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Rolle rückwärts: Jair Bolsonaro will sich bei Wahlniederlage zurückziehen

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Von: Nail Akkoyun

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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro winkt dem Publikum während einer Kundgebung im Rahmen seiner Wiederwahlkampagne in Curitiba am 31. August.
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro winkt dem Publikum während einer Kundgebung im Rahmen seiner Wiederwahlkampagne in Curitiba am 31. August. © Albari Rosa/AFP

Einst hieß es „Gefängnis, Tod oder Sieg“, doch jetzt kündigt Jair Bolsonaro an, sich aus der Politik zurückzuziehen – falls er die Brasilien-Wahl verliert.

Brasilia – Mit Blick auf den 2. Oktober, dem Tag der Präsidentschaftswahl in Brasilien, erklärte Jair Bolsonaro vor einiger Zeit, dass er eine Niederlage nicht hinnehmen werde. Sollte er nicht wiedergewählt werden, würde er verhaftet werden oder einem Attentat zum Opfer fallen, so der Präsident. Jetzt, wo die Wahl näher rückt, beginnt Bolsonaro allerdings damit zurückzurudern: „Wenn es Gottes Wille ist, werde ich [als Präsident] weitermachen. Wenn nicht, werde ich die Schärpe weiterreichen und mich zurückziehen“, sagte der 67-Jährige in einem Interview in einem Podcast für junge evangelikale Christ:innen.

Der 67-Jährige fügte hinzu: „In meinem Alter habe ich hier auf der Erde nichts mehr zu tun, wenn meine Reise in der Politik am 31. Dezember endet“, dem letzten Tag seiner Amtszeit. In den meisten Umfragen liegt der Amtsträger abgeschlagen hinter seinem linken Konkurrenten, dem ehemaligen Präsidenten Lula da Silva. Wie es scheint, rechnet inzwischen auch Bolsonaro selbst mit einer Niederlage, dabei hieß es einst „Gefängnis, Tod oder Sieg“.

Brasilien-Wahl: Jair Bolsonaro bezeichnet sich selbst als „Schwachkopf“

Angesichts Bolsonaros üblicherweise harten Rhetorik und seiner gänzlichen Missachtung der politischen Korrektheit ist der neue, gemäßigtere Ton durchaus überraschend. Selbst frühere Aussagen revidierte der „Tropen-Trump“, wie der brasilianische Präsident von Kritiker:innen betitelt wird, in dem Interview. So sagte er 2020, er könne nichts gegen die steigende Zahl der Corona-Todesopfer unternehmen, weil er „kein Totengräber“ sei. Er sei ein „Schwachkopf“ gewesen, erklärte Bolsonaro.

„Ich bin ein Mensch, ich bedaure, was ich gesagt habe, und ich würde es nicht noch einmal sagen. Sie können sehen, dass sich mein Verhalten im Vergleich zu vor einem Jahr geändert hat.“ Nachdem er seinen Wandel beteuert hatte, wandte sich Bolsonaro an den Rapper Felipe Vilela, der mit ihm das Interview führte. „Haben Sie ein afrikanisches Erbe? Sie sind ein wenig dunkel, nicht wahr?“, sagte er. „Oh, warten Sie, es ist ein Verbrechen, das zu sagen. Haben Sie nicht gehört, dass die Leute sagen, ich sei rassistisch?“

Später forderte der brasilianische Präsident junge Menschen dazu auf, im nächsten Monat ihre Wahl sorgfältig zutreffen. Dabei warnte er auch vor der dem Wiederaufkommen linker Regierungen in Latein- und Südamerika. (nak/AFP)

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