Untergrund-Aktivist

Fauxpas: Verfassungsschutz-Chef beschäftigte Neonazi als Leibwächter

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
    schließen

Beim Verfassungsschutz war ein Leibwächter eingestellt, der dem rechtsradikalen Untergrundnetzwerk „Uniter“ angehört. Thomas Haldenwang wurde von ihm geschützt.

  • Der „Uniter“-Aktivist H. schützte auch andere Topbeamte des Verfassungsschutzes.
  • Das Untergrundnetzwerk könnte an sensible Daten gelangt sein.
  • Es gilt als Verdachtsfall.

Berlin - Als Chef des Verfassungsschutzes sollte man seine Mitarbeiter penibel durchleuchten. Eigentlich. Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), ist laut Berliner Sicherheitskreisen allerdings eine „schwere Panne“ unterlaufen. So stellte Haldenwang den „Uniter“-Aktivisten H. als seinen Leibwächter ein.

Verfassungsschutz stellt Neonazi als Leibwächter ein: Auch andere Topbeamte wurden von ihm geschützt

Mehr noch: Auch andere Topbeamte sollen von ihm geschützt worden sein. Das bestätigte ein Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums dem „Focus“ auf Nachfrage. Heikel daran ist, dass Leibwächter durch ihre Rolle auch sensible Informationen über das Privatleben und das familiäre Umfeld der geschützten Personen bekommen. So geschehen auch bei Thomas Haldenwang.

„Uniter“ könnte an sensible Daten gelangt sein - Verfassungsschutz stufte Netzwerk als Verdachtsfall ein

Solch sensible Informationen könnten auch an „Uniter“ geflossen sein. Besonders pikant: Das Untergrundnetzwerk wurde erst im Juni vom Verfassungsschutz von einem Prüffall zu einem Verdachtsfall hochgestuft. Nach Angaben des Verfassungsschutzes gab es „hinreichend gewichtigte tatsächliche Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen der Organisation“.

Thomas Haldenwang, Chef des Verfassungsschutzes, ist ein Fauxpas unterlaufen.

So soll „Uniter“ gezielt vertrauliche Informationen gesammelt haben, um sie im Netzwerk zu verbreiten. Außerdem steht es in Verdacht, Todeslisten politischer Gegner erstellt und geheime Waffendepots angelegt haben. Auch rechte Soldaten und Polizisten aus Spezialeinheiten stehen mit „Uniter“ in Verbindung. Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, wollte sich auf eine „Focus-Anfrage“ nicht äußern.

Rubriklistenbild: © Hannibal Hanschke/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare