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SPD-Kanzlerkanidat Olaf Scholz am Mikrofon
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Aus US-amerikanischer Sicht stellt die SPD mit Olaf Scholz einen „langweiligen“ Kanzlerkandidaten zur Bundestagswahl 2021 auf.

Bundestagswahl

New York Times macht sich über Olaf Scholz lustig – „Langweiligster Typ im ganzen Land“

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Die Bundestagswahl wird auch international mit Spannung verfolgt. In den USA machen Armin Laschet und Olaf Scholz allerdings nicht den besten Eindruck.

Berlin/New York – Weniger als vier Wochen vor der Bundestagswahl 2021 steht die SPD um Kanzlerkandidat Olaf Scholz gut da. In Umfragen liegen die Sozialdemokraten vor der Union – erstmals seit fünfzehn Jahren. Nach einem Höhenflug im Frühling sind die Grünen mittlerweile drittstärkste Partei in der Gunst der Wählerinnen und Wähler. Die Union aus CDU und CSU, mit Armin Laschet als Kanzlerkandidat, steckt in der Krise und muss um eine Regierungsbeteiligung bangen.

Auch im Ausland blickt man gespannt auf die Wahl zum Bundestag – und wer die Nachfolge von Angela Merkel antritt, die sich nach 16 Jahren als Bundeskanzlerin zurückziehen wird. Was hat die internationale Presse über Scholz, Laschet und Annalena Baerbock zu sagen?

Bundestagswahl 2021: Olaf Scholz und Armin Laschet „langweilig“

Auch die renommierte Zeitung New York Times aus den USA setzt sich mit der Bundestagswahl auseinander. „Bitte kein Charisma“, lautet die vielsagende Überschrift des Artikels. Die zwei führenden Kanzlerkandidaten Olaf Scholz und Armin Laschet seien „Anzug-tragende Karrierepolitiker“, dazu „alles andere als aufregend“ und anstatt eines „Yes, We Can“ begeistere man die Wählerinnen und Wähler mit Versprechen von „Stabilität“, schreibt die Journalistin Katrin Bennhold.

Deutschland stehe die wichtigste Wahl seit einer Generation bevor. Darauf würde man allerdings niemals kommen, wenn man sich die Kandidaten anschaut, heißt es. Der Wahlkampf lege ein „Charisma-Vakuum“ offen, das einerseits typisch für die politische Landschaft in Deutschland sei, andererseits auch einen möglichen Führungs-Mangel in Krisenzeiten bedeuten könnte.

Auf der einen Seite steht also Olaf Scholz, in Deutschland angeblich „Scholz-o-Mat“ oder „Scholz-Maschine“ genannt, von der New York Times als Technokrat beschrieben. Der amtierende Finanzminister und Vizekanzler wiederhole seine politischen Botschaften wie ein Roboter. Fehler würden ihm kaum unterlaufen – weil er nur wenig sagt.

Bundestagswahl 2021: Olaf Scholz mit auffallender Ähnlichkeit zu Angela Merkel

„Die meisten Bürger und Bürgerinnen wissen, wer ich bin“, hatte Scholz vor Monaten stolz verkündet. Für Katrin Bennhold birgt diese Aussage eine auffallende Ähnlichkeit zu Merkels „Sie kennen mich“ aus dem Wahljahr 2013. Er strenge sich so sehr an, die Aura von Kanzlerin Merkel zu verkörpern, dass er sogar mit der sogenannten „Merkel-Raute“ posiere. „Der Typ, den jeder am meisten mag, ist der langweiligste Typ bei der Wahl – vielleicht im ganzen Land“, meint John Kornblum, ehemals US-Botschafter in Berlin.

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Armin Laschet, auf der anderen Seite, habe den Vorzug vor Markus Söder (CSU) als Kanzlerkandidat der Union erhalten, weil er am ehesten der Kontinuitäts-Linie von Angela Merkel entspreche. Olaf Scholz habe ihn jedoch bei seinem eigenen Spiel geschlagen, heißt es. Selbst Laschet hatte Scholz vorgeworfen, wie Merkel klingen zu wollen. „Ich finde, ich klinge wie Olaf Scholz“, entgegnete der SPD-Kandidat trocken. Annalena Baerbock von den Grünen habe im Gegensatz zu Scholz und Laschet „Schwung“ und umfassende Reform-Versprechen in den Wahlkampf gebracht, ist allerdings in den Umfragen abgesackt.

Bundestagswahl 2021: Olaf Scholz und Armin Laschet – „Die Deutschen lieben langweilig“

Die New York Times beruft sich auf politische Analysten, die festgestellt hätten: „Die Deutschen lieben langweilig.“ Sie würden Charisma an sich zwar als etwas positives empfinden, wie 100.000 Deutsche beim Auftritt von Barack Obama 2008 in Berlin gezeigt hätten, allerdings nicht bei ihren eigenen Politiker:innen. Der letzte „mitreißende“ Anführer, den Deutschland gehabt hätte, sei Adolf Hitler gewesen, meint TV-Moderator Jan Böhmermann. Und das fand bekanntlich kein gutes Ende. Nun sei Charisma aus der Politik verbannt. „Ein Charakter wie Donald Trump könnte hier nie Kanzler werden“, fügt Andrea Römmele von der Hertie School in Berlin hinzu.

Das hänge auch mit dem Wahlverfahren in Deutschland zusammen, im Zuge dessen in der Regel Koalitionen für die Regierungsbildung benötigt werden. „Dein Rivale heute könnte morgen dein Finanzminister sein“, so Römmele. Zu hitzig könne der Wahlkampf deshalb nicht werden.

In erster Linie würden diese Kandidaten Stabilität versprechen – in Zeiten der Krise aber keine Zukunftsvisionen vorstellen. Böhmermann sagte in der Hinsicht, dass Deutschland 16 Jahre gut verwaltet wurde – oder über den gleichen Zeitraum in einer politischen Narkose war. (lrg)

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