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Eine Packung mit Impfdosen der chinesischen Firma Sinopharm.
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Eine Packung mit Impfdosen der chinesischen Firma Sinopharm.

Impfstoffe

Bruderhilfe per Spritze

  • vonThomas Roser
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Südosteuropa setzt auf Impfstoffe aus Russland und China.

Serbiens Meister der Selbstvermarktung entschuldigte sich für seine Kleidung. Er habe seit dem Morgen „wichtige Gespräche mit unseren Freunden in aller Welt geführt, um so viele Impfdosen wie möglich für unsere Bürger zu sichern“, verkündete Staatschef Aleksandar Vucic am Wochenende seinen Landesleuten die frohe Impfbotschaft im Trainingsanzug. Er sei „stolz“, dass Serbien bis Anfang März eine Million weiterer Impfdosen erhalten werde: „Dabei geht es nicht um Verträge, sondern um echte Impfdosen.“ Schon Mitte Januar war der Balkanstaat mit einer Million chinesischer Sinopharm-Impfdosen beliefert worden. Die Bruderhilfe aus dem Osten macht es möglich: Nach Großbritannien weist laut dem Onlineportal „Our World in Data“ ausgerechnet der rückständige EU-Anwärter mit aktuell 6,3 Prozent in Europa mittlerweile den höchsten Anteil von bereits Geimpften auf.

Auffällig ist der geringe Impfgrad in den Herstellerstaaten, die sich die Lieferschwierigkeiten der Westkonkurrenz beim Kampf um Martkanteile und politischen Einfluss zunutze machen. Sowohl in China (1,6 Prozent) als auch in Russland (0,7 Prozent) liegt der Anteil der bereits Geimpften weit unter dem Serbiens.

Mit der Mangelware Impfstoff werden nicht nur Geschäfte, sondern auch Politik gemacht. Der Ruf Chinas auf dem Balkan nehme stark zu, während Vucic „den nationalen Helden“ mimen könne, umschreibt der serbischsprachige Dienst der „Deutschen Welle“ den beiderseitigen Nutzen und Nebeneffekt der chinesischen Serum-Offensive: „Denn statt Versprechen liefert Peking Impfstoff.“ Tatsächlich untergraben die Lieferschwierigkeiten westlicher Produzenten das Vertrauen in die EU – und stärken die Konkurrenz. Ob EU-Mitglieder oder Anwärter: Immer mehr südosteuropäische Staaten setzen auf direkte Lieferverträge – auch mit China und Russland.

„Wir wollen keine Erklärungen, wir wollen Impfstoffe“, begründet Ungarns rechtspopulistischer Premier Viktor Orbán die Unterzeichnung von Verträgen zur Lieferung mit russischem Sputnik V- und chinesischem Sinopharm-Serum. Während Bosnien und Herzegowina sowie Nord-Mazedonien wegen des Ausbleibens der mit der EU vereinbarten Impfstofflieferungen nach serbischem Vorbild Direktverhandlungen mit den Herstellern angekündigt haben, bröckelt auch in Europas kriselndem Wohlstandsbündnis das Vertrauen in die Brüsseler Beschaffungsanstrengungen. Auch klar westlich orientierte Staaten verlieren im Südosten des Kontinents die Geduld: Rumänien etwa hat einen Vertrag zum Bezug von neun Millionen Dosen des deutschen, noch nicht zugelassenen Impfstoffs CureVac unterzeichnet.

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