Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der Wahlbezirk der Hoffnung im schönen Rom.
+
Der Wahlbezirk der Hoffnung im schönen Rom.

Glosse

Bundestagswahl-Odyssee: Ich durfte (fast) nicht wählen

  • VonMirko Schmid
    schließen

Wie aus einem einfachen Gang zur Bundestagswahl 2021 eine Reise in die Zeit der alten Römer wurde. Eine Glosse.

Frankfurt - Im Trickfilm-Klassiker „Asterix erobert Rom“ werden der Titelheld und sein bester Freund Obelix in ein „Haus, das Verrückte macht“ geschickt. Ihre Aufgabe: Nur eine „verwaltungstechnische Formalität“ erledigen, die da wäre: Passierschein A38 verlangen. Eine putzige Veralberung der Bürokratie, die sich lange nicht mehr aus dem wohligen Gedächtnis ins Bewusstsein gedrängt hat. Bis heute, am Tag der Bundestagswahl 2021.

Und das kam so: Nach einem kürzlich erfolgten Umzug von, nennen wir es, um im Bild zu bleiben, Rom nach Gallien, war die Informationslage darüber, an welchem der Orte die Stimme nun abgegeben werden soll, zunächst dünn. Ein paar Klicks später wurde sie klarer: Erst ab 42 Tagen nach der Ummeldung wird am neuen Wohnort gewählt, davor noch am alten. Nagut.

Also frühzeitig auf dem Weg von Gallien nach Rom, bewaffnet mit einem amtlichen Ausweisdokument zur Versicherung der eigenen Identität. Dort angekommen, haben die örtlichen Wahlhelfenden erst einmal ihre liebe Mühe, das Begehren zuzuordnen. Kommt wohl nicht häufig vor, sowas. Die neue Adresse finden sie nicht in ihren Unterlagen. Liegt daran, dass die neue Adresse ja schließlich gar nicht in Rom liegt. Also wird nach der Adresse in Rom gesucht, der alten, verlassenen Heimstätte also. Steht aber nicht drauf. Adresse ja, aber erst ab Hausnummer 10. „Ihr Haus gibt es nicht“, wird mitgeteilt.

Bundestagswahl 2021: Die gefühlte Dauerschleife zwischen Gallien und Rom

Trotzig wird dem Herren versichert, dass es das Haus wohl gebe. Davon wurde sich zuvor überzeugt, es liegt auch nach dem Wegzug noch immer ganz leibhaftig und standhaft direkt quer gegenüber des Wahlschauplatzes. Ein Wahlbüro weiter wird die Adresse dann doch auch im niedrigstelligen Bereich gefunden. Inklusive des passenden Namens sogar. Nur: Ein dickes, fettes Kreuz im Wahlverzeichnis mit dem Zusatz „Wegzug“ in sauberen Lettern neben eben diesem Namen.

„Hier dürfen Sie leider nicht wählen“, wird freundlich mitgeteilt. Schließlich Wegzug. Also zurück von Rom nach Gallien, zum Glück fährt die Kutsche zwischen beiden Orten immerhin stündlich. In Gallien angekommen der nächste Schachzug dieses seltsamen Tages. Adresse stimmt diesmal auf Anhieb mit der auf dem Ausweisdokument überein, aber nein, Sie gibt es hier noch nicht, sagen die bemerkenswert freundlichen und hilfsbereiten Mitmenschen im Ehrenamt vor Ort, die bereits zu Beginn des Gesprächs in das Dilemma eingeweiht wurden.

Wahlwünsche in Gallien: Wunderbare Menschen, den Passierschein A38 aber gab es hier nicht.

Aber warten Sie kurz, wir rufen mal an und klären das. Sie rufen an und nach einer Weile klären sie es auch. Zwischendrin bieten sie Kuchen an. Es tut uns wirklich super leid, wir haben nun an oberster Stelle nachgefragt. Leider müssen Sie tatsächlich noch einmal nach Rom fahren, hier in Gallien dürfen Sie noch nicht wählen. Also zurück in die Kutsche nach Rom, es hilft ja nichts. Auf dem Weg fällt auf, dass das Ausweisdokument noch in den Händen der gallischen Wahlhelfenden liegt. Auf halber Strecke zurück nach Gallien, wo die frohe Kunde wartet, dass das Dokument per eifrig rekrutiertem Boten mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Behausung ist. Bringt aber nichts, weil der Wahlberechtigte ja vor ihnen steht.

Die Odyssee zur Bundestagswahl 2021 bringt Erkenntnisse

Eine Weile später kommt der gute Mann zurück, man sieht ihm seinen vollen Einsatz an. Außer Atem präsentiert er den handlichen und amtlichen Identifikationsnachweis und übergibt ihn feierlich. Lachend wird sich vom bedröppelten Dauergast verabschiedet. Zurück in Rom passiert es dann. Nach einigem kurzen Suchen („Das Post-It!“, „Ja, die haben das so geklärt“) darf das Kreuz auf den Stimmzettel zur Bundestagswahl dann doch in Rom gesetzt werden.

Einige Erkenntnisse bringt sie, die Odyssee am Wahltag. Bürger:innenpflicht ist Bürger:innenpflicht. Manchmal kann es etwas haken, aber am Ende darf in diesem Land jeder wählen: Jene irren, die bei kleinsten Komplikationen den Betrug herbeireden. Vor Ort, da arbeiten tolle Menschen, die sich inmitten aller Suche nach dem Passierschein A38 redliche Mühe geben. Und: Eine Briefwahl wäre eine ziemlich gute Idee gewesen.

Heute wurde nicht nur gewählt. Heute wurde mit vollem Einsatz gewählt. (Mirko Schmid)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare