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Der Plenarsaal des Deutschen Bundestags.
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Überhangmandate und Ausgleichsmandate lassen den Bundestag wachsen.

Wahlrecht

Bundestagswahl 2021: Was sind Überhangmandate?

  • VonMax Schäfer
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Das Wahlsystem der Bundestagswahl 2021 hat eine Besonderheit: Es gibt Überhangmandate und Ausgleichsmandate. Was hat es damit auf sich?

Berlin – Am 26. September 2021 findet die Bundestagswahl 2021 statt. Über 60 Millionen Deutsche wählen den neuen Bundestag. Wie viele Abgeordnete letztendlich ins deutsche Parlament einziehen, ist aber noch unklar. Eigentlich sollen 598 Abgeordnete im Bundestag sitzen. Nach der Bundestagswahl 2017 waren es aber 709 Volksvertreter:innen. Das liegt am Wahlsystem der Bundestagswahl: Es sieht Überhangmandate und Ausgleichsmandate vor.

Bundestagswahl 2021: Deutsches Wahlrecht sorgt für Überhangmandate

Bei der Bundestagswahl 2021 haben alle Wahlberechtigten zwei Stimmen: die Erststimme und die Zweitstimme. Mit der Erststimme entscheiden die Bürger:innen über Kandidierende in einem der 299 Wahlkreise. Wer die Mehrheit der Stimmen gewinnt, zieht mit einem Direktmandat in den Bundestag ein. Alle anderen Kandidat:innen gehen leer aus.

Bei der Zweitstimme entscheiden sich die Wähler:innen für die Landesliste einer Partei. Das Ergebnis der Zweitstimmen entscheidet darüber, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag erhält. Die Sitze im Bundestag werden prozentual auf die Parteien verteilt, die mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhielten oder drei Direktmandate gewinnen konnten. Erhält eine Partei beispielsweise 30 Prozent der Stimmen, stehen ihr 30 Prozent der Sitze zu.

Bundestagswahl 2021: Was sind Überhangmandate?

Wenn eine Partei über Direktmandate mehr Sitze gewinnt, als ihr aufgrund des Zweitstimmenergebnisses zustehen, entstehen Überhangmandate. Die Sitze erhält die Partei trotzdem. Wenn Partei A also 200 Sitze über Zweitstimmen gewinnt, sie aber 220 Wahlkreise gewinnt, erhält die Partei 20 Sitze mehr, als ihr aufgrund der Zweitstimmen zustehen. Partei A erhält also 20 Überhangmandate.

Durch die Überhangmandate ist die Gleichheit der Stimmen nicht mehr gewährleistet. Partei A hat mehr Einfluss, als sie es aufgrund der Entscheidungen der Wähler:innen haben sollte. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Praxis in einem Urteil vom 25. Juli 2012 für verfassungswidrig. Seit der Bundestagswahl 2013 gibt es daher Ausgleichsmandate.

Überhangmandate bei der Bundestagswahl: Ausgleichsmandate sorgen für gerechte Sitzverteilung

Alle übrigen Parteien erhalten so lange weitere Mandate, bis die Sitzverteilung wieder dem Ergebnis der Zweitstimmen entspricht. Zum Beispiel erhalten Partei A 200, Partei B 100 und Partei C 50 Sitze nach Zweitstimmen. Partei A gewinnt allerdings 220 Direktmandate, hat daher 20 Überhangmandate. Partei B und C erhalten daher so viele Sitze, bis das Verhältnis wieder stimmt, also sie die Hälfte bzw. ein Viertel der Mandate haben. Das Beispiel in einer Tabelle:

ParteiSitze nach ZweitstimmenÜberhangmandateAusgleichsmandateSitze im Parlament
Partei A20020-220
Partei B100-10110
Partei C50-555

Überhangmandate und Ausgleichsmandate vergrößern den Bundestag

Dadurch wird gewährleistet, dass die Stimmenverhältnisse im Bundestag dem Willen der Wähler:innen entsprechen. Dafür wächst allerdings der Bundestag durch Überhangmandate und Ausgleichsmandate deutlich. Bei der Bundestagswahl 2017 gab es 46 Überhangmandate und 65 Ausgleichsmandate. Der Bundestag ist also um 111 Sitze gewachsen.

Seit einer Anpassung des Bundeswahlrechts im Jahr 2020 werden Überhangmandate erst ausgeglichen, wenn es mehr als drei davon gibt. Ziel ist es, eine weitere Vergrößerung des Bundestags zu verhindern. (Max Schäfer)

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