Rassismus und Polizeigewalt

Breonna Taylor: Festnahme nach Schüssen auf Polizisten in Louisville

  • Marcel Richters
    vonMarcel Richters
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Der Fall Breonna Taylor löst weiter Proteste in den USA aus. Nach Schüssen auf Polizisten ist der mutmaßliche Töter festgenommen worden.

  • Die Justizentscheidung im Fall Breonna Taylor löst Proteste in den USA aus.
  • Donald Trump reagiert auf seine eigene Weise.
  • Trump News: Hier finden Sie alle wichtigen Infos zum 45. US-Präsidenten.

+++ 11.58 Uhr: Nachdem in Louisville im Zuge der Proteste um den Tod von Breonna Taylor zwei Polizisten angeschossen worden waren, ist ein 26-Jähriger Mann angeklagt worden. Ihm wird außerdem „mutwillige Gefährdung“ in 14 Fällen vorgeworfen.

Der 26-jährige Larynzo Johnson war am Mittwoch festgenommen worden. Die beiden Polizisten waren durch die Schüsse nicht lebensgefährlich verletzt worden. Einer wurde aus dem Krankenhaus entlassen, nachdem eine Wunde an seinem Bein behandelt wurde. Ein anderer musste sich einer Operation am Unterkörper unterziehen.

In Louisville, Kentucky, treffen nach der Entscheidung im Fall Breonna Taylor wütende Demonstranten auf Polizisten.

Der Bürgermeister von Louisville, Greg Fischer, bezeichnete die Schüsse auf die Polizeibeamten als „völlig unakzeptabel“. Der Schmerz der Demonstrierenden nach dem Tod von Breonna Taylor sei verständlich, aber: „Wenn jemand von uns der Versuchung nachgibt, Wut in Gewalt umzuwandeln, verlangsamen wir unseren Fortschritt“, so Fischer.

Rechtsextreme Milizen sammeln sich in Louisville nach Demonstrationen wegen Tod von Breonna Taylor

Update, 25. September 2020, 06.52 Uhr: Die Proteste im Zusammenhang mit dem Fall von Breonna Taylor in den USA halten an. In Louisville (Kentucky) kam es erneut zu Randalen. Die Demonstrationen hatten begonnen, nachdem gegen keinen der Polizisten, die an der Tötung von Breonna Taylor beteiligt waren, Anklage erhoben worden war.

Neben den hunderten von Demonstranten haben sich laut mehrerer Medienberichte auch rechtsextreme Milizen in der Stadt eingefunden. Eine Gruppe von schwer bewaffneten Männern, die sich der Miliz namens „Oath Keepers“ zugehörig zählen, postierten sich um eine Shell-Tankstelle in der Innenstadt von Louisville. Auf Nachfrage gaben die mit Maschinengewehren und Nachtsichtgeräten ausgerüsteten Männer an, sie seien dort, weil die Ladenbesitzerin Drohungen erhalten habe. Sie habe die „Oath Keepers" deshalb gebeten ihre Ladenzeile zu schützen.

In Louisville, Kentucky, treffen nach dem Urteil im Fall Breonna Taylor rechte Milizen auf Demonstranten.

Während der Proteste wurde außerdem die Abgeordnete Attica Scott verhaftet. Scott hält einen der Sitze im Kongress von Kentucky und war die erste schwarze Repräsentantin in besagtem Regionalparlament. Wie ein lokaler Radiosender, gehörte Scott einer Gruppe von Demonstranten an, die in der Innenstadt von Louisville festgenommen wurden. Nach Angaben der Polizei wird die Abgeordnete wegen „Aufruhr“ und „Widerstand gegen die Staatsgewalt" angeklagt.

Erstmeldung vom 24.09.2020
Louisville – Erneut kocht in den USA die Wut über die Polizeigewalt gegen Schwarze hoch. Auslöser der neuen Proteste ist ein Urteil im US-Staat Kentucky, keine Polizisten für den Tod der Schwarzen Breonna Taylor zur Rechenschaft zu ziehen. Die Ermittler seien zu dem Schluss gekommen, dass die Polizisten sich selbst verteidigt hätten, sagte Kentuckys Justizminister Daniel Cameron. Nur einer der drei beteiligten Beamten wurde angeklagt, bei der Wohnungsdurchsuchung andere Bewohner in dem Mehrfamilienhaus durch Schüsse gefährdet zu haben.

Breonna Taylor war am 13. März von weißen Polizisten in ihrer eigenen Wohnung in Louisville erschossen worden. Die drei Beamten in Zivil hatten Taylors Wohnung bei einer Drogenrazzia gestürmt. Taylors Freund, der mit der 26-Jährigen im Bett lag und einen Waffenschein besitzt, glaubte nach eigenen Angaben an einen Überfall, gab einen Schuss ab und verletzte einen Beamten. Die drei Polizisten feuerten daraufhin ihre Dienstwaffen ab. Breonna Taylor starb, ihr Freund überlebte.

Keine Anklage im Fall Breonna Taylor: Das Gerichtsgebäude in Louisville, Kentucky, ist von mehreren hundert Polizisten umstellt.

Hier ist ein kurzer Überblick darüber, was in der Nacht geschehen ist:

  • Die Grand Jury des Jefferson County hat einen der an der Erschießung von Breonna Taylor beteiligten Beamten angeklagt - allerdings nicht wegen der tödlichen Schüsse auf die 26-jährige Rettungssanitäterin, sondern weil er andere mutwillig gefährdet hat. Keiner der anderen an der Schießerei beteiligten Beamten wurde angeklagt. Es wurden keine Mordanklagen erhoben.
  • Tausende Menschen gingen in vielen großen US-Städten wie New York, Chicago, Atlanta, Denver oder Seattle auf die Straßen, um gegen die Entscheidung zu protestieren. Immer wieder riefen die Demonstranten Slogans wie „Nennt ihren Namen! Breonna Taylor“ und „Keine Gerechtigkeit, kein Frieden“. 
  • Zwei Polizisten in Louisville wurden angeschossen und erlitten Verletzungen.
  • Die Polizei in Portland im US-Bundesstaat Oregon löste einen Protestzug auf, nachdem Demonstranten wegen der Entscheidung im Fall Breonna Taylor auf die Straße gegangen waren.
  • In Denver fuhr ein Auto in einen Protestzug, verletzt wurde dabei niemand. Eine Person wurde festgenommen.
  • Donald Trumps Herausforderer Joe Biden rief zu friedlichen Protesten auf: „Gewalt ist niemals eine Antwort und kann niemals eine Antwort sein.“
  • Bürgerrechtsanwalt Ben Crump, der die Familie von Breonna Taylor vertritt, bezeichnete die Entscheidung der Grand Jury als „empörend und beleidigend“. 
Auch in Seattle erinnern die Menschen an Breonna Taylor.

Fall Breonna Taylor: Donald Trump verweigert Antwort und verlässt Pressekonferenz

Und US-Präsident Donald Trump? Der begnügte sich zunächst mal mit der kargen Botschaft auf Twitter, dass er für die zwei bei den Protesten in Louisville verletzten Polizisten bete. Als er dann während einer Pressekonferenz im Weißen Haus wiederholt gebeten wurde, die Entscheidung im Fall Breonna Taylor zu kommentieren, verweigerte er glattweg eine Antwort. Stattdessen brach er die Fragerunde einfach ab und ging hinaus, um einen „Notruf“ zu tätigen. Andere Beamte des Weißen Hauses mussten Fragen zur Corona-Pandemie beantworten.

Während Donald Trump den Raum verließ, stellte eine Reporterin weiterhin Fragen zum Fall Breonna Taylor. Doch Trump gab keine Antwort. Schließlich meldete sich Pressesprecherin Kayleigh McEnany zu Wort und mahnte die anwesenden Journalisten, doch ein wenig „respektvoller zu sein und Anstand zu wahren“.

Später meldete sich Donald Trump dann aber doch noch zu Wort. Adressat war aber nicht die Familie von Breonna Taylor, sondern Kentuckys Justizminister. Dessen Arbeit nannte Trump „wirklich brillant“. Daniel Cameron leiste „fantastische Arbeit“, so Trump: „Er ist ein Star“.

George Clooney „beschämt“: Keine Anklage nach Tod von Breonna Taylor

Inzwischen melden sich in den USA auch immer mehr Prominente zu Wort. So zeigte sich Oscar-Preisträger George Clooney über die Justizentscheidung im Fall Breonna Taylor fassungslos. Das Justizsystem, in dem er aufgewachsen sei, habe die Menschen für ihre Taten verantwortlich gemacht. „Mir wurde in den Schulen und Kirchen von Kentucky beigebracht, was richtig und was falsch ist. Ich schäme mich für diese Entscheidung“, sagte Clooney in einer Mitteilung an US-Medien. 

Menschen in Louisville gehen nach dem Urteil im Fall Breonna Taylor auf die Straße.

George Clooney betonte in seiner Mitteilung, dass er in Kentucky geboren und aufgewachsen sei. Seine Eltern und seine Schwester lebten dort und er besitze in dem Staat ein Haus. Justizminister Cameron hatte zuvor erklärt, dass „Prominente, Influencer und Aktivisten“, die nie in Kentucky gelebt hätten, versuchten, „unser Denken zu beeinflussen oder unsere Gefühle einzunehmen“. Clooney hatte bereits Anfang Juni in einem eindringlichen Essay bei der Nachrichten-Plattform „The Daily Beast“ systemischen Rassismus, Ungleichbehandlung und Polizeibrutalität gegen Schwarze in den USA beklagt. Darin schildert er auch andere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze, wie Rodney King, Eric Garner und George Floyd.

Fall Breonna Taylor: LeBron James „am Boden zerstört“

Auch LeBron James zeigte sich entsetzt, wie auch merkur.de* berichtet.. Der NBA-Superstar ließ in mehreren Tweets seiner Wut über die Entscheidung der Grand Jury im Fall Breonna Taylor freien Lauf. „Wir wollen Gerechtigkeit für Breonna, aber Gerechtigkeit erfahren offenbar nur die Wände ihrer Nachbarwohnung“, empörte sich LeBron James. Überrascht von dem Urteil sei er jedoch nicht: „Keine Person auf der Welt wird so verächtlich behandelt wie die Schwarze Frau.“ Heute habe er keine Worte, er sei „am Boden zerstört, verletzt, traurig, wütend“. (Von Christian Stör) *merkur,de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © John C. Clark via www.imago-images.de

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