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Zeitzeugen: Den wunderschönen Strand auf den Falklands nahe der Hauptstadt Stanley darf keiner betreten. Noch immer liegen Minen unter dem weißen Sand.
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Zeitzeugen: Den wunderschönen Strand auf den Falklands nahe der Hauptstadt Stanley darf keiner betreten. Noch immer liegen Minen unter dem weißen Sand.

30 Jahre Falklandkrieg

Briten und Argentinier provozieren einander erneut

  • Wolfgang Kunath
    VonWolfgang Kunath
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30 Jahre nach dem Beginn des Falklandkrieges provozieren sich Briten und Argentinier wieder. Insgesamt waren bei den fast viermonatigen Kämpfen 900 Soldaten ums Leben gekommen.

30 Jahre nach dem Beginn des Falklandkrieges provozieren sich Briten und Argentinier wieder. Insgesamt waren bei den fast viermonatigen Kämpfen 900 Soldaten ums Leben gekommen.

Natürlich hat niemand an einen neuen Waffengang gedacht. Aber der Krieg der Worte, den Großbritannien und Argentinien in den vergangenen Wochen und Monaten um die Falklandinseln ? die Argentinier nennen sie Islas Malvinas ? geführt wurde, war schon unfreundlich genug. Am Montag, dem 30. Jahrestag der argentinischen Invasion, wird Präsidentin Cristina Kirchner in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, im Beisein von Veteranen ein neues Kriegerdenkmal und ein Malvinas-Museum einweihen. Danach dürfte sich der diplomatische Sturm zwischen Buenos Aires und London wieder legen.

Das Klima begann sich im Dezember 2011 aufzuheizen. Damals machte sich die Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten den Standpunkt Argentiniens in aller Form zu eigen und beschloss, die britischen Ansprüche auf die zwei großen und 700 kleineren Inseln im Südpazifik seien ein Relikt des Kolonialismus. Die USA, die sich 1982 nach einigem Zögern auf die britische Seite schlugen, erklärten jetzt, sie erkennten zwar die britische Präsenz auf den Inseln an. Die Frage der Souveränität aber umging Washington.

London wirft Argentinien Kolonialismus vor

Brasilien und Uruguay lassen keine auf den Falklands registrierten Schiffe mehr in ihre Häfen. Peru verwehrte der britischen Fregatte Montrose in den Hafen von Lima einzulaufen und sagte einen Staatsbesuch von Präsident Ollanta Humala in London ab.

Den größten diplomatischen Erfolg erzielte Präsidentin Kirchner jedoch in Chile. Auch dessen Regierung schloss sich der antibritischen Haltung an. Dass General Pinochet damals, weil er schwere Differenzen mit seinen Diktatorenkollegen in Buenos Aires hatte, britische Flugzeuge in Chile aufsteigen ließ, die die argentinische Invasionsmacht beschossen, haben die Argentinier bis heute nicht vergessen.

Auch London hat den kalten Krieg um die eisigen Inseln eskalieren lassen. Dass Premier David Cameron den Spieß umdrehte und den Argentiniern Kolonialismus vorwarf, traf auf Empörung. Allerdings ist der Vorwurf insofern berechtigt, als Argentinien sich bei seinen Ansprüchen auf die Malvinas überhaupt nicht damit auseinandersetzt, dass die teils seit Generationen dort lebenden Bewohner, die sich Kelper nennen, ganz und gar nicht Argentinier werden wollen, sondern sich als Briten fühlen.

London sprach von Routine als sie den Zerstörer Dauntless entsandte. Und auch dass Prinz William seinen siebenwöchigen Militärdienst in Mount Pleasant, einem Truppenübungsplatz für 2000 Mann auf den Falklands, ableistete, wurde als normal betrachtet.

Dennoch provozierte das die Argentinier. Am Freitag legte Außenminister William Hague noch einmal nach: Das Vereinigte Königreich werde die Inseln mit Entschlossenheit verteidigen.

Das war insofern eine überflüssige Bemerkung, als das Königreich sowieso niemand wirklich angreifen will. Die Argentinier könnten es logistisch auch gar nicht. Die Luftwaffe stammt aus der Zeit vor 1982.

Die lateinamerikanischen Staaten sind selbstbewusster geworden

Am 25. Jahrestag des Krieges, bei dem über 900 Soldaten beider Seiten starben, war es zu keinem Streitfall gekommen. Warum also jetzt? Ob Präsidentin Cristina Kirchner den Konflikt schürt, um damit von innenpolitischen Problemen abzulenken, ist fraglich. Zwar ist die Popularität der Präsidentin nicht mehr ganz so hoch wie bei ihrem Wahlsieg Ende Oktober. Ihr persönlich kreiden viele die wachsende Inflation, die schlechtere Wirtschaftslage, die Korruption und ihre ungeschickte Reaktion auf das schwerste Zugunglück Argentiniens mit 51 Toten und über 600 Verletzten an. Allerdings war ihr Vorgänger und Ehemann Néstor Kirchner vor fünf Jahren in keiner entscheidend anderen Lage, ohne dass er den Konflikt um die Falklandinseln groß zum Thema gemacht hätte.

Entscheidender ist wohl, dass Lateinamerika heute selbstbewusster gegenüber den USA und Europa auftritt und deshalb den argentinischen Anspruch herzhafter als früher unterstützt. Wirtschaftlich geht es heute schließlich nicht mehr nur um Schafswolle und Fische, sondern um womöglich reiche Öl- und Gasvorkommen im Festlandssockel – ein starker Grund für Buenos Aires, die Inselgruppe energischer als früher zu beanspruchen. Auf Londoner Seite führt das allerdings dazu, die selben mit Klauen und Zähnen zu verteidigen.

Aufgrund der sich ändernden Verhältnisse hat wohl auch der nicht so ganz ernst gemeinte Vorschlag des US-Ökonoms Steve Hanke keine Chance. Hanke hatte sich folgende Lösung des Konflikts ausgedacht: Argentinien solle die Falklands einfach den Kelpern für je eine halbe Million Dollar abkaufen. Bei 3000 Inselbewohnern würde das nur 1,5?Milliarden Dollar kosten.

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