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Rente in Deutschland
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Nach Ansicht der Grünen und der FDP benötigt die Rente in Deutschland eine Reform. (Symbolfoto)

Renten-Politik

Bundestagswahl 2021: Was Grüne und FDP bei der Rente verändern wollen

  • VonLukas Zigo
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FDP und Grüne werden sich für eine Koalition auf gemeinsame Standpunkte einigen müssen. Bei den Rentenplänen liegen die beiden Parteien überraschend nah beieinander.

Berlin – Die Bundestagswahl 2021 liegt einige Tage zurück und das Ergebnis suggeriert eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP als wahrscheinlichstes Ergebnis. Doch bis es zu einer Ampelkoalition kommen kann, gibt es Hürden zu überwinden. Obwohl die SPD und die Grünen thematisch relativ nahe beieinander liegen, gibt es zwischen der FDP und den Grünen weiterhin Streitpunkte. Insbesondere bei dem Thema Rente ähneln sich die Ansätze beider Parteien überraschenderweise.

Geht es um die Ziele einer Rentenreform, existiert kaum Uneinigkeit innerhalb der beiden Parteien. Jeder, der sein Leben lang in die Rentenkasse einzahlt – unabhängig davon, ob privat oder gesetzlich – soll eine Rente erhalten, welche deutlich über der Grundsicherung liegt. Die Grünen benennen das heutige Rentenniveau von 48 Prozent als Ziellinie, die FDP hingegen will eine Basis-Rente einführen, deren Betrag über der Grundsicherung liegt. Das Modell der Grünen nennt sich „Garantie-Rente“, letztendlich läuft es aber auf das gleiche hinaus.

Bundestagswahl 2021: FDP und Grüne bei Rentenpolitik überraschend einig

Ein weiterer Punkt, in dem sich beide Parteien einig sind, ist das Renteneinstiegsalter. Dieses soll nicht verpflichtend über den bisherigen Stand von 67 Jahren hinaus erhöht werden, soll aber auch individuell verschiebbar sein. In ihrem Wahlprogramm nennen die Grünen es „flexiblere Regeln auch über die Regeleintrittsgrenze hinaus“.

Die FDP wird da schon konkreter: Wer mit 60 Jahren schon genug Rentenansprüche gesammelt hat, um mindestens die Grundsicherung zu erhalten, darf nach ihren Plänen in den Ruhestand gehen. Für diejenigen, die noch länger arbeiten wollen oder müssen, sollen flexiblere Modelle mit Blick auf mögliche Zuverdienste und Arbeitszeiten entwickelt werden.

Bundestagswahl 2021 – Grüne und FDP peilen schwedisches Rentenmodell an

Obwohl die Grünen ihr Modell „Bürger:innen Fonds“ und die FDP ihres die „Gesetzliche Aktienrente“ nennen, steckt am Ende dasselbe Konzept dahinter. Dieses Konzept orientiert sich an dem schwedischen Rentenmodell, welches folgendermaßen aussieht: Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer investiert einen Teil seines Lohns in einen staatlichen Fonds. Dieser Fonds investiert das Geld wiederum am Finanzmarkt, also in Aktien oder Anleihen. Die Logik dahinter ist, dass ein solch großer Staatsfonds bessere Renditen erwirtschaften kann als einzelne Personen, die sparen. Die schwedische Regierung verspricht in diesem Zusammenhang, dass alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, unabhängig von Einkommen, gleichermaßen vom Rentensystem profitieren.

Um keine Rentenbeiträge erhöhen zu müssen, plant die FDP den Beitrag für die gesetzliche Altersvorsorge von heute 18,6 auf 16,6 Prozent zu senken und einen zwei-prozentigen Beitrag zur Aktienrente einführen, welcher ebenfalls paritätisch von Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden zugleich getragen wird. So bliebe die Gesamtbelastung gleich.

Die Führung der Grünen und FDP auf Vorsondierungsgesprächen

Die Grünen nennen keine genauen Zahlen. In einem Blog-Beitrag von 2019 brachten Robert Habeck und Sven Giegold, EU-Abgeordneter der Grünen, eine exemplarische Summe von einem Prozent des Bruttolohns ins Spiel. Mit einem entsprechenden Arbeitgeberanteil also fast dieselbe Summe wie bei der FDP.

Bundestagswahl 2021: Aktienrente – Was sind die Vorteile?

Der erste Vorteil der Aktienrente, wie es die FDP nennt, liegt auf der Hand. Das System würde alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland zu Anlegerinnen und Anlegern machen. Nur wenige Deutsche sind am Aktien- und Anleihenmarkt aktiv und diejenigen sind in der Regel älter und verdienen relativ viel Geld. Die Aktienrente würde es niemandem verbieten, privat weiter vorzusorgen, würde jedoch auch Menschen mit geringerem Einkommen und/oder weniger Börsenwissen einen Anteil an Gewinnen aus dem Finanzmarkt ermöglichen.

Zudem wird angenommen, dass der Fonds eine jährliche Netto-Rendite von 6,5 Prozent nach sämtlichen Abzügen und Inflation erreichen müsste, um rentabel zu sein. Sofern das gelingt, würde es auch den Staat entlasten, indem es dessen Rentenkosten senkt.

Bundestagswahl 2021: Welche Nachteile bringt die Aktienrente?

An der Ruhr-Universität in Bochum hat die FDP ihr Modell von zwei Fachleuten durchrechnen lassen. Es zeigte sich, dass das Konzept zwar funktionieren kann, es wurden jedoch einige Stolpersteine entdeckt. Am offensichtlichsten: Es wird lange dauern, bis sich die Aktienrente lohnt. Rentnerinnen und Rentner von heute hätten etwa nichts davon. Wer im Jahr 2030 in Rente geht, bekäme im Durchschnitt 48 Euro im Monat. Erst im Jahr 2060 rentiert sich der Fonds für die ältere Bevölkerung.

Aus der Studie geht auch hervor, dass bei dem Modell das Rentenniveau bis zum Jahr 2035 von 48 auf 45 Prozent sinken muss – und erst anschließend wieder steigen darf. Der Beitrag müsste somit ab sofort von 18,6 auf 22,7 Prozent klettern, um die Kosten zu decken. Im Jahr 2060 lägen die Beiträge somit sogar bei 23,5 Prozent. Zu bedenken gilt jedoch, dass es ohne Aktienrente 25,2 Prozent sein würden.

Rente in Deutschland: Aktienrente würde weitere staatliche Zuschüsse benötigen

Bis 2042 würde die Aktienrente auch steigende Bundeszuschüsse benötigen. Selbst wenn im Gegenzug die Mütterrente und Rente mit 63 abgeschafft würden. Es müssten bis dahin 375,83 Milliarden Euro zusätzlich zu den bereits geplanten Zuschüssen ausgegeben werden. Ab 2043 würden die jährlichen Zuschüsse dann wieder sinken.

All diese Zahlen gelten jedoch nur, wenn der Fonds eine jährliche Netto-Rendite von durchschnittlich 6,5 Prozent erwirtschaftet. Er müsste dafür deutlich besser als der allgemeine weltweite Finanzmarkt der letzten 30 Jahre performen. Das ist möglich, wenn auch ein recht ehrgeiziger Plan.

Bundestagswahl 2021: Rentenreform in Deutschland – Wo liegen die Unterschiede zwischen FDP und Grünen?

Obwohl die Pläne sich sehr ähneln, gibt es doch gewichtige Unterschiede zwischen beiden Modellen der Parteien. Die Grünen möchten, dass alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verpflichtend einzahlen, im Gegensatz zum aktuellen Rentensystem. Das beinhalte auch Selbstständige und Beamte. In den Plan der Grünen soll allerdings ein „Opt-Out“-Modell für diejenigen integriert sein, die ihr Geld lieber privat anlegen.

Die Grünen wollen außerdem einen Maximalbetrag einführen, den jeder pro Jahr beisteuern kann. Dies soll verhindern, dass wohlhabende Menschen ihre Millionen künftig von Staat verwalten lassen. Wer verpflichtend weniger als diesen Maximalbetrag einzahlt, soll freiwillig noch Geld obendrauf legen können.

Bundestagswahl 2021: Ethik-Kommission soll Renten-Fonds begutachten

Ähnlich dem norwegischen Modell, wollen die Grünen eine Ethikkommission einrichten, die den Fonds begutachtet. Das soll sicherstellen, dass die Investitionen nach den sogenannten ESG-Kriterien ausgewählt werden. ESG steht für „Enviromental“ (Umwelt), „Social“ (sozial) und „Governance“ (gute Unternehmensführung“.

Die FDP möchte hingegen nicht, dass Beamte und Selbstständige verpflichtend in die Akteinrente einzahlen müssen. Selbstständigen soll es selbst überlassen bleiben, ob sie dies tun oder nicht – wie bisher. FDP-Chef Christian Lindner sprach sich dafür aus, in Zukunft strenger darauf zu schauen, wer überhaupt verbeamtet wird und wer nur von Staat angestellt wird. Das könnte indirekt die Einzahler-Basis vergrößern, wenn es in Zukunft mehr Staatsangestellte und weniger Beamte gäbe. (Lukas Zigo)

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