Ukraine

Vom Buchhalter zum Premier der Ukraine

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Denis Schmygal soll die Rezgierungsgeschäfte in Kiew übernehmen, doch regiert vorerst nur auf Probe.

  • Denis Schmygal ist neuer Premier der Ukraine
  • Am Mittwoch hielt der neue Regierungschef seine Antrittsrede
  • Er will Selenskyjs Kurs beibehalten

Ein großer Redner ist er nicht: „Besondere Aufmerksamkeit wird der Industrieproduktion gewidmet, besondere Aufmerksamkeit dem Agrarsektor, besondere Aufmerksamkeit den sozialen Fragen und ihrer Lösung.“ So sprach Denis Schmygal am Mittwoch vor der Obersten Rada, dem ukrainischen Parlament. Eine zündende Antrittsrede für einen neuen Regierungschef klingt anders. Zünden ist aber des Premiers Schmygal Sache nicht.

Neuer Premier in der Ukraine –  „Einer, der technische Fragen löst.“

Der im westukrainischen Lviv Geborene, 44, ist verheiratet, hat zwei Töchter und gilt nicht eben als geborener Politiker. Versuche, 2014 für die Oberste Rada und 2015 für das Regionalparlament zu kandidieren, scheiterten. Vorher hatte Schmygal Wirtschaft studiert, war zur Ausbildung mehrfach im westlichen Ausland, arbeitete sich vom Buchhalter hinauf zum Direktor und Ratgeber in Firmen des ostukrainischen Oligarchen Rinat Achmetow. „Kein Reformer, eher ein Direktor“, sagt der Kiewer Politologe Vadim Karasjew. „Einer, der technische Fragen löst.“

Aber das macht Schmygal offenbar effektiv, er gilt schon lange als Favorit von Präsident Wolodymyr Selenskyj, unter dem er erst Chef der Region Iwano-Frankiwsk und dann Vizepremier für soziale Fragen wurde. „Für uns ist Schmygal völlig verständlich und vorhersehbar“, sagt ein Parlamentarier aus der Selenskyj-Fraktion.

Premier Denis Schmygal will Selenskyjs Kurs beibehalten

Schmygal folgt Oleksij Hontscharuk nach, der seinen Job nur sechs Monate lang hatte. Der Politologe Viktor Reiterowitsch glaubt, Selenskyjs Präsidialbüro betrachte Schmygal wie vorher Hontscharuk nur als Anhängsel. „Dort hat man Angst, einem Premier Vollmachten und Freiheiten zu gewähren, die es ihm ermöglichen könnten, Selenskyj Konkurrenz zu machen.“

Schon wird in der Rada geunkt, Schmygal sei nur Premier auf Probe, er könne schon im Herbst davongejagt werden. Schmygal aber erklärte den Parlamentariern, er werde Selenskyjs Kurs beibehalten, den Haushalt 2020 aber überarbeiten, bei den Ministergehältern sparen. So klein seine Chance sein mag, der Mann scheint sie nutzen zu wollen.

Von Stefan Schmoll

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Rubriklistenbild: © AFP

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