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Brasilien-Wahl: Lula vor großem Comeback – Bolsonaros Image angeschlagen

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Von: Karolin Schäfer

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Umfragen zufolge baut der linke Favorit Lula da Silva vor der Brasilien-Wahl seinen Vorsprung gegenüber dem umstrittenen Amtsinhaber Jair Bolsonaro aus.

Brasilia – Brasilien wählt am Sonntag (2. Oktober) einen neuen Präsidenten. Zur Wahl steht neben Amtsinhaber Jair Bolsonaro auch der ehemalige Staatschef Luiz Inacio Lula da Silva. Lula konnte nun seinen Vorsprung zum rechtspopulistischen Bolsonaro nochmal deutlich ausbauen und gilt inzwischen als klarer Favorit.

Die meisten Umfragen deuten darauf hin, dass der linke Ex-Präsident, am Sonntag die absolute Mehrheit der Stimmen einholen wird. Damit wäre eine Stichwahl gegen Bolsonaro Ende Oktober überflüssig. „Meiner Meinung nach wären die Wahlen, wenn sie heute abgehalten würden, im ersten Wahlgang vorbei“, sagte Flávia Oliveira vom brasilianischen Sender GloboNews.

Dem Wahlinstitut IPEC zufolge könnte Lula bei der ersten Runde auf 48 Prozent der Stimmen kommen, Bolsonaro lediglich auf 31 Prozent. Bei der Stichwahl könnte der linke Favorit einen Vorsprung von 19 Punkten zu Bolsonaro ausbauen.

Brasilien-Wahl: Lula erreicht Wählerschaft der Mitte

Dabei scheint es Lula mit seinem Wahlkampfprogramm zu gelingen, auch Wähler:innen der Mitte zu erreichen, die etwa Bolsonaros Umgang mit der Corona-Pandemie, der Rodung des Amazonas-Regenwald oder die Gewalt gegen indigene Völker leid sind.

So hat sich beispielsweise in den vergangenen Tagen der ehemalige Finanzminister, Rubens Ricupero, öffentlich für Lula eingesetzt, berichtete The Guardian. Zwar sei Lula nicht der „große Retter“ Brasiliens, allerdings stelle Bolsonaro eine „reale und gegenwärtige Gefahr“ für die Demokratie dar und müsse gestoppt werden. „Ich bin nicht begeistert von der anderen Option, aber sie ist leider das kleinere Übel“, zitierte The Guardian den Ex-Minister.

Luiz Inacio Lula da Silva, ehemaliger Präsident von Brasilien und Kandidat bei der kommenden Wahl, spricht während eines Treffens mit Sportlern.
Luiz Inacio Lula da Silva, ehemaliger Präsident von Brasilien und Kandidat bei der kommenden Wahl, spricht während eines Treffens mit Sportlern. © Andre Penner/dpa

Paulo Celso Pereira, Redakteur bei der konservativen, brasilianischen Tageszeitung O Globo, ist sich sicher, dass Bolsonaros Image bei vielen Wähler:innen zu angeschlagen sei. Eine Wiederwahl sei unmöglich, selbst wenn er die Stichwahl erreichen sollte. „Der Mangel an Empathie, den Bolsonaro gegenüber denjenigen zeigte, die während der Pandemie starben, war wirklich bezeichnend“, so Pereira.

Brasilien-Wahl: Bolsonaro sät Zweifel

Dabei könnten die Kandidaten nicht unterschiedlicher sein. Während Lula für die Bevölkerung als Retter der Demokratie gilt, sät Bolsonaro Zweifel am Wahlsystem – ähnlich wie damals Donald Trump bei seiner Wahlniederlage in den USA. Bereits bei der Präsidentschaftswahl 2018 behauptete Bolsonaro, er habe in der erste Runde und nicht erst in der Stichwahl gewonnen, berichtete der Spiegel. Daher droht bei der diesjährigen Brasilien-Wahl, dass der rechte Politiker im Falle einer Niederlage sich weigern könnte, diese anzuerkennen.

„Er hat mehrfach deutlich gemacht, dass er dem elektronischen Wahlsystem Brasiliens nicht traut. Er verdächtigt immer wieder das Wahlgericht. Er ignoriert die Umfragen und die Umfragewerte völlig. Es stehen also harte Zeiten bevor, würde ich sagen“, sagte Politikwissenschaftler Guilherme Casaroes gegenüber der Nachrichtenagentur Al Jazeera.

Lula gegen Bolsonaro: Politische Gewalt überschattet Brasilien-Wahl

Die Lage vor der Brasilien-Wahl ist und bleibt angespannt. Medienberichten zufolge gibt es bereits politisch motivierte Gewalttaten. „Hassreden und politische Gewalt haben vielen Brasilianern Angst gemacht, ihre Meinung zu äußern und ihre Rechte wahrzunehmen“, schrieb Wenzel Michalski, Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Deutschland, bei Twitter. „Die Behörden sollten sicherstellen, dass die Brasilianer bei den Wahlen im Oktober 2022 frei und sicher wählen können.“

Alle vier Jahre wird ein neues Staatsoberhaupt in Brasilien gewählt. Bolsonaro ist seit 2018 im Amt. Lula regierte von 2003 bis 2010. Vor der Präsidentschaftswahl 2018 wurde Lula wegen Korruptionsvorwürfen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, dessen Urteil inzwischen wieder aufgehoben wurde. (kas)

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