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Großbritannien

Brexit: Nach Schottland wendet Wales sich von London ab

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Umfragen zeigen, dass der Rückhalt für den Verbleib im Vereinigten Königreich besonders in Schottland schwindet. Auch in Wales mehren sich die Stimmen nach Separation.

Cardiff - Großbritannien findet auch nach dem Brexit nicht zur Ruhe. In Schottland werden die Pläne für eine Unabhängigkeit von Großbritannien weiter vorangetrieben. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon kündigte in der Vergangenheit mehrmals an, nach Ende der Corona-Pandemie ein „legales Referendum“ durchzuführen. Voraussetzung sei, dass Pro-Unabhängigkeitsparteien bei der für 6. Mai geplanten Regionalwahl erneut eine Mehrheit erhalten.

Die Zentralregierung in London unter Premier Boris Johnson hatte sich in der Vergangenheit immer wieder gegen ein zweites Referendum der Schotten ausgesprochen. Sturgeon betonte allerdings, dass Schottland einen Alleingang starten würde, sollte mit London keine Einigung erzielt würde. Eine SNP-Regierung wolle ein Gesetz einführen und verabschieden, das die Durchführung eines „Rechtsreferendums“ nach der Pandemie ermöglicht, und sich jeder rechtlichen Anfechtung durch die britische Regierung „energisch widersetzen“.

Brexit: Mit Spannung erwartete Parlamentswahl

Folglich blickt ganz Großbritannien auf die schottische Parlamentswahl am 6. Mai. Doch im Schatten dieser viel beachteten Abstimmung wird auch anderswo im Königreich gewählt, zum Beispiel in Wales. Eines der Hauptthemen dort ist dasselbe wie im Norden der Insel - auch in Wales treibt der Brexit und die Politik der britischen Regierung der Unabhängigkeitsbewegung neue Anhänger zu.

Werbung für Plaid Cymru: Die Politik der britischen Regierung treiben der Unabhängigkeitsbewegung in Wales neue Anhänger zu.

Nach aktuellen Umfragen beträgt die Zustimmung zu einem solchen Plan derzeit knapp ein Drittel. „Das ist zwar weit von den beständigen Mehrheiten entfernt, wie wir sie zuletzt in Schottland gesehen haben“, sagte der Politologe Richard Wyn Jones von der Universität Cardiff der Deutschen Presse-Agentur. „Aber für walisische Verhältnisse ist das ein ziemlicher Anstieg.“ Denn bislang habe die Unabhängigkeitsfrage im zweitkleinsten Landesteil des Vereinigten Königreichs eine geringe Rolle gespielt. Aber vor der Parlamentswahl am 6. Mai sei sie eines der bestimmenden Themen - nicht nur in Schottland, sondern auch in Wales.

Brexit: Wales schaut auf Schottland

Die konservative britische Regierung nutze den Brexit, um die politische Macht wieder stärker in London zu zentralisieren, statt den Regionalregierungen weitere Befugnisse zu geben, sagte Jones. Vor allem junge Leute zeigten sich daher offen für die Loslösung von Großbritannien. „Wenn sie zwischen Zentralisierung und Unabhängigkeit wählen müssten, würden sie für die Unabhängigkeit stimmen.“

Vieles würde davon abhängen, wie sich die Lage in Schottland entwickelt, so der Experte. Würde es trotz des Widerstandes in London zu einem weiteren Referendum in Schottland kommen, und würden die Schotten dann für eine Unabhängigkeit stimmen, könne dies einen Domino-Effekt auch in Wales auslösen.

Wales
AmtsspracheEnglisch und Walisisch
HauptstadtCardiff
StaatsoberhauptKönigin Elisabeth II., Minister für Wales: Simon Hart
RegierungschefFirst Minister Mark Drakeford
Einwohnerzahl3.138.631 (2018)

Wales: Nach dem Brexit wirtschaftliche Probleme

Sorgen vor einem wirtschaftlichen schwachen, selbstständigen Wales gebe es nicht. „Der Brexit zerstört, was von der Wirtschaft hier übrig geblieben ist“, sagte Jones mit Blick auf Handelsprobleme mit der EU seit dem Austritt Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion. „Wir verlieren viele junge, kluge Menschen, die nie zurückkommen.“ Unabhängigkeitsbefürworter betonten, das Land sei alleine besser in der Lage, die Wirtschaft voranzubringen.

Die Pro-Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru (deutsch: Walisische Partei), eine Schwester der schottischen Regierungspartei SNP, könne aber bislang nicht von der Stimmung profitieren. Bei der Wahl deutet dem Experten zufolge vielmehr alles auf einen erneuten Erfolg der Labour-Partei hin. Viele Befürworter der Unabhängigkeit fühlten sich bei Labour gut aufgehoben und lobten die ruhige Hand von Regierungschef Mark Drakeford in der Corona-Krise. Labour selbst ist gegen eine Unabhängigkeit und strebt vielmehr eine größere Autonomie an, zeigt aber Verständnis für die Forderungen.

Beim Brexit-Referendum 2016 hatten die Waliser noch für den Austritt aus der EU gestimmt. (skr mit dpa)

Rubriklistenbild: © Susannah Ireland/dpa

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