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Gaben besonders viel Geld für externe Berater aus: Innenminister Horst Seehofer (r.) und Verkehrsminister Andreas Scheuer.

Kosten

Bund zahlt pro Tag eine Million Euro für Berater

178 Millionen Euro in sechs Monaten: Die Ministerien lassen sich externen Sachverstand einiges kosten. Das Verteidigungsressort bleibt Zahlen schuldig, die Summe dürfte also noch höher liegen.

Die Bundesregierung hat im ersten Halbjahr mindestens 178 Millionen Euro für externe Berater ausgegeben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Finanzministeriums in den 14 Ressorts, die auf Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn durchgeführt wurde und der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Mit Abstand am meisten investierten das Innenministerium mit 78,7 Millionen Euro und das Verkehrsministerium mit 47,7 Millionen Euro in Sachverstand von außen. Das Bildungsministerium benötigte dagegen am wenigsten zusätzliche Expertise. Dort wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 293 000 Euro für Berater ausgegeben.

Finanz-Staatssekretärin Bettina Hagedorn betont in ihrer Antwort allerdings, dass es für externe „Beratungs- und Unterstützungsleistungen“ keine einheitliche Definition in den einzelnen Ministerien gebe. Deshalb könne „nicht von einer ressortübergreifenden Vergleichbarkeit der Angaben ausgegangen werden“.

Das Kanzleramt ist in der Aufstellung nicht berücksichtigt. Als einziges Bundesministerium machte das Verteidigungsressort keine Angaben. Dort sei „die entsprechende Erhebung (…) noch nicht abgeschlossen“, schreibt Hagedorn. Die Zahlen würden aber nachgereicht. Der Einsatz von Beratern im Verteidigungsministerium wird seit einem halben Jahr von einem Untersuchungsausschuss des Bundestags überprüft. Es geht um Vorwürfe von unkorrekter Auftragsvergabe bis hin zu Vetternwirtschaft.

Der Bund der Steuerzahler kritisierte, dass die Expertise der hochqualifizierten Beamten in den Ministerien zu wenig genutzt werde. „Stattdessen sichert man sich über teure Beraterverträge ab, die am Ende vielleicht das gleiche Ergebnis liefern. Dieses Geld sollte man besser in die Aus- und Fortbildung der eigenen Beamten stecken“, sagte Präsident Reiner Holznagel den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Auch der Beamtenbund dbb kritisierte die Vergabepraxis. „Seit Jahren beklagen wir den wachsenden Einsatz externer Berater durch die Bundesregierung und die aktuellen Zahlen des Bundesfinanzministeriums belegen erneut, dass die Entwicklung immer weiter aus dem Ruder läuft“, sagte der dbb-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach. Dem Linken-Politiker Höhn geht der Berater-Einsatz deutlich zu weit. „Berater verschlingen Unsummen, liefern aber nicht“, betonte der Verteidigungspolitiker.

Er kritisierte scharf, dass das Verteidigungsministerium als einziges Ressort zunächst keine Zahlen für das erste Halbjahr nennen konnte: „Erst etabliert sie (von der Leyen) eine zum Teil rechtswidrige Berater-Kultur, die seit Monaten ein Untersuchungsausschuss aufklären muss, und trotzdem ist das Verteidigungsministerium nicht auskunftsfähig. Dies wird sie als Kommissionspräsidentin dem Untersuchungsausschuss erklären müssen.“ Im Februar hatte eine ähnliche Umfrage des Finanzministeriums ergeben, dass es eine deutliche Steigerung der Ausgaben für Berater gegeben hat. 2014 lagen sie noch bei 63 Millionen Euro, 2015 waren es schon 105 Millionen, 2016 stieg die Zahl auf 243 Millionen und 2017 lag sie bei 248 Millionen Euro. Für 2018 lagen zum damaligen Zeitpunkt noch keine vollständigen Daten vor. Gemessen an den Zahlen für 2014 bis 2017 ist die Summe für das erste Halbjahr 2019 verhältnismäßig hoch.

Das Engagement von Unternehmensberatern und anderen Experten durch die Bundesregierung ist umstritten. Kritiker meinen, dass der Einkauf von Sachverstand zu teuer und angesichts der mehr als 20 000 Mitarbeiter in den Ministerien auch nicht zwingend notwendig sei. Zudem wird zu großer Einfluss auf die Regierungsarbeit befürchtet.

Befürworter versprechen sich dagegen in ganz unterschiedlichen Bereichen einen Mehrwert durch den Blick von außen. So zog Ursula von der Leyen bei der Umstrukturierung des Verteidigungsministeriums und der Reform der Rüstungsbeschaffung in großem Umfang Unternehmensberater zu Rate. (dpa)

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