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Ukraine-Krieg: Putins Invasion spaltet die Gesellschaft in Bulgarien

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Von: Thomas Roser

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Ein Teil des Denkmals der sowjetischen Armee wurde in Sofia aus Protest gegen Putins Krieg mit den Farben der ukrainischen Flagge bemalt.
Ein Teil des Denkmals der sowjetischen Armee wurde in Sofia aus Protest gegen Putins Krieg mit den Farben der ukrainischen Flagge bemalt. © Valentina Petrova/dpa

Traditionell fühlen sich viele in Bulgarien Russland stark verbunden. Doch der Ukraine-Krieg bringt die Regierung in Sofia in die Bredouille.

Sofia – Schneeballwürfe und Buhrufe überschatteten die Festtagsreden an Bulgariens Nationalfeiertag am Schipka-Pass. Trotzig schwenkten die Anhänger:innen der nationalistischen Wiedergeburt-Partei russische Flaggen, während sie Premier Kiril Petkow am Donnerstag (03.03.2022) als „Verräter“ beschimpften.

„Wir begehen den Tag der Befreiung so wie niemals zuvor – empört, angewidert, konfus und machtlos“, umschreibt die Zeitung „Sega“ die Stimmungslage: „Inmitten von Putins Krieg in der Ukraine haben wir Russland für die Vergangenheit zu danken – und für die Gegenwart zu verurteilen.“

Ukraine-Krieg stellt nicht nur das Bild von Russland in Frage

Als Entscheidung im russisch-osmanischen Krieg und Befreiung Bulgariens vom türkischen Joch wurde der Jahrestag der Schlacht am Schipka-Pass 1878 schon zu sozialistischen Zeiten zum Nationalfeiertag erklärt. Bis heute fühlen sich viele in Bulgarien Russland stark verbunden. Doch der Ukraine-Krieg stellt nicht nur das Bild von Russland in Frage, sondern legt auch die Bruchlinien der wenig homogenen Regierungskoalition schonungslos bloß.

Die Kluft zwischen Moskau-Verstehern und Putin-Kritikerinnen teilt nicht nur Bulgariens Gesellschaft, sondern auch die Regierungsreihen. Im Januar hatte Petkow die Putin-Forderung nach Rückzug der Nato-Truppen aus den früheren Warschauer-Pakt-Staaten resolut zurückgewiesen. Gleichzeitig sorgte die sozialistische BSP mit ihrer kategorischen Ablehnung von Russland-Sanktionen und der Stationierung zusätzlicher Nato-Truppen bereits vor Kriegsausbruch für Spannungen in der wenig homogenen Vierparteienkoalition.

Bulgarien: Ein General als Spion für Russland?

Am Dienstag (01.03.2022) sah sich Petkow gezwungen, seinen parteilosen Verteidigungsminister Stefan Janew zu entlassen. Der Grund: Der russophile Ex-Übergangspremier hatte den Ukraine-Krieg nach Moskauer Sprachregelung als „Operation“ bezeichnet. Präsident Rumen Radew schien über die Ablösung seines Vertrauensmanns zunächst nicht erbaut, rückte aber danach öffentlich von ihm ab.

Doch nicht nur der eskalierende Krieg belasten die traditionell engen Beziehungen des Nato-Mitglieds zu Moskau. Am Mittwoch (02.03.2022) wurde ein hochrangiger General wegen Spionageverdacht für Russland verhaftet. Gleichzeitig kündigte Sofia die Ausweisung von zwei russischen Diplomaten an, die als seine Kontaktleute galten. Moskau spricht empört von einer „Provokation“. Derweil scheinen die Kriegsbilder aus der Ukraine für zunehmende Risse in Bulgariens positiven Russland-Bild zu sorgen: So sind die Zustimmungswerte für Putin von 55 auf 32 Prozent gefallen. (Thomas Roser)

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