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Lula will Kampf gegen Klimawandel zur „absoluten Priorität“ machen

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Von: Nail Akkoyun

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Lula, der frühere und eventuell auch neue Präsident Brasiliens, will dem Klimawandel den Kampf ansagen. Bolsonaro bezeichnet er als „schlechte Trump-Kopie“.

São Paulo – Der ehemalige brasilianische Staatschef und Präsidentschaftskandidat Luiz Inácio Lula da Silva kündigt eine neue Umwelt- und Klimapolitik an, falls er bei der Wahl im Oktober gewinnen sollte. „Wir werden den illegalen Goldabbau beenden und sehr ernsthaft gegen die Abholzung kämpfen“, sagte Lula internationalen Journalist:innen am Montag (22. August) in São Paulo. Es müsse kein einziger Baum mehr abgeholzt werden, um Soja oder Mais anzupflanzen oder Vieh zu züchten.

Zudem sollten Umwelt- und Kontrollbehörden wieder gestärkt werden, die unter dem aktuellen Präsidenten Jair Bolsonaro geschwächt wurden. „Wenn die Welt bereit ist zu helfen, kann die Erhaltung eines Baumes im Amazonasgebiet mehr wert sein als jede Investition“, sagte Lula.

In Brasilien wird in rund sechs Wochen ein neuer Präsident gewählt. Dabei kommt es zu einem Duell zwischen dem rechtspopulistischen Bolsonaro und dem linken Lula, der das Land bereits von 2003 bis 2010 regierte. Umfragen zufolge liegt Lula vor Bolsonaro, der das für das Weltklima enorm wichtige Amazonasgebiet vor allem als wirtschaftliches Nutzgebiet sieht.

Luiz Inacio Lula da Silva spricht am Montag (22. August) während einer Pressekonferenz mit internationalen Journalist:innen. Der Präsidentschaftskandidat will eine neue Umwelt- und Klimaschutz, sollte er bei der Präsidentenwahl in Brasilien im Oktober gewinnen.
Luiz Inacio Lula da Silva spricht am Montag (22. August) während einer Pressekonferenz mit internationalen Journalist:innen. Der Präsidentschaftskandidat will eine neue Umwelt- und Klimaschutz, sollte er bei der Präsidentenwahl in Brasilien im Oktober gewinnen. © Andre Penner/dpa/AP

Brasilien: Lula sieht Kampf gegen Klimakrise „fast schon als Glaubensbekenntnis“

Bolsonaro wies in einem TV-Interview am Montagabend (Ortszeit) zurück, dass die Abholzung unter seiner Regierung zugenommen habe. „Das Amazonasgebiet ist so groß wie Westeuropa“, sagte er. „Glaubst Du, dass überwachen, Brände vermeiden, so einfach ist?“, fragte er. Weiter kritisierte Bolsonaro die Umweltbehörde Ibama dafür, dass sie von illegalen Goldgräbern beschlagnahmtes schweres Gerät zerstört.

Lula betonte ebenfalls, dass Brasiliens Souveränität über das Amazonasgebiet unumstritten sei, signalisierte aber, dass seine künftige Regierung internationale Hilfe im Kampf gegen die Abholzung begrüßen würde. Dabei verpflichtete er sich auch dazu, die Klimakrise zur „absoluten Priorität“ zu machen: „Wir werden jeder Art von illegalem Bergbau ein Ende setzen. Das kann nicht einfach durch ein Gesetz geschehen – es muss fast schon ein Glaubensbekenntnis sein“.

Unter Lula nahm die Abholzung im Regenwald ab, jedoch erzürnte der frühere Präsident mit dem Bau des Megastaudamms Belo Monte viele Umweltschützer:innen. Im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Bolsonaro erkennt der linke Politiker allerdings die Gefahren des Klimawandels und kündigte schon in der Vergangenheit mehrfach an, diesen bekämpfen zu wollen.

Sorge vor Brasilien-Wahl: Lula bezeichnet Bolsonaro als „schlechte Kopie von Trump“

Anfang des Monats unterzeichneten mehr als eine Million Bürger:innen in Brasilien ein Manifest, in dem davor gewarnt wurde, dass die Demokratie des Landes in „immenser Gefahr“ sei. Das Manifest wurde unter anderem an den Universitäten in São Paulo und Rio de Janeiro präsentiert.

Lula spielte entsprechende Befürchtungen herunter, Brasilien werde keinen demokratischen „Bruch“ erleiden, falls er am 2. Oktober die Präsidentschaftswahl für sich entscheiden sollte. Zuvor hatte Jair Bolsonaro bereits damit gedroht, eine Niederlage nicht akzeptieren zu wollen. Darüber hinaus forderte er seine Anhänger:innen dazu auf, am brasilianischen Unabhängigkeitstag, dem 7. September, ein „letztes Mal“ auf die Straßen zu gehen.

„Er ist eine schlechte Kopie von Trump“, sagte Lula über seinen Rivalen. „Auch Trump hat versucht, das Ergebnis nicht zu akzeptieren. Sie versuchten, das Kapitol zu stürmen. Aber er musste nachgeben, und ich bin mir sicher, dass das Wahlergebnis hier in Brasilien akzeptiert wird, ohne dass es infrage gestellt wird.“ (nak/dpa)

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