Bundestagsverwaltung

Ostdeutsche? Fehlanzeige

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Die Bundestagsverwaltung bleibt ein vornehmlich westlicher Club.

Das Problem ist hinlänglich bekannt: Auch 30 Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR dominieren immer noch Westdeutsche die Etagen der Macht – zumindest die in Form der Bundestagsverwaltung. Zuletzt im Mai 2018 nämlich teilte ein Sprecher derselben mit, es gebe „derzeit keine ostdeutsche Abteilungsleiterin und keinen ostdeutschen Abteilungsleiter“ im Reichstag. Von aktuell 14 Unterabteilungen werde lediglich eine von einem Ostdeutschen geleitet. Außerdem kämen von insgesamt 101 Referats-, Fachbereichs- und Sekretariatsleiterinnen und -leitern nur vier aus Ostdeutschland. Insgesamt arbeiten in der Bundestagsverwaltung rund 3000 Menschen.

Am Mittwoch hätte nun die Gelegenheit bestanden, dies ein wenig zu korrigieren. Da entschied das Präsidium über die Besetzung von drei neuen Abteilungsleiterposten. Mit Sven Vollrath gab es einen ostdeutschen Kandidaten. Er brachte – so jedenfalls die Meinung seiner Unterstützer – alle Voraussetzungen mit: Vollrath war 1997 Dozent für politische Bildung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, 1998 Referent in der SPD-Wahlkampfzentrale, von 1999 bis 2005 Referent und Büroleiter des damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse und leitet seit einigen Jahren in der Bundestagsverwaltung die 70-köpfige Unterabteilung Euro-pa. Dennoch wurde es nichts mit der Beförderung.

Stattdessen wurden nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) der bisherige Büroleiter von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble berufen – und zwei weitere Westdeutsche. Zur Begründung hieß es, Vollrath sei zu jung – er ist 49 – und kein Jurist. Auch eine Kandidatin kam nicht zum Zuge.

Das sorgt in Teilen der SPD für Unmut. „Mit der Entscheidung hat Wolfgang Schäuble eine Chance vertan“, habe „ältere Männer“ berufen und seinen Büroleiter befördert, monierte Frank Junge, Vorsitzender der SPD-Landesgruppe Ost.

Während sich Vollrath als unmittelbar Betroffener nicht äußert, verweisen seine Sympathisanten auf die Tatsache, dass es mit der Repräsentanz von Ostdeutschen in Führungsposten der Bundesministerien nicht besser aussehe. Sie sprechen von dem Gefühl der Demütigung. Hier wie dort existiere „eine gläserne Decke“ für Ostdeutsche, sagt ein mit den Dingen Vertrauter.

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