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Nigel Farage hat zu Beginn des britischen Wahlkampfs Unterstützung durch Donald Trump erhalten.

Brexit

Donald Trump liefert Munition für den britischen Wahlkampf

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Brexit: Donald Trump lobt seinen Gesinnungsgenossen Nigel Farage und verdammt alle anderen politischen Lager. Die haben damit kaum ein Problem.

Ein Anruf mit Sprengkraft: Zum Auftakt des britischen Wahlkampfes hat Rechtspopulist Nigel Farage Unterstützung durch Donald Trump erhalten. In einem Live-Gespräch auf Farages Radio-Show forderte der US-Präsident eine Einheitsfront aus Farages Brexit Party und Boris Johnsons Torys. Letzterer sei zwar „ein toller Typ“, mache aber sein EU-Austrittsvertrag nicht gut. Die amerikanische Einmischung nutzte Farage am Freitag zum öffentlichen Appell an Premier Johnson: Wenn dieser die gerade erst ausgehandelte Einigung mit Brüssel fallen lasse, werde seine Partei viele ihrer Kandidaten zurückziehen.

Die Positionierung zum EU-Austritt wird von allen britischen Parteien als Lackmustest für den vorgezogenen Urnengang am 12. Dezember – die dritte Wahl binnen vier Jahren – gesehen. Während Liberaldemokraten, Grüne, schottische und walisische Nationalisten die Entscheidung rückgängig machen wollen, wünscht sich Labour eine Neuverhandlung. Alle Oppositionsparteien wollen letztlich das Volk bei einem zweiten Referendum entscheiden lassen. Hingegen startet Johnson unter dem Slogan „Den Brexit erledigen“; eine entsprechende Tory-Mehrheit werde dies spätestens bis zum neuen Austrittstermin Ende Januar bewerkstelligen.

Die Brexit Party hingegen redet dem chaotischen Austritt ohne Vereinbarung das Wort. Der einstige Ukip-Chef Farage verfügt über gute Beziehungen zu Trump, seit er 2016 bei dessen Wahlkampagne auftrat. Der wünschte sich dann den Gesinnungsgenossen als britischen Botschafter in Washington. Das lehnte die damalige Premierministerin Theresa May ab. Stattdessen bessert Farage seine eh üppigen Bezüge als EU-Parlamentarier mit einer Radioshow auf dem populären Privatsender LBC auf.

Corbyn ist „sehr schlecht“

Dort nahm der Präsident, von Farage schelmisch als „Donald aus Washington“ angekündigt, am Donnerstagabend eine Auszeit von den laufenden Untersuchungen zum Amtsmissbrauch („Ukrainegate“). Gewisse Aspekte des EU-Austrittsvertrages würden den vielfach angekündigten neuen Handelsvertrag zwischen Großbritannien und den USA unmöglich machen, behauptete Trump, ohne Einzelheiten zu nennen. Hingegen hat Johnson seinen Austritt aus der EU-Zollunion stets ausdrücklich damit begründet, man brauche die Freiheit für eigene Freihandelsverträge, nicht zuletzt mit dem größten bilateralen Handelspartner auf der anderen Seite des Atlantik. Ein Sprecher von Downing Street bekräftigte diese Sichtweise nach dem Interview.

Während die Parteien an ihren Wahlprogrammen basteln und die sechswöchige Kampagne planen, verabschiedet sich eine Reihe prominenter Politiker aus dem Unterhaus. Den scheidenden Speaker John Bercow überhäuften Dutzende von Parlamentariern am Donnerstag, seinem letzten Arbeitstag, mit Lobreden. Ihren jeweiligen Hut nehmen aber auch der konservative Alterspräsident Kenneth Clarke, 79, Winston Churchills Enkel Nicholas Soames, 71, sowie prominente jüngere Tory-Frauen wie die einstige Innenministerin Amber Rudd, 56, und die derzeit noch amtierende 47-jährige Kulturministerin Nicky Morgan.

Online-Hass gegen Parlamentarierinnen

Besorgt zeigten sich britische Medien besonders über den Exodus von Parlamentarierinnen. Mehrere begründeten ihren Rückzug mit zügellosem Online-Hass auf sie, mit Pöbeleien bis hin zu Morddrohungen.

Trumps Radio-Intervention dürfte im Lager von Oppositionsführer Jeremy Corbyn fröhlich aufgenommen worden sein. Der Labour-Chef wäre „sehr schlecht“ („so bad“) für Großbritannien, meinte Trump: „Er würde Euch ganz schlimm in die Irre führen.“ So etwas wird Corbyn im Wahlkampf genüsslich ausschlachten – schließlich halten die meisten Briten überhaupt nichts von Trump.

Bei Labours Wahlkampfauftakt am Donnerstag versprach Corbyn „die radikalste Kampagne, die das Land je gesehen hat“: Die Gesellschaft müsse von einem „korrupten, manipulierten System“ befreit werden. Dafür stellte er eine Reihe reicher Geschäftsleute namentlich an den Pranger: Einzelhandels-Tycoon Mike Ashley sei ein „schlechter Boss“, der Immobilien-Milliardär Hugh Grosvenor sei ein „zwielichtiger Vermieter“ und Jim Ratcliffe, Leiter der Chemie-Holding Ineos, sei „Großbritanniens reichster Mann, der sein Geld mit Umweltverschmutzung verdient“.

Ashley retournierte, Corbyn sei doch „ahnungslos“. Carolyn Fairbairn von der Industrielobby CBI mahnte, die Wirtschaft höre wenig Positives von Labour: „Es ist falsch, Hunderttausende brillanter britischer Firmen zu ignorieren.“

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