Bundestag

Brutale Belastung im Bundestag

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Matthias Hauer und Simone Barrientos sind im Bundestag umgekippt. Die medizinischen Notfälle werfen ein hartes Licht auf den Polit-Alltag.

Nach zwei medizinischen Notfällen im Bundestag beklagt der SPD-Gesundheitsexperte und Arzt Karl Lauterbach die hohe körperliche und psychische Anspannung in Sitzungswochen. „Wer an entscheidender Stelle mitarbeitet und zum Beispiel Sitzungen leiten muss, hat eine Arbeitsbelastung, die weit über das übliche und gesundheitlich unbedenkliche Maß hinausgeht“, sagt Lauterbach.

Im Plenum hatte es am Donnerstag zwei erschreckende Situationen gegeben. Der CDU-Abgeordnete Matthias Hauer erlitt während seiner Rede einen Zusammenbruch. Später hatte Simone Barrientos von der Linken einen Schwächeanfall.

Abgeordnete stünden unter der Dreifachbelastung, sich auf aktuelle Veranstaltungen zu konzentrieren, Folgetermine vorzubereiten und die sozialen Medien im Auge behalten zu müssen, sagte Lauterbach. Gerade für die Vorbereitung bleibe oft zu wenig Zeit.

Lauterbach räumte ein, dass die körperliche Belastung der Abgeordneten unterschiedlich hoch sei – sprich: Opponieren ist leichter als Regieren. Sicher sei auf jeden Fall, „dass Bundestagsabgeordnete auf lange Sicht betrachtet ungesund leben“.

„Die AfD schikaniert“

Lauterbach, der nach eigenen Angaben an der Erstversorgung beider Notfälle beteiligt war, beklagte die mangelhafte Ausstattung des Bundestags: „Die Medikamente lagen im Koffer verstreut, nicht mal Sauerstoff war da.“ Das soll sich laut Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) schnellstens ändern. Lauterbach fordert aber auch weiterreichende Konsequenzen. „Die Sitzungswochen müssen entzerrt werden“, sagte er. Und ein allgemeines Sitzungsende um 23 Uhr wäre auch gut. Mehr als 15 Stunden Arbeit ab acht Uhr früh seien eh nicht sinnvoll. Und „Nachtsitzungen sollten wir abschaffen“.

Der SPD-Politiker kritisierte, dass der Bundestag seit dem Einzug der AfD zu viel Zeit mit überflüssigen Debatten und Symbolentscheidungen verliere. „Es ist leider Teil der AfD-Politik im Bundestag, die Abgeordneten zu schikanieren“, klagte Lauterbach. „Als der Kollege Hauer zusammenbrach, debattierte der Bundestag gerade den Antrag der AfD zur Rettung des Bargeldes. Dabei will das niemand abschaffen.“

Auch die Größe des Bundestags führe zu einer Arbeitsverdichtung, sagte Lauterbach. „Mehr Abgeordnete bedeutet mehr Unterlagen, mehr Ausschüsse, mehr Profilierung“, so der Parlamentarier. „Wir müssen das Wahlrecht so reformieren, dass die Größe des Bundestags die vorgesehene Regelgröße von 598 Mitglieder nicht übersteigt“, so der Sozialdemokrat. 

(mit dpa)

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