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Wo haben die Parteien ihre Hochburgen? Unsere Datenanalyse zeigt es.
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Wo haben die Parteien ihre Hochburgen? Wo erfahren sie am wenigsten Zustimmung? Unsere Datenanalyse zeigt es.

Interaktive Karten

Bundestagswahl 2021: Das sind die Hochburgen der Parteien

  • Monika Gemmer
    VonMonika Gemmer
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Wo die SPD die absolute Mehrheit holt, die Grünen die 5-Prozent-Hürde reißen, FDP und Linke an der 20-Prozent-Marke kratzen und die CDU noch Volkspartei ist: Unsere Analyse der Wahlkreis-Ergebnisse.

Frankfurt – Wie Phönix aus der Asche ist die SPD* bei der Bundestagswahl 2021* nach dem Absturz wieder auferstanden. Die Grünen* verbuchen einen noch größeren Zugewinn, die FDP* freut sich über ein stabiles Ergebnis, während Union, AfD* und die Linke verlieren. Soweit die Gesamt-Bilanz. Betrachtet man das Abschneiden der Parteien in den 299 Wahlkreisen genauer, so zeigt sich: Die Erfolge der SPD basieren stark auf dem Wahlverhalten im Norden Deutschlands. Die Hochburgen der Grünen liegen in Westdeutschland, während der Osten ihnen die kalte Schulter zeigt. Nordrhein-Westfalen sorgt dafür, dass die CDU* insgesamt nicht noch tiefer stürzt, die FDP ist „Ländle“-Partei. Und: Nicht nur die AfD kann sich „Ost-Partei“ nennen.

Unsere Karten zeigen die Hochburgen für die wichtigsten sechs Parteien. Klicken oder tippen Sie auf einen Landkreis, um zu sehen, wie die jeweilige Partei hier bei Erst- und Zweitstimme abgeschnitten hat – und welche Ergebnisse die anderen Parteien im Vergleich erreicht haben. Eingefärbt sind unsere Karten nach Zweitstimmen-Ergebnissen. Zusätzlich liegen nun auch die Ergebnisse der Erst- und Zweitstimmen aller 11.000 Gemeinden in Deutschland* für Sie vor.

SPD bei der Bundestagswahl 2021: Bestwerte bei Erst- und Zweitstimmen

Das deutschlandweit beste Zweitstimmen-Ergebnis holt nicht etwa die CSU* in Bayern, sondern die SPD in Niedersachsen: 43,3 Prozent im Wahlkreis Aurich-Emden für die Sozialdemokraten – keine Partei erreicht in einem der 299 Wahlkreise ein höheres Ergebnis bei den Zweitstimmen. Und Aurich – Emden beschert der SPD auch den zweiten Bestwert dieser Bundestagswahl: Bei den Erststimmen erreicht ihr Kandidat Johann Saathoff mit 52,8 Prozent in diesem Wahlkreis die absolute Mehrheit – der höchste Zustimmungswert unter sämtlichen 1284 Direktkandidierenden bundesweit. Saathoff wurde bereits zum dritten Mal direkt in den Bundestag gewählt, schon im Jahr 2017 holte er in Aurich – Emden Bestwerte für seine Partei. Im Bundestag machte er unter anderem 2018 von sich reden, als er die Forderung der AfD nach der Festschreibung von Deutsch als Amtssprache im Grundgesetz mit einer Rede parierte, die er teilweise in niederdeutsch hielt.

Bundestagswahl 2021: Auch Angela Merkels Heimatwahlkreis geht an die SPD

Der Wahlkreis Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I – bislang der Heimatwahlkreis von Angela Merkel – wird erstmals seit 30 Jahren von einer SPD-Abgeordneten im Bundestag vertreten: Anna Kassautzki siegt hier mit 24,3 Prozent der Erststimmen.

Nahe an 40 Prozent kommt die SPD bei den Zweitstimmen in den Wahlkreisen Herne-Bochum II (38,2), Saarbrücken (38,1), Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund (38) und Goslar-Northeim-Osterode (37,9). Überdurchschnittlich schneidet die SPD auch im Saarland ab, wo die Grünen nicht zur Bundestagswahl zugelassen waren. Ihr schlechtestes Zweitstimmen-Ergebnis bekommt die Partei mit 13,5 Prozent in Bad Tölz-Wolfratshausen-Miesbach.

Union bei der Bundestagswahl 2021: Jens Spahn und Friedrich Merz holen Direktmandate, werden aber abgewatscht

Viel Schatten, aber auch ein wenig Licht – vor allem im Westen (CDU) und im Südosten (CSU): Die Union muss in zahlreichen Wahlkreisen Federn lassen, kann aber in einigen Regionen auch punkten.

Wahlergebnisse wie in besten Volkspartei-Zeiten erreicht die CDU vor allem in Wahlkreisen Nordrhein-Westfalens. Ihre besten Ergebnisse aber holt sie im niedersächsischen Wahlkreis Cloppenburg-Vechta: Die Wählerinnen und Wähler geben den Christdemokraten hier 38,4 Prozent der Zweitstimmen, bei den Erststimmen fährt CDU-Kandidatin Silvia Breher sogar 49 Prozent ein – der beste Wert aller CDU-Direktkandidierenden.

Die größten CDU-Hochburgen in Nordrhein-Westfalen nach Zweitstimmen sind die Wahlkreise Borken II (36,7) und Coesfeld-Steinfurt II (34,5). Im Wahlkreis Steinfurt-Borken I, wo Gesundheitsminister Jens Spahn* wieder als Direktkandidat antrat, holt die CDU 33,8 der Zweitstimmen; Spahn konnte sich mit 40 Prozent der gültigen Erststimmen durchsetzen, büßt allerdings 11,3 Prozentpunkte gegenüber 2017 ein.

Zu den CDU-Hochburgen in NRW zählt auch der Hochsauerlandkreis: Friedrich Merz* trat hier als Direktkandidat an, und dies – anders als beim Versuch, den CDU-Vorsitz zu übernehmen – mit Erfolg. Mit 40,4 Prozent Zustimmung löst er wieder das Ticket in den Bundestag. Aber auch Merz muss Verluste von 7,5 Prozent hinnehmen.

Bundestagswahl 2021: Julia Klöckner und Philipp Amthor verlieren Direktmandate

Einige Politik-Promis der CDU müssen ihren Wahlkreis an die SPD abgeben, darunter Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (Kreuznach) und der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor, der im Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I-Vorpommern-Greifswald II auf Platz 3 landete.

Am wenigsten Zustimmung erfährt die CDU im Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost: Gerade einmal 7 Prozent der Zweitstimmen entfallen hier auf die Christdemokraten.

Und die Schwesterpartei CSU? Betrachtet man die Ergebnis-Karte, so scheint die Zustimmung der Wählerinnen und Wähler in Bayern nach wie vor groß – im Vergleich mit der vielerorts abgewatschten CDU. Aber auch die CSU schwächelt, sie kommt in Bayern auf 36,9 Prozent der Erst- und 31,7 Prozent der Zweitstimmen, schafft es bundesweit mit 5,2 Prozent (minus 1 Prozentpunkte) knapp über die 5-Prozent-Hürde.

Ihr bestes Zweitstimmen-Ergebnis holen Söders Christsoziale in Bad Kissingen (37,6 Prozent), ihr schlechtestes in München-Nord (22,9). Die größte Zustimmung bei den Erststimmen erfährt Emmi Zeulner, die als CSU-Direktkandidatin in Kulmbach 47,8 Prozent der Stimmen für sich gewinnen kann.

Die Grünen bei der Bundestagswahl 2021: Erste Direktmandate im Südwesten, kalte Schulter im Osten

Die Hochburgen der Grünen sind kreuz und quer im Land verteilt – genauer: im halben Land, denn im Osten Deutschlands bekommt die Partei mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock* kaum einen Fuß in die Tür. Einige dunkelgrüne Flecken zeigt die Zweitstimmen-Karte jedoch auch dort, etwa in Berlin, Dresden und Leipzig.

Viele grüne Hochburgen liegen im Südwesten, wo die Partei mit Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg seit 2011 den einzigen grünen Ministerpräsidenten stellt, und im Norden, wo die Grünen in Schleswig-Holstein und Hamburg mitregieren. Einige ihrer Top-Ergebnisse holt die Partei auch außerhalb dieser beiden Bundesländer. In fünf Wahlkreisen kommen die Grünen auf mehr als 30 Prozent der Zweitstimmen: Köln II (31,9 Prozent), Freiburg (31,6), Münster (30,7), Berlin-Mitte (30,7) und Hamburg-Altona (30,3).

Von ihren bundesweit 16 eroberten Direktmandaten liegen erstmal vier in Baden-Württemberg.: In Heidelberg setzt sich Franziska Brantner mit 30,2 Prozent durch, in Karlsruhe-Stadt und Freiburg machen Zoe Mayer (30 Prozent) und Chantal Kopf (28,8 Prozent) das Rennen. Der ehemalige Parteichef Cem Özdemir holt in Stuttgart I mit 40 Prozent das beste Erststimmen-Ergebnis seiner Partei.

Bundestagswahl 2021: Johannes Kretschmann und Annalena Baerbock unterlegen

Im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen konnte ein anderer Grüner nicht punkten: Johannes Kretschmann, dem Sohn des Ministerpräsidenten, reichten 16,9 Prozent lediglich für Platz 3. Auch Annalena Baerbock unterlag bei den Erststimmen: Im Wahlkreis 61 (Potsdam-Potsdam-Mittelmark II-Teltow-Fläming II), wo die grüne Kanzlerkandidatin sich um das Direktmandat beworben hatte, verlor sie mit 18,8 Prozent deutlich gegen den Direktkandidaten der SPD (34 Prozent). Sein Name: Olaf Scholz*.

Der Wahlkreis mit dem magersten Zweitstimmen-Ergebnis für die Grünen liegt in Sachsen: Im Erzgebirgskreis I bekommen sie gerade einmal 3,3 Prozent.

Die FDP bei der Bundestagswahl 2021: Zustimmung vor allem im Ländle – aber kein Direktmandat

Die drei Wahlkreise mit den besten Zweitstimmen-Ergebnissen der FDP liegen in Baden-Württemberg: In Rottweil-Tuttlingen kommen die Liberalen auf 18,1 Prozent, in Böblingen auf 18, in Waiblingen auf 17,7 Prozent. Am schlechtesten schneidet die FDP in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost ab: 6,4 Prozent geben ihr hier die Zweitstimme.

Ein Direktmandat kann die FDP nirgendwo erobern. Auch bei Parteichef Christian Lindner*, der sich neben der Landesliste auch via Direktkandidatur im Rheinisch-Bergischen Kreis für den Bundestag beworben hatte, reicht es mit 16,8 Prozent der Erststimmen nur für Platz 4 in diesem Wahlkreis. Allerdings: Es ist das beste Erststimmen-Ergebnis, das seine Partei in den 299 Wahlkreisen erreicht.

AfD bei der Bundestagswahl 2021: Hochburgen liegen weiterhin vor allem in Sachsen

Die AfD verliert bundesweit, auch in Ostdeutschland büßt sie in einigen Wahlkreisen Stimmen ein. Doch nach wie vor ist die Zustimmung im Osten am größten, vor allem in Sachsen. In sechs Wahlkreisen erreicht die in Teilen rechtsextreme Partei Zweitstimmen-Ergebnisse von mehr als 30 Prozent: Görlitz (32,5), Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (31,9), Bautzen I (31,9), Erzgebirgskreis I (30,6), Mittelsachsen (30) und Meißen (29,8). In Görlitz holt Parteichef Tino Chrupalla mit 35,8 Prozent das beste Erststimmen-Ergebnis für die AfD. Insgesamt gewinnt die Partei 16 Direktmandate.

Am wenigsten Zustimmung erfährt die AfD in den Wahlkreisen Münster und Köln II (jeweils 2,9 Prozent der Zweitstimmen) und in Hamburg-Altona (3,3).

Die Linke bei der Bundestagswahl 2021: Im Osten noch immer am stärksten

Auch die bei der Bundestagswahl gebeutelte Linke* (minus 4,3 Prozent der Zweitstimmen) holt ihre besten Ergebnisse im Osten der Republik. Am stärksten ist sie nach Zweitstimmen in Berlin-Lichtenberg (18,3) und in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg (18). In Berlin-Treptow-Köpenick beschert Gregor Gysi der Linken das beste Erststimmen-Ergebnis: Der frühere Fraktionsvorsitzende erreicht hier 35,4 Prozent und Platz 1.

Die Wahlkreise, in denen die Linke weniger als 2 Prozent der Zweitstimmen bekommt, liegen allesamt in Bayern: Deggendorf und Donau-Ries (jeweils 1,8 Prozent), Straubing, Rottal-Inn und Schwandorf (jeweils 1,9).

Obwohl die Linke bundesweit unter 5 Prozent bleibt, zieht sie in Fraktionsstärke mit insgesamt 39 Abgeordneten in den Bundestag ein. Grund sind die drei Direktmandate, die die Partei holen kann – eines davon im sächsischen Wahlkreis Leipzig II, wo Sören Pellmann 22,8 Prozent erreicht.

(Monika Gemmer) *fr.de ist ein Angebot in IPPEN.MEDIA.

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