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Höchst lebendig: Der angeblich in Kiew ermordete russische Journalist Arkadi Babtschenko bei einer Pressekonferenz des ukrainischen Geheimdienstes SBU.

Mord an russischem Journalisten

Bundesregierung verurteilt Ermordung und fordert Aufklärung

Die Bundesregierung hat die Ermordung des russischen Journalisten Arkadi Babtschenko in der Ukraine verurteilt und fordert eine rasche Untersuchung und Aufklärung der Umstände des "feigen und hinterhältigen Mordes".

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Mittwoch in Berlin, die Verantwortlichen müssten zur  Rechenschaft gezogen werden. Das gelte in gleicher Weise für die 2015 und 2016 in Kiew ermordeten Journalisten Oleg Busina und Pawel Scheremet, deren Schicksal immer noch nicht aufgeklärt sei.

Babtschenko war am Dienstagabend vor seiner Wohnung in Kiew erschossen worden. Medienberichten zufolge erlag der 41-Jährige seinen Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus. Er sei vermutlich wegen seiner journalistischen Arbeit ermordet worden, erklärte die ukrainische Polizei demnach. Die Täter seien noch unbekannt. Babtschenko war im Februar 2017 aus Russland geflohen und lebte laut „Reporter ohne Grenzen“ zunächst in Tschechien und Israel, bevor er sich im August 2017 in der ukrainischen Hauptstadt niederließ.

Der Fall Babtschenko gehört zu einer Kette ungeklärter Morde an russischen Regierungskritikern in der Ukraine. 2016 war der weißrussische Journalist Pawel Scheremet in der Ukraine bei einem Autobombenanschlag getötet worden. Ein Jahr zuvor wurde der ukrainische Journalist Oleg Busina ermordet. Beide Fälle sind bislang nicht aufgeklärt. Die Ukraine steht auf der Rangliste der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ auf Platz 101 von 180 Staaten, Russland auf Platz 148.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat beim Besuch in der Ukraine die Ermordung des russischen Journalisten Arkadi Babtschenko scharf verurteilt. Er forderte am Mittwoch in Kiew eine umfassende Aufklärung und sagte: „Wir müssen Bedingungen schaffen, dass Journalisten überall auf der Welt ihre Arbeit ohne Gefahr für Leib und Leben verrichten können.“ Steinmeier sprach von einer „traurigen und erschütternden Nachricht“.  (epd/dpa)

Außenminister Maas reist nach Kiew

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) reist am Donnerstag zu einem Besuch in die Ukraine. Zunächst werde der Minister in der Hauptstadt Kiew politische Gespräche führen, ehe er dann am Freitag in der Konfliktregion im Osten des Landes die Stadt Mariupol besucht, teilte ein Außenamtssprecher am Mittwoch in Berlin an. Mariupol liegt an der Kontaktlinie zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den prorussischen Rebellen.

Von der Ermordung des kremlkritischen russischen Journalisten Arkadi Babschenko in Kiew zeigte sich Maas entsetzt. „Das ist wieder eine erschütternde Nachricht, die zeigt, wie sehr die Pressefreiheit international unter Druck steht“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstagsausgaben).

Mit Babschenkos Tod verliere „die Welt einen aufrechten Journalisten“. Babschenko habe sich „auch durch die Drohungen, die er erhielt, nicht davon abhalten lassen, kritisch und unabhängig zu berichten“, sagte Maas. Der Minister sprach von einer „feigen Tat“, die aufgeklärt werden müsse. (afp)

Kreml verurteilt Ukraine als „gefählichen Ort“ für Journalisten

Der Kreml hat die Ermordung des prominenten russischen Journalisten Arkadi Babschenko in Kiew „scharf verurteilt“. Moskau hoffe auf „wahrhaftige Ermittlungen“ zu den Drahtziehern der Tat.

Die Ukraine sei ein „sehr gefährlicher Ort“ für Journalisten geworden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. Babschenko war am Dienstag im Treppenhaus seines Wohngebäudes in der ukrainischen Hauptstadt erschossen worden.

Der 41-jährige Journalist hatte Russland vor zwei Jahren verlassen, weil er dort als scharfzüngiger Kreml-Kritiker Repressionen ausgesetzt war. Ukrainische Regierungsvertreter äußerten den Verdacht, dass russische Stellen hinter dem Mordanschlag stecken. Russland wies dies empört zurück.

Bevor er Moskau verließ, hatte Babschenko für die oppositionelle Zeitung „Nowaja Gaseta“ und den liberalen Radiosender Moskauer Echo gearbeitet. Zuletzt arbeitete er von Kiew aus für den krimtatarischen ukrainischen Sender ATR und betrieb einen sehr aktiven Internet-Blog. (afp)

Ukraine beschuldigt Russland

Der ukrainische Ministerpräsident Wladimir Groisman macht Moskau verantwortlich für den Mord an dem kremlkritischen russischen Journalisten Arkadi Babtschenko in Kiew. „Ich bin überzeugt, dass die russische totalitäre Maschinerie ihm seine Ehrlichkeit und Prinzipientreue nicht verziehen hat“, schrieb Groisman auf Facebook. Die Suche der ukrainischen Polizei nach dem Täter verlief bis Mittwochmittag ergebnislos.

Es sei traurigerweise Mode geworden, nach solchen Vorfällen sofort Russland zu beschuldigen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Das liege daran, dass sich die Ukraine „einer völligen Straffreiheit seitens ihrer westlichen Aufpasser“ erfreue, unterstellte er. (afp)

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