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Reggio Calabria: Domenico "Mimmo" Lucano (M), der migrantenfreundliche und mittlerweile suspendierte Bürgermeister des süditalienischen Dorfes Riace.

Italien

Bürgermeister Lucano aus Riace verbannt

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Domenico Lucano galt international als Symbol für Toleranz. Doch nun muss der migrantenfreundliche Bürgermeister des italienischen Dorfs Riace seinen Heimatort verlassen.

Das süditalienische Bergdorf Riace ist international bekannt geworden als Modell für eine erfolgreiche Flüchtlingsintegration. Doch jetzt könnte das harmonische Miteinander von Einheimischen und Migranten in dem einst entvölkerten Ort vor dem Aus stehen. Zwar ist der vor zwei Wochen festgenommene und suspendierte Bürgermeister Domenico Lucano wieder auf freiem Fuß – ein Berufungsgericht in Reggio Calabria hob am Dienstagabend den Hausarrest auf. Aber „Mimmo“, wie ihn alle nennen, wurde aus seinem Dorf verbannt, er darf nicht mehr in Riace wohnen. 

Lucano wird vorgeworfen, Scheinehen mit Migranten arrangiert und die Müllabfuhr des kalabrischen Dorfes ohne Ausschreibung an eine Flüchtlings-Kooperative vergeben zu haben. Ende vergangener Woche verfügte das vom rechten Lega-Chef Matteo Salvini geführte römische Innenministerium, Riace aus dem Sprar genannten, staatlich finanzierten Netz von Betreuungsprojekten für Asylbewerber auszuschließen. Damit bekommt die Gemeinde kein Geld mehr für die Flüchtlingshilfe. 

Die rund 100 in Riace verbliebenen Asylbewerber sollen entgegen einer ersten Ankündigung nicht gezwungen werden, das Dorf zu verlassen. Zunächst hatte es geheißen, sie würden mit Bussen in Asyleinrichtungen gebracht. Später wurde das korrigiert. Eine Umsiedelung werde ihnen nur vorgeschlagen. Viele der Migranten aus Nigeria, Pakistan oder Irak wollen nicht weg. „Aber wie sollen wir hier überleben“, sagten sie Fernsehjournalisten, „wenn wir nichts zu essen und keine Arbeit haben?“

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