liberal ist“.

Es hat im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 bei jungen Menschen eine Verschiebung gegeben. Es wählte damals rund ein Viertel der Altersgruppe unter 25 die Union und 19 Prozent die SPD. Die FDP erzielte damals lediglich 12 Prozent der Stimmen.

FDP mit starkem Ergebnis – Ist es wirklich so überraschend?

Viele Wähler:innen dürften sich die Augen wegen dieses Ergebnisses der FDP gerieben haben. Was für viele verblüffend sein dürfte, ist für die jungen Menschen selbst weniger überraschend. Dies liegt vor allem an der Art und Weise des Wahlkampfes. Die FPD hat sich frühzeitig in den sozialen Medien festgesetzt und einen dynamischen und modernen Wahlkampf betrieben.

Neben dem konventionellen Wahlkampf haben die Liberalen Lehren aus den letzten US-Wahlen gezogen und bemerkt, dass wer Erstwähler gewinnen möchte, sie da abholen muss, wo sie sich aufhalten. Beispielsweise kann ein Virales-Meme auf Instagram oder TikTok einen größeren Einfluss auf das Wahlergebnis von Jungwähler:innen haben, als einhundert Wahlplakate je könnten. Es kann Überlegungen anstoßen, Personen inszenieren und Gegner in ein schlechtes Licht stellen. All das ist in einem oft amüsanten Scherz verpackt, schnell und leicht zu konsumieren.

FDP und der digitale Wahlkampf – wie Christian Lindner zum Internet Star wurde

Im Gegensatz zu vielen anderen Parteien hat die FDP erkannt, dass Social-Media ein nicht zu unterschätzendes Werkzeug ist, dessen Einfluss in Zukunft nicht weniger werden dürfte. Während andere Parteien kurz vor Ende des Wahlkampfes mehr oder minder mitreisende YouTube-Werbungen schalteten, war Christian Lindner insbesondere aus der Instagram- und TikTok-Landschaft kaum mehr wegzudenken.

Einige Parteimitglieder haben das Heft des Handelns selbst in die Hand genommen und den Auftritt gesucht. So ist beispielsweise ein Clip auf TikTok viral gegangen, auf dem der FDP-Vorsitzende Anlage-Tipps gibt. Es sind Wahlkampfmittel, und doch sind sie auch Unterhaltung, was ein weiterer Pluspunkt für diese Art von Wahlkampf ist.

Online-Wahlkampf: Einer von vielen Gründen für den Erfolg der FDP

Auch auf Social Media gibt es Parteien, die auf einem Medium besonders erfolgreich sind. So ist die AfD auf Facebook traditionell stark. Die Grünen sind auf Instagram, ebenso wie die FDP stark vertreten. Doch es ist TikTok, wo Lindner und Co den richtigen Nerv getroffen haben. Dort haben nicht nur die jungen Parteimitglieder eine große Präsenz, sondern auch Veteranen wie der ehemalige bayerische Kunstminister Wolfgang Heubisch mit ca. 70.000 Fans oder der Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger mit ca. 140.000 Fans vetreten die FDP auf TikTok.

Die starke Präsenz auf Social-Media könnte daher einer von vielen Gründen sein, mit denen der jüngste Wahlerfolg der FDP zu erklären ist. In der Zukunft werden auch die großen Volksparteien ihre naiven, oft sehr unbeholfen wirkenden Online-Kampagnen einstellen und durch junge, authentisch wirkende ersetzen müssen. Es auf eine Weise symbolhaft für den Kontaktverlust mit der jungen Generation, der sich nun auch im Wahlergebnis widerspiegelt. (Lukas Zigo)

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