Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bücher zum Kriegsende in Frankfurt

Zwei Titel über die letzten Tage der Naziherrschaft in in Frankfurt

Kriegsende I · Wenn man so viel über das alte Frankfurt zu lesen bekommt, wünscht man sich manchmal, man könnte in der Stadt von früher mal einen Tag unterwegs sein. Weil das leider nicht mehr klappt, ist es nett, sich an die Erinnerung von Richard Hey zu hängen. Ganz besonders nett sogar, denn dieser Autor, Jahrgang 1926, spaziert in seinem Erinnerungs-Büchlein an Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit in Frankfurt auf eine bewundernswert leichtfüßigeWeise die Ecken entlang, die heute noch da sind: Das Westend, wo er in einer der Zimmerfluchten zu Hause war, der Holzhausenpark, wo der Hund des Herrn Rothschild immer an die Laterne pinkelte, das Lessing-Gymnasium, in dem kein Lessing gelesen wurde, die Uniklinik, in der sein Vater als Professor für Pathologie arbeitete.

Richard Hey hat die Zeit als behütetes Frankfurter Bürgerkind erlebt und sich trotz Terror, Mord und Brand durchwurschteln können. Dass er nach allerlei Streichen in der HJ (Hitler-Jugend) wegen Feigheit degradiert wurde, hat ihm ebenso wenig geschadet wie heimliches Jazz-Musik-Hören im Keller des Café Laumer. Und nach demGranatenschleppen für die Flak in Sossenheim wurde er "zeitlich untauglich" immer wieder vom Wehrdienst zurückgestellt. Diese Geschichte einer misslungenen Anpassung wird auf eine unsentimentale, lakonische Art erzählt.

Der Titel muss erklärt werden: "Die schlafende Schöne in Formalin" findet der Erzähler im Keller des Anatomischen Instituts, wohin er mit der Mutter aus der brennenden Stadt entkommen kann, in einer Wanne vor. Die konservierte Leiche einer jungen Frau, die in ihm für alle Zeiten die Sehnsucht wach hält "nach einem Leben, in dem diese Tote lebendig geblieben wäre". clau

Kriegsende II · Einer der Hauswandsprüche, der noch gegen Ende des Nazi-Regimes zu lesen war, lautete: "Genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich!" Ganz so furchtbar, wie viele erwartet hatten, wurde es gerade in Frankfurt, im Zentrum der amerikanischen Zone, dann doch nicht. Aber dass nach dem Ende der Kampfhandlungen auch hier eine (neue) Zeit der Entbehrungen anbrechen würde, war klar. Am leichtesten kommen mit solchen Situationen erfahrungsgemäß Kinder und Jugendliche zurecht, reagieren freilich auf ihre eigene Art.

Auch dies, erläutert durch psychologische Anmerkungen, beschreibt der Frankfurter Klaus Walch in seinem Buch "Frankfurt zwischen Krieg und Neubeginn". Der Autor erzählt eindrucksvoll die Erfahrungen seiner Generation mit dem in den letzten Zügen liegenden Nazi-Regime und die erste Zeit mit den "Befreiern" oder "Besatzern", je nach Anschauung.

Einen heute längst vergessenen Aspekt bringt Walch dabei in Erinnerung: In einer Zeit der Rechtsunsicherheit kam es nach dem Kriegsende in Frankfurt zu einer zunehmenden Jugendkriminalität und Bandenbildung - nicht verwunderlich für eine Generation, die in Rechtlosigkeit und Gewalt groß geworden war. kick

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare