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CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder mit seiner Frau Anja vor dem Bremer Rathaus.

Bürgerschaftswahl in Bremen

Klatsche mit Ansage bei der Bürgerschaftswahl in Bremen

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Beim Duell Carsten (SPD) contra Carsten (CDU) liegt der konservative Kandidat vorn. Die SPD nimmt's gelassen. 

Wer am Sonntagabend die Bremer SPD-Party in der Gaststätte „Ständige Vertretung“ besuchte, erwartete eigentlich, dass die Genossinnen und Genossen dort mit Stöhnen oder gar Tränen auf die 18-Uhr-Prognose zur Bürgerschaftswahl reagieren würden. Aber nichts dergleichen. Als der rote Balken der mit den Grünen regierenden SPD bei 24,5 Prozent stehenblieb, während der schwarze der CDU-Opposition bis 25,5 Prozent reichte, da verstummte noch nicht mal das kneipenübliche Gemurmel an der Theke. Offenbar kann die gebeutelte Partei nichts mehr erschüttern, und sie war ja auch schon durch einige Wählerumfragen vorgewarnt.

Umso größer der Jubel bei der CDU-Wahlparty, als ihr Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder (58) mit Musikbegleitung in die „Markthalle Acht“ einzog – in Sichtweite jenes Rathauses, in dem er demnächst an Stelle des SPD-Amtsinhabers Carsten Sieling (60) das Bürgermeisterzimmer beziehen möchte. „Wir haben jetzt einen Regierungsauftrag“, sagte der politisch völlig unerfahrene Seiteneinsteiger noch mehrmals im Laufe dieses historischen Abends – historisch deshalb, weil die Union erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs die SPD überflügeln konnte.

Auf SPD-Wahlparty brandet kurz etwas Beifall auf

Aber die Parlamentswahl zu gewinnen, heißt nicht unbedingt, die Regierung zu übernehmen. Denn dafür sind Koalitionspartner nötig. Die in der Wählergunst geschrumpften Sozialdemokraten, seit zwölf Jahren ein Team mit den Grünen, hatten sich kurz vor der Wahl eindeutig auf Rot-Grün-Rot festgelegt, mit den Linken als Mehrheitsbeschaffern. Dementsprechend brandete auf der SPD-Wahlparty zum ersten Mal etwas Beifall auf, als sich bei der 18-Uhr-Prognose bestätigte, dass ein solches Dreierbündnis eine größere Parlamentsmehrheit hätte als die schwarz-grün-gelbe Jamaika-Koalition, die sich die Christdemokraten wünschen.

Entscheidend ist also, welches Bündnis die Grünen bevorzugen. Vor dem Urnengang ließen sie alles offen, und das taten sie auch am Wahlabend. Ihre Spitzenkandidatin Maike Schaefer (47) sagte in einem der Wahlstudios nur, dass sie diejenige Koalition anstrebt, „wo wir am meisten Grün wiederfinden“. Bei der SPD-Wahlparty brandete noch einmal Beifall auf, als Bürgermeister Sieling die Kneipe betrat. Es war ein anerkennender, trotziger, tröstender Beifall. Die Prognosezahlen seien „durchaus enttäuschend“, räumte er ein. Aber er fügte auch hinzu: „Wir gucken in die Zukunft und wollen gestalten.“ Er scheint also noch Hoffnung auf den Machterhalt durch Rot-Grün-Rot zu haben.

Linke sind bereit für ein Dreierbündnis

Die realpolitische Linken-Spitzenkandidatin und Fraktionschefin Kristina Vogt (53) ist grundsätzlich bereit für das Dreierbündnis, das der Linkspartei erstmals in Westdeutschland eine Regierungsbeteiligung ermöglichen würde. Sie schränkte allerdings ein: „Wir stehen für einen Politikwechsel bereit, aber nicht für ein Weiter so.“

Wenn zwei Große sich streiten, freut sich nicht immer der dritte. Die FDP schaffte es laut Prognose gerade mal über die Fünf-Prozent-Hürde. Ihre jungdynamische Spitzenkandidatin und Fraktionschefin Lencke Steiner (33) ist voll auf Jamaika-Kurs: „Ich würde mich freuen, wenn’s wirklich klappt.“

Am rechten Rand machten sich zwei Gruppierungen Konkurrenz: zum einen die AfD mit ihrem weit rechts stehenden Spitzenkandidaten, MdB Frank Magnitz (66). Den kennt man auch außerhalb Bremens, seitdem er auf offener Straße überfallen wurde. Die AfD schnitt im liberalen Bremen diesmal ähnlich mau ab wie bei der Wahl vor vier Jahren mit damals 5,5 Prozent.

Daneben kandidierten noch die etwas gemäßigteren und gesitteter auftretenden „Bürger in Wut“ (BIW). Deren Spitzenkandidat, der kauzige Fernsehjournalist Hinrich Lührssen (60) wollte eigentlich erst für die AfD antreten, aber weil er die Abstimmung um Listenplatz 1 verlor, wechselte er mal eben zu den BIW.

Die Fünf-Prozent-Hürde haben die Wutbürger wohl nicht übersprungen. Aber sie profitieren wahrscheinlich vom eigenwilligen Bremer Wahlrecht: Für den Sprung in das Landesparlament des Zwei-Städte-Staates muss man die Fünf-Prozent-Hürde nur in einer der beiden Städte überwinden. Den BIW ist das seit 2007 bei jeder Wahl gelungen: in der Arbeitslosenhochburg Bremerhaven.

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