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Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen: „Nur bei Gewalt hört es bei mir auf“

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Von: Patrick Guyton

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„Das Demonstrationsrecht ist ein wichtiges Verfassungsrecht“, sagt Bürgermeisterin und Juristin Elisabeth Koch. Foto: CHRISTOF STACHE /AFP.
„Das Demonstrationsrecht ist ein wichtiges Verfassungsrecht“, sagt Bürgermeisterin und Juristin Elisabeth Koch. Foto: CHRISTOF STACHE /AFP. © AFP

Während in Elmau die G7-Spitzen die Krisen der Welt besprechen, kümmert sich Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch drumherum um Gäste und Gipfelproteste. Ein Besuch.

Am Montagvormittag kommt sie gerade vom Protest-Camp der G7-Kritiker zurück ins Rathaus. Jeden Tag schaut Elisabeth Koch, die CSU-Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, dort an der Loisach vorbei, ob alles in Ordnung ist. Wie sich die Camp-Bewohner:innen verhalten, was die Polizei so macht. „G7-Gegner haben wie alle Bürger ihre Rechte“, sagt die Juristin. „Und das Demonstrationsrecht ist ein wichtiges Verfassungsrecht. Nur bei Gewalt hört es bei mir auf.“

Mit den Bikern vom linken Motorradclub „Kuhle Wampe“ hat sie ein bisschen geplauscht. Diese übernehmen bei solchen Sachen immer den internen Sicherheitsdienst. Und einem „jungen Madl“ hat sie dringend zu Sonnencreme und Kopfbedeckung geraten bei der bevorstehenden Wanderung und Radtour der G7-Gegner:innen. „Das unterschätzt man.“

Nun steht unverhofft Toyoshige Sekiguchi am Rathaus und bittet um eine Unterkunft. Er ist ein buddhistischer Mönch aus Japan in traditioneller Kleidung und mit kahl rasiertem Kopf. Angereist ist er nach Nürnberg und von dort nach Garmisch-Partenkirchen gewandert zum G7-Treffen. „Ich bete für den Frieden und die Abschaffung aller Atomwaffen“, sagt er in gebrochenem Englisch. G7-Beobachter:innen kennen ihn noch vom letzten Mal vor sieben Jahren, als er morgens bis abends an der B2 saß – bei der Abzweigung nach Krün, von wo es zum Schloss Elmau geht – und unaufhörlich auf einen Gong schlug.

Klar, die Bürgermeisterin organisiert ihm kurzfristig ein Zimmer für zwei Tage, auch wenn in der ganzen Region wegen des Gipfels alles komplett ausgebucht ist. Christian Wolf vom Hotel Obermühle hat schließlich noch was, weil es halt die Elisabeth ist.

In diesen Tagen ist Bürgermeisterin Koch rastlos unterwegs. „Die Herrschaften tagen da oben, hoffentlich erfolgreich, und wir hier unten richten es“, sagt sie. Die 59-Jährige tritt energisch auf und lacht viel. Zurückhaltung, leere Phrasen oder Vorsicht im Umgang mit der Presse sind ihre Sachen nicht.

In der Nacht zum Sonntag kam die Mitteilung, dass US-Präsident Joe Biden doch nicht mit dem Hubschrauber in Elmau landet, sondern mit seinem Tross per Pkw anreist. Für die deutsche Polizei bedeutete das höchste Bereitschaft. Unzählige Mannschaften versammelten sich plötzlich in Garmisch-Partenkirchen, um die Durchfahrt des Präsidenten-Trosses zu sichern. Elisabeth Koch dachte daran, dass keine Toiletten zur Verfügung stehen. Und so kam sie um zwei Uhr und sperrte das Rathaus für die Polizei auf. „Es ist ja ganz schlimm, wenn man muss, aber nirgendwo kann.“

Vor dreieinhalb Wochen erst erlebte sie das Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen mit fünf Toten. „Ich war rund um die Uhr dort und für die Hilfskräfte ansprechbar.“ Elisabeth Koch wird ernst und leise: „Das belastet mich immer noch. Aber ich habe Menschen, mit denen ich drüber reden kann.“

Dann fährt sie den Mönch Toyoshige Sekiguchi in ihrem kleinen Dienst-BMW zum Hotel Obermühle, wo er vom Eigentümer Christian Wolf herzlich begrüßt wird. „Es ist mir eine Ehre, Sie beherbergen zu dürfen“, sagt Wolf. „Die Gemeinde zahlt das Zimmer“, meint Koch, aber der Hotelier widerspricht: „Er ist unser Gast.“

Nun möchte Sekiguchi sich zu Fuß auf den Weg machen, zwölf Kilometer hinauf nach Klais. „Nein, da fahre ich Sie“, sagt Elisabeth Koch, er wird auf dem Beifahrersitz platziert. Der Mönch solle unbedingt aufs Wetter achten, rät sie ihm. „Für den Abend sind schwere Unwetter vorhergesagt.“

Auf der B2 werden gerade die radelnden Demonstrierenden von einem Polizeiwagen nach dem anderen hinaufeskortiert. Die Bürgermeisterin wundert sich über so viel Leichtsinn: „Da radelt einer barfuß“, stellt sie fest, „und dort ist Eine in Flip Flops.“ Auch schwarze T-Shirts gehen gar nicht, meint sie – „da wird einem viel zu heiß“.

Warnt die Demonstrierenden vor der vielen Sonne („Das unterschätzt man“): Elisabeth Koch. Foto: Patrick Guyton.
Warnt die Demonstrierenden vor der vielen Sonne („Das unterschätzt man“): Elisabeth Koch. Foto: Patrick Guyton. © Patrick Guyton.

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