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Chronologie einer künstlichen Krise

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Seit dem Beitritt des Vereinten Königreichs gingen britische Anti-Europäer vom unmittelbar bevorstehenden Untergang ihrer Heimat aus. 

1973 entschied das Vereinigte Königreich, der Europäischen Gemeinschaft beizutreten; eine knappe Mehrheit der Briten bestätigte 1975 den Beitritt via Referendum. Britische Anti-Europäer gingen fortan vom unmittelbar bevorstehenden Untergang ihrer Heimat aus.

Europäische Hilfen, Projekte und Förderprogramme kamen in den folgenden Jahrzehnten Engländern, Schotten und Walisern zugute. Und nach 1998 auch den Nordiren. Damals konnten die EU und die britische Regierung unter Tony Blair das Ende des 29 Jahre währenden Bürgerkriegs zwischen Katholiken und Protestanten in der britischen Provinz vermitteln. Der Friedensschluss ermöglichte den Aufbau von wirtschaftlicher Infrastruktur zwischen der Irischen Republik im Süden und dem über Jahrhunderte benachteiligten Nordirland.

Um die Jahrtausendwende nahm die Kritik isolationistischer Engländer an der angeblich übermächtigen „Eurokratie“ in Brüssel immer mehr zu. Die „United Kingdom Independence Party (UKIP)“ konnte ausgerechnet bei EU-Wahlen Erfolge erzielen. Um sich der Kritik von Rechtsaußen zu entledigen, organisierte der konservative Premier David Cameron für den 23. Juni 2016 ein – nicht bindendes – Referendum zum Verbleib in der EU. Eine knappe Mehrheit der Voten (eigentlich eine Minderheit der Briten) entschied sich dagegen. 

Cameron wurde von seiner Innenministerin Theresa May abgelöst. Um die Brexit-Anhänger in ihrer eigenen Partei zu beruhigen, eröffnete die neue Premierministerin am 29. März 2017 das im Artikel 50 des EU-Vertrags festgelegte Austrittsverfahren, das zwei Jahre später vollzogen werden muss. Am 8. Juni 2017 ließ die vormalige Brexit-Gegnerin May ein neues Parlament wählen, um eine klare Mehrheit für ihre Austrittspolitik zu gewinnen. Sie verlor aber ihre bisherige Mehrheit und ist seitdem von den protestantischen Extremisten der DUP abhängig, die sich ihre Koalitionstreue mit Geld erkaufen lassen.

Bis Ende 2018 verhandelten Briten und Europäer in Brüssel über die künftigen Beziehungen zwischen Königreich und Kontinent. Den von der EU akzeptierten Deal hat das Unterhaus nun mehrfach abgelehnt; die Pro-Europäer lehnen jedweden Austritt ab und die Brexiteers glauben, man könne Europa dazu zwingen, Großbritannien eine wirtschaftlich vorteilhafte Sonderstellung außerhalb der EU zu belassen.

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