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Frankreichs Innenminister Gerard Collomb im Gespräch mit Polizisten.

Frankreich

Brennende Autos lassen Behörden kalt

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In Frankreich wurden in der Silvesternacht mehr als tausend Fahrzeuge angezündet. Die Behörden sitzen das Problem aus.

In der Silvesternacht sind 1031 Autos in ganz Frankreich in Flammen aufgegangen. Diese beeindruckende Zahl nannte Innenminister Gérard Collomb, um anzufügen, bei diversen „Operationen“ seien elf Polizisten und Gendarmen verletzt worden. Zwei davon, darunter eine junge Polizistin, wurden im Pariser Vorort Champigny-sur-Marne von einem jugendlichen Mob krankenhausreif geschlagen, als sie einen Streit vor dem Eingang zu einer privaten Neujahrsparty schlichten wollten.

Bilder davon zirkulierten sofort in den sozialen Medien und sorgten landesweit für Entrüstung. Präsident Emmanuel Macron verurteilte die „feige und kriminelle Lynchjustiz“ und kündigte harte Strafen an. Collomb räumte aber auch ein, dass viele Banlieue-Siedlungen in den letzten Jahren „verarmt“ seien und sich „ghettoisiert“ hätten. Die Wohntürme seien „total unmenschlich“ und könnten nur „Gewalt bewirken“. Deshalb habe die Regierung schon vor Monaten einen ersten Renovierungsplan für diese Vorstädte verabschiedet.

Über den speziellen Neujahrsbrauch des Autoabfackelns kommunizieren die französischen Behörden hingegen sehr zurückhaltend. In der elsässischen Metropole Straßburg, wo die Unsitte vor rund zwanzig Jahren begonnen hatte, wurde nur dank Polizeigewerkschaftern bekannt, dass in der neusten Silvesternacht 75 Autos ausgebrannt seien. Die Ordnungskräfte mussten demzufolge bei den Löschaktionen Tränengas einsetzen und Verhaftungen vornehmen.

In anderen elsässischen Städten wie Mulhouse oder Colmar, aber auch in ländlichen Gemeinden brannten Autos aus. In südfranzösischen Städten zündelten die meist minderjährigen Banlieue-Jungs ebenfalls eifrig. In Toulouse brannten 40 Fahrzeuge aus, wie Journalisten vor Ort zählten.

Die großen französischen Fernsehsender behielten die teils spektakulären Bilder von abfackelnden Autos meist unter Verschluss, um in Absprache mit den Polizeibehörden Nachahmer abzuhalten. Immerhin verschweigt die neue Regierung das französische Silvesterritual nicht mehr so umfassend wie Präsident Nicolas Sarkozy, der Statistiken über abgebrannte Autos ab 2010 gänzlich unter Verschluss hielt.

Generell verdrängt Frankreich aber weiterhin, dass Neujahr in gewissen Vorstadtzonen ganz anders „gefeiert“ wird als etwa bei der feuchtfröhlichen Massenparty auf den Pariser Champs-Elysées. Die Zahl angezündeter Fahrzeuge an Neujahr bleibt konstant, obschon die Polizei im Dezember diskret ausrangierte und fahruntaugliche Altwagen systematisch abtransportieren ließ. Denn diese werden besonders oft ein Opfer der Flammen – sei es, weil sich die jugendlichen Brandstifter nicht an den Neuwagen des Nachbarn herantrauen, sei es, weil Autobesitzer schon dabei ertappt wurden, dass sie ihren eigenen Altwagen an Neujahr für eine Versicherungsprämie anzündeten.

Dies relativiert auch Berichte, das Neujahrszündeln in der Banlieue sei ähnlich einer Intifada politisch motiviert. Trotz Zunahme des Brandphänomens in Frankreich nach den Unruhen im Gaza-Streifen 2008 sehen Sozialhelfer nur insofern einen Nachahmereffekt, als die Vorstadtjugendlichen ihr eigenes „Feuerwerk der Armen“ veranstalten wollten.

In Aulnay-sous-Bois, einer unruhigen Vorstadt im Norden von Paris, trat an diesem Silvester zum ersten Mal ein Kollektiv von Banlieue-Müttern in Aktion, um das allgemeine Autoabbrennen zu einzudämmen. Zwanzig Afrikanerinnen patrouillierten durch die dunklen Straßen von Aulnay, „um die Zwölf- und Dreizehnjährigen nach Mitternacht von der Straße zu holen und ihnen ein wenig das Was und Warum zu erklären“, wie die Komiteevorsteherin Mariame Gassama meinte. In Aulnay sollen effektiv weniger Autos als sonst gebrannt haben.

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