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Vincent schießt auf eine Scheibe mit dem Konterfei von Osama Bin Laden.

US-Wahlkampf vor Ort (19)

Bum Bum, Peng Peng, Yihah!

In Texas gilt: Ich schieße - also bin ich. Dieses Prinzip ist tief in der politischen Philosophie der Texaner verwurzelt. Deswegen bleibt es auch im Wahlkampf ein wichtiges Thema: don’t touch my gun!

Von Mohamed Amjahid

Vincent Fabello lädt seine Glock 19 made in Österreich. Er zielt. Schießt. Peng! Osama ist tot! Mitten ins Herz! Bin Laden hätte keine Überlebenschance gehabt. „Ich komme zu selten zum üben“, sagt Vincent, der vor rund zwei Jahren den Schießsport für sich entdeckt hat. Dabei kommt er mindestens ein Mal pro Woche in dieser Schusshalle in Mitten von Dallas vorbei.

Es ist ein Rätsel warum der Stapel mit den Osama Bin Laden Motiven größer ist, zum Beispiel verglichen mit dem Stapel schnöder nummerierter Kreise. Ist der Osama-Absatz so hoch, dass kontinuierlich neue Bin Ladens nachgefüllt werden müssen? Oder haben die Schützen kein Interesse mehr auf den ehemaligen Topterroristen zu zielen? Auf jeden Fall ist das beliebte Zombiemotiv vergriffen.

Der steroide, muskelbepackte Mann am Tresen sieht seinen Job eher pragmatisch: „Hier, das ausfüllen, Regeln durchlesen, dann brauche ich alle Lichtbildausweise, ziele nie auf eine lebende Person, schon gar nicht auf mich, denn ich schieße garantiert zurück.“

Homo homini lupus est

Eine Schusswaffe im Kleiderschrank hat für Texaner einen hohen Stellenwert: „Du kannst Tiere jagen, treibst einen anspruchsvollen Sport, du kannst dich und deine Familie vor Kriminellen schützen und hast im Allgemeinen ein besseres Gefühl.“ In Texas gilt die lateinische Weisheit: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

Für die Schützen hier überwiegen die positiven Aspekte des Waffenbesitzes: „Wenn Du auf dem Highway von der Polizei gestoppt wirst, händigst du deinen Führerschein und deine Schießlizenz aus“, sagt Vincent. Denn so bekommt man in Texas mehr Respekt: „Wer eine Lizenz zum Schießen hat, der ist in Texas höchst vertrauenswürdig, nicht nur weil er oder sie durch den strikten Eignungstest gehen musste.“ Integrität, Gesundheitslage, Charakter: Schützen sind in Texas perfekte Menschen, fast immer.

Texanische Frauen schießen – nebenbei gesagt – genauso leidenschaftlich wie Männer. Seit Sarah Palin braucht es dafür keine besondere Illustration. Dennoch, um mehr Frauen zu ermutigen regelmäßig vorbeizukommen, ist jeden Dienstag „Ladys Night“ in der Schusshalle.

Texas ist besser als Kalifornien!

Vincent ist Anhänger der Demokraten. Er beschreibt sich selbst nicht als Ein-Themen-Wähler: „Ich würde nicht meine Entscheidung davon nur abhängig machen, ob ein Kandidat das Recht auf eine Schusswaffe daheim abschaffen möchte oder nicht.“ Dennoch würde er vielleicht eine Petition, einen Beschwerdebrief schreiben, zumindest würde Vincent sich Gedanken machen, ob er doch nicht sein Kreuz woanders machen sollte: „Das wird aber nie passieren, den Leuten ihre Waffen zu verbieten ist nahezu politischer Selbstmord.“ Kein Kandidat, schon gar nicht der Republikanische, aber auch nicht Barack Obama würde sich somit selbst ins Bein schießen.

Was hat es aber auf sich mit dieser verbissenen Schusshysterie? Die Antwort ist simpel: „Wir sind besser als Kalifornien“, erklärt Vincent, der diese Weisheit als verwurzelter Texaner mit der Muttermilch aufgesogen hat. „Wir haben hier mehr tatsächliche Freiheiten, die uns die Verfassung sowieso garantiert. Andere in den USA haben das nicht“, so zum Beispiel auch die Mitbürger in Kalifornien. Vielleicht kann man diesen Lokalpatriotismus mit dem der Bayern vergleichen, um Texas ein bisschen besser zu verstehen.

Der Umgang mit Schusswaffen ist aber nur ein Beispiel dafür, dass Texas anders ist. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner und Gouverneur von Texas Rick Perry hat sowieso immer betont: „Wenn wir nur wollen, können wir auch unsere Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten von Amerika erklären.“ Und wenn es mit Waffengewalt geschehen muss.

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