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Ralph Brinkhaus ist seit September 2018 Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

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Brinkhaus: „Jeder muss Fehler machen dürfen“

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Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus spricht im Interview über die Kandidatenkür und das Profil der CDU.

Herr Brinkhaus, Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen kandidieren für den CDU-Vorsitz. Wer wäre der Beste für die Partei? Wäre Jens Spahn nicht ein besseres Signal für Erneuerung gewesen?

Ich bleibe dabei, als Fraktionsvorsitzender werde ich mich nicht zu einzelnen Namen äußern.

Die CDU hat zwei Wochen gebraucht, um sich dazu durchzuringen, ihren neuen Vorsitzenden bereits Ende April zu bestimmen. Sind Sie mit dem Zeitplan nun zufrieden?

Es geht nicht mehr anders. Es ist so viel Geschwindigkeit und Unruhe in die Sache hineingebracht worden. Unser schlechtes Abschneiden bei der Hamburg-Wahl und die Probleme in Thüringen haben ihr Übriges getan. Es ist jetzt besser, schnell Klarheit zu bekommen.

Es treten mehrere Kandidaten gegeneinander an. Es wird also wieder Sieger und Verlierer geben. Ist das die Klarheit, die Sie sich wünschen?

Es kommt darauf an, dass alle die Entscheidung akzeptieren, wenn sie gefallen ist. Wer verliert, muss sich bereit erklären, den neuen Vorsitzenden loyal zu unterstützen. Und das dann auch tun.

Nach Annegret Kramp-Karrenbauers Sieg gab es auch Appelle zum Teamspiel – vergeblich. Warum soll es jetzt klappen?

Ich setze auf die Lernfähigkeit der Partei. Dazu gehört es, einem neuen Vorsitzenden Zeit zu geben, in das Amt hineinzuwachsen. Diese Zeit hat Annegret Kramp-Karrenbauer nie bekommen.

Wie lange braucht man, um sich in ein Amt einzufinden?

Früher hat man mal 100 Tage gekriegt. Ein bisschen mehr sollte es schon sein. Dazu gehört ein anderer Umgang mit Führungskräften. Es sollte nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt und nicht bei jeder Entscheidung so getan werden, als gehe es um das Wohl und Wehe des Landes. Diese Rigorosität im Umgang mit jedem Tweet und jedem Auftritt wird dazu führen, dass irgendwann keiner mehr Lust hat, sich zu engagieren – oder jedenfalls nur eher seltsame Leute. Jeder muss doch wachsen, lernen, Fehler machen dürfen.

Ist AKK daran gescheitert, dass sie keine Zeit oder zu viele Feinde hatte, oder daran, dass sie es nicht konnte?

Sie hat wie wir alle – ich im Übrigen auch – Fehler gemacht. Aber sie hat nie wirklich die Chance bekommen zu zeigen, dass sie es kann.

Wie erklären Sie sich die Sehnsucht mancher in der CDU nach der guten alten Zeit und nach dem einen starken Mann?

In einer komplexer gewordenen Welt gibt es die Sehnsucht, dass alles wieder werden soll wie früher. Aber erstens war früher nicht alles besser. Und zweitens kriegt man früher nicht zurück. Wenn wir Volkspartei der Mitte bleiben wollen, sollten wir nicht versuchen, mit den Rezepten der 90er Jahre die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen. Die Frage, ob er eine Option für die Zukunft ist, muss sich jeder Kandidat stellen.

Und die Frage, ob er der CDU Profil geben kann?

Das Profil der CDU ist das Einende. Es gibt in der Parteienlandschaft inzwischen viele Spezialboutiquen mit Angeboten für bestimmte Zielgruppen. Wir sind der Vollsortimenter, der ausgehend von der Mitte der Gesellschaft alles zusammenbindet. Das hat viel mit Kompromissen zu tun. Wenn es ständig um möglichst klare Kante geht, kommen wir zu Zuständen wie in den USA, wo sich zwei Lager so unversöhnlich gegenüberstehen.

Ist es verbindend, Koalitionen mit Linkspartei und AfD kategorisch auszuschließen?

Verbindend sein, heißt nicht beliebig sein. Man kann trotzdem eine Haltung haben. Es muss klare Abgrenzungen nach rechts und – aus anderen Gründen – nach links geben.

Den Eindruck vermittelt die Thüringer CDU nicht.

In Thüringen hat die CDU rund 9000 Mitglieder. Das entspricht zwei bis drei großen Kreisverbänden in NRW. Die CDU besteht aus mehr als 400 000 Mitgliedern. Weil in Thüringen etwas schief gelaufen ist, lässt das noch nicht auf die ganze Union schließen. Deshalb ist es ganz schlechter Stil, wenn der Generalsekretär der SPD immer wieder anklingen lässt, die Union distanziere sich nicht genug von der AfD. Das Gegenteil ist der Fall.

Ist mit dem Parteivorsitz die Kanzlerkandidatur entschieden?

Entschieden ist die Kanzlerkandidatur erst, wenn CDU und CSU ihren Haken darunter gesetzt haben. Das reklamiert Markus Söder zu Recht für seine Partei. Wir müssen das zusammen machen. CDU und CSU werden sich dafür wahrscheinlich im Spätherbst zusammensetzen.

Interview: Daniela Vates und Gordon Repinski

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