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Europa-Experte Günter Verheugen (SPD) am Sonntagabend bei „Anne Will“

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Brexit-Chaos bei Anne Will: Schelte sorgt für Aufsehen

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Die Zeit drängt für Großbritannien. Nun hat Theresa May die EU erneut um eine Verschiebung der Brexit-Frist gebeten. „Wie lange denn noch?“, fragte Anne Will in ihrer Talkshow. 

Berlin - Seit Wochen blickt Europa mit einer Mischung aus Befremden, Grusel und Amüsement nach Großbritannien: Eine Lösung beim Brexit scheint ferner denn je, das Land taumelt einem No-Deal-Brexit mit all seinen negativen Konsequenzen entgegen. Auch bei „Anne Will“ war die Dauerblockade am Sonntagabend wieder Thema. Dass die Runde nicht in Briten-Bashing endete, lag vor allem an einem Teilnehmer des Talks. Und nicht etwa an einem Gast von der Insel - sondern an Ex-EU-Kommissar Günter Verheugen (SPD). Denn der schoss scharf gegen die EU.

„Der Weg der EU war von Anfang an zum Scheitern verurteilt“, urteilte der SPD-Mann. Die Bedingungen des Brexit seien von Anfang an für die Briten nicht akzeptabel gewesen. Verheugen ist generell nicht um Kritik an der Europäischen Union und ihren Verbündeten verlegen - im Fall Skripal etwa rügte er das Vorgehen des Westens gegen Russland. Dennoch: Seine harte Haltung brachte ein Überraschungselement in die Runde, in der sich Will zum Einstieg schon erkundigte, ob den Briten ein „Dachschaden“ zu attestieren sei.

Brexit und der Zoff um den „Backstop“: Verheugen wundert sich um Streit um eine „gar nicht mal große Insel“

"Ich denke, das Problem ist nur lösbar, wenn man sagt, wir gehen zurück auf Null und fangen noch einmal an und machen ein umfassendes Freihandelsabkommen“, erklärte Verheugen: „Der Brexit ist kein Diktat der EU an Großbritannien, so sieht es aber inzwischen aus.“ Rachegelüste dürften bei Austrittsverhandlungen kein Thema sein. Sein durchaus explosiver Vorschlag: Ein wirtschaftliches Abkommen mit den Briten könnte zum Vorbild für vertiefte Zusammenarbeiten etwa auch mit der Ukraine, Russland oder der Türkei werden.

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Auch den ewigen Zoff um den Backstop konnte der frühere EU-Erweiterungs-Kommissar nicht nachvollziehen. Irland sei „eine Insel, nicht einmal eine große Insel, wenn sie da was kontrollieren wollen, können sie das an den Häfen und Flughäfen machen." Verheugens Fazit: Die EU müsse jetzt mal „was Neues vorlegen“.

„Anne Will“: Tory-Abgeordneter will alle Hoffnungen auf ein „Remain“ zerstreuen

Mit dem Tory-Abgeordneten Greg Hands saß unterdessen auch ein erklärter Brexiteer mit in der Runde. Seine Äußerungen bewiesen vor allem: All das, was sich so einige deutsche Beobachter wünschen, stößt bei vielen Briten auf sehr kategorische Vorbehalte. 

Können die Briten jetzt nicht einfach mal den lange ausgehandelten Deal annehmen? "It takes two to tango", sagt Hands; die EU müsse sich auch nochmal bewegen. Wäre es nicht gut, wenn die Briten doch an der Europawahl teilnähmen? „Eine Teilnahme an den Europawahlen wäre einfach lächerlich!“ Gibt es nicht die Option, dass sich die Insulaner nochmal umentscheiden? Nein, die Stimmung tendiere unverändert in Richtung „leave“.

Weniger bemerkenswerte Redebeiträge lieferte Kabinettsmitglied Ursula von der Leyen (CDU). In Brüssel sei der Verhandlungswille da, betonte sie. Und die Verhandlungen seien keinesfalls von Rachegedanken geprägt gewesen: Europa habe die Entscheidung des Vereinigten Königreichs akzeptiert - und den Prozess so „geschlossen und ruhig“ wie möglich geführt.

fn

Sendungsvorschau: Anne Will (ARD) diskutiert Brexit-Chaos - Zuschauer erstaunt über Talk-Gast 

Anne Will und ihre Gäste im TV-Talk.

Berlin - Brexit-Chaos und kein Ende: Während sich die Kollegen von der „Heute-Show“ mit dem Thema nicht mehr befassen wollen, startete Anne Will am Sonntagabend einen neuen Versuch, die Vorgänge in Großbritannien einzuordnen und zu erklären. „Wie lange denn noch? Das Ringen um den Brexit“ diskutierten im ARD-Studio: Ursula von der Leyen (CDU, Bundesverteidigungsministerin), Günter Verheugen (SPD, ehemaliger EU-Kommissar,) Philippa Whitford, Abgeordnete der Scottish National Party im britischen Unterhaus, Greg Hands, Tory-Abgeordneter und ehem. Staatssekretär im britischen Außenhandelsministerium und Annette Dittert, Leiterin des ARD-Studios London. 

Anne Will: Zuschauer wundern sich über Talk-Gast

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