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Theresa May will die Frage der inneririschen Grenze mit der EU nachverhandeln – das weckt Sorgen in Irland.

Brexit

„Die Unsicherheit der Iren ist groß“

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Die deutsche Botschafterin Deike Potzel über den fragilen Frieden und die Angst vieler Iren, im Stich gelassen zu werden.

Frau Botschafterin, wie groß ist in Irland die Sorge vor einem Brexit ohne Vertrag?
Die irische Regierung und auch die irische Bevölkerung hatten gehofft, mit dem Austrittsabkommen einen guten Deal erreicht zu haben. Aber die Sorge vor einem ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens hat in den letzten Monaten sehr stark zugenommen. Die Unsicherheit ist groß. Man spürt die Anspannung allerorten, in allen Gesprächen.

Das britische Unterhaus hat am Dienstagabend klar gemacht, dass es die EU nicht ohne Abkommen verlassen will. Trägt das nicht zur Entspannung bei?
Nein, denn das Parlamentsvotum ist nicht bindend. Inzwischen gibt es aus London ja auch schon erste Äußerungen, wonach das „No deal“-Szenario nicht vom Tisch sei. Die Unsicherheit bleibt. Wenn es kein Abkommen gibt, ist der 29. März der Tag, an dem Großbritannien die EU verlässt.

Deike Potzel ist seit 2017 Botschafterin Deutschlands in Irland.

Premierministerin May will die Frage der inneririschen Grenze mit der EU nachverhandeln – nährt das Hoffnung oder Sorgen in Irland?
Sorgen, ganz klar. Niemand weiß, was die vom britischen Unterhaus geforderten Alternativen zum Backstop sein sollen. Dass sich London nun in Gespräche über alternative Szenarien begibt ohne zu wissen, wie diese aussehen könnten, schürt hier Unsicherheit, Enttäuschung und auch Ratlosigkeit.

Immer wieder wird vor einem Wiederaufflammen des inneririschen Konflikts gewarnt – ist der Frieden auf der Insel tatsächlich so brüchig?
Der Friedensprozess ist immer noch fragil. Wer durch Nordirland reist, spürt dies an sehr vielen Orten. Hier hängt die irische Fahne, dort der Union Jack, vielerorts unterstreichen die Menschen ihre Zugehörigkeit zur katholischen oder protestantischen Kirche. Vertreter von Nichtregierungsorganisationen befürchten, dass die alten Konflikte wieder hochkommen. Polizeivertreter beobachten immer wieder Aktivitäten paramilitärischer Gruppen. Erst neulich gab es wieder Anschläge. Der Friedensprozess braucht Zeit. Er ist nicht so stabil, wie es aus der Distanz den Anschein hat. Die Sorgen der Iren sind nachvollziehbar.

Befürchtet Dublin, dass die EU zugunsten einer Lösung den Briten doch noch Zugeständnisse in der Irlandfrage macht?
Die irische Regierung betont, wie dankbar sie für die Solidarität der EU-Partner ist. In der Bevölkerung und in den Medien werden aber immer wieder Bedenken laut, dass wir Deutsche oder die Franzosen einen anderen Weg einschlagen könnten. Viele haben Sorge davor, im Stich gelassen zu werden. Das wird aber nicht passieren. Wir versichern den Iren, dass wir fest an ihrer Seite stehen.

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