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Großbritannien

Brexit, Corona und die Folgen – Boris Johnson lächelt die Probleme weg

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Beim Parteitag der konservativen Torys soll Premier Boris Johnson zu Versorgungskrise, Klimakrise und gebrochenen Wahlversprechen Stellung nehmen.

Manchester – Bei seiner Rede auf dem Parteitag der Konservativen im nordenglischen Manchester (12.30 Uhr) muss der britische Premierminister Boris Johnson Antworten auf die Vorwürfe seiner Kritiker liefern. Diese legen dem Regierungschef unter anderem zu Last, nicht genug gegen den Mangel an Lkw-Fahrer:innen zu tun, der zu leeren Supermarktregalen und Zapfsäulen im ganzen Land geführt hat.

Während Kritiker:innen dafür Johnsons Brexit-Politik verantwortlich machen, verweist der Premierminister auf die Folgen der Corona-Pandemie. Für Verstimmung unter Parteikolleg:innen haben auch Steuererhöhungen gesorgt, die Johnson im Wahlkampf 2019 noch ausgeschlossen hatte.

Brexit und die Folgen: Großbritannien schlittert in die nächste Krise

Unterdessen scheint Großbritannien sehenden Auges in die nächste Krise zu schlittern. Leere Supermarktregale, lange Schlangen an den Zapfsäulen der Tankstellen besonders im Süden Englands - all dies ist auf der Insel inzwischen schon fast so etwas wie Normalität geworden. Doch Boris Johnson wäre nicht Boris Johnson, wenn er nicht anderen die Schuld an der Situation geben würde. Besser noch: Auf dem Parteitag der britischen Konservativen in Manchester in dieser Woche konnte man den Eindruck gewinnen, es gäbe all diese Probleme nicht.

Krise? Welche Krise? Boris Johnson zeigt sich gut gelaunt.

Boris Johnsons Partei präsentiert sich nach all den Jahren des Brexit-Gezerres allerdings für ihre Verhältnisse sehr harmonisch. Der Austritt aus der EU spielt abgesehen von dem mit großer Bitterkeit geführten Streit mit Brüssel über den Status Nordirlands keine Rolle mehr. Die Parteimitglieder, so hat es den Anschein, wollen sich möglichst gut unterhalten lassen. Eine der am besten besuchten Veranstaltungen ist ein Gespräch mit dem Abgeordneten Jacob Rees-Mogg, der unter anderem Anekdoten über den Seekriegshelden des 19. Jahrhunderts, Vize-Admiral Nelson, zum Besten gibt. Krise? Welche Krise.

Boris Johnson in der Kritik: Proteste gegen die Politik der Regierung

Schweinebauern und Schlachter, die sich von Boris Johnsons Brexit-Politik ans Messer geliefert fühlen, protestieren unterdessen außerhalb des Konferenzgeländes. Der Leiter eines Schlachtbetriebs beklagt sich darüber, die Politik Johnsons habe seinen Betrieb an den Rand des Ruins gebracht. Während der Corona-Pandemie seien seine ausländischen Angestellten nach Hause gegangen, um nicht ohne Arbeit in Großbritannien steckenzubleiben. Nun kämen sie wegen der seit dem Brexit verschärften Einwanderungsregeln nicht mehr zurück. Die Folge dürfte sein, dass schon bald Zehntausende Schweine gekeult und verbrannt werden müssen. Die Einreise-Regeln für Fachkräfte aus dem Ausland müssten gelockert werden, doch Johnson, so klagt der Mann, höre einfach nicht zu.

Boris Johnsons Antwort darauf gehört auch eher in die Kategorie Unterhaltung als Politik. Getötet werden, das sei, was eben üblicherweise mit Schweinen in diesem Land passiere, witzelt er in den zahlreichen TV- und Radiointerviews während der Konferenz. Einem Radiomoderator, der ihn auf das Problem anspricht, antwortet er beharrlich mit der Gegenfrage: „Haben Sie schon mal ein Bacon-Sandwich gegessen?

Boris Johnson kann noch immer überzeugen

Das Problem mit dem Fachkräftemangel steckt auch hinter der Kraftstoffkrise, von der Großbritannien seit eineinhalb Wochen geplagt wird. An den Anblick kilometerlanger Schlangen vor den Tankstellen hat man sich beinahe gewöhnt, in die sich die Menschen geradezu stoisch einreihen. Dem Land fehlen nach Schätzungen von Experten fast 100.000 Lastwagenfahrer:innen. Doch das Angebot der Regierung in London, befristete Visa für einige Monate Arbeit in Großbritannien auszustellen, haben bislang gerade einmal rund 130 Fernfahrer:innen angenommen, wie der Premier eingestehen muss. Schuld sei sowie nicht die Politik, sagt Johnson, sondern die Unternehmen. Schließlich müssten die nur ihren Job machen.

In Großbritannien wird Johnson noch immer die Fähigkeit attestiert, große Teile der Bevölkerung von seinen Argumenten zu überzeugen. Es müsse nur gut klingen, ob es auch stimme, sei schon in wenigen Monaten nicht mehr von Bedeutung, wenn die Schlagzeilen wieder von anderen Themen bestimmt werden, so politische Beobachter:innen.

Im Mittelpunkt der Konferenz und der Rede von Boris Johnson soll die wirtschaftliche Erholung Großbritanniens nach der Corona-Pandemie stehen. Boris Johnson wird dann wohl wieder von einer „Zeit der Anpassung“ seines Landes reden und um Geduld bitten. Vieles spricht dafür, dass er auch diesmal damit durchkommt. (Stefan Krieger mit dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Stefan Rousseau/dpa

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