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Bolsonaro gegen Lula: Der Ton im Wahlkampf gerät unter die Gürtellinie

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Von: Nadja Austel

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Die zweite Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien steht bevor. Die Konkurrenten Bolsonaro und Lula nehmen kein Blatt mehr vor den Mund.

Brasilia – Vor der Wahl ging man in Brasilien ohne Zweifel davon aus, dass der amtierende Präsident Jair Bolsonaro nach Auszählung der Stimmen seinen Hut nehmen musste. Immerhin hatten sämtliche Umfragen den Eindruck erweckt, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht hinter dem Rechtsextremisten, sondern hinter seinem Konkurrenten Lula da Silva steht. Wider Erwarten gewann dieser die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien aber nur sehr knapp.

Damit treten die beiden Kandidaten am 30. Oktober nach brasilianischen Wahlrecht in einer Stichwahl gegeneinander an. Nur wenige Wochen vor dieser zweiten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien liegt der Herausforderer Lula da Silva in einer Umfrage ebenfalls nur knapp vor dem rechtsradikalen Amtsinhaber Bolsonaro. Lula käme demnach auf 53 Prozent der Stimmen, Bolsonaro könnte mit 47 Prozent der Stimmen rechnen.

Brasilien Wahl: „Trunkenbold“ Lula gegen „Hinterwäldler Bolsonaro“

Der Wahlkampf zwischen den Herren wird, gelinde gesagt, hitzig betrieben. Präsident Bolsonaro bezeichnete seinen Wahlkampfgegner Lula da Silva nach einem Bericht von Rawstory bereits als „Dieb“ und „Trunkenbold“. Lula konterte, der brasilianische Staatschef sei ein „Schlächter“ und ein „Hinterwäldler“.

Rawstory stellte unlängst eine Sammlung mit einigen der Beleidigungen, die zwischen den Kontrahenten flogen, zusammen. Die Liste enthält weitere deftige Zitate: „Ich rede dreckig, aber ich bin kein Dieb“, sagte Bolsonaro demnach auf einer Wahlkampfveranstaltung und bezog sich dabei auf Lulas Verurteilung im Jahr 2017 wegen der Annahme von Bestechungsgeldern während seiner Zeit als Präsident. Ein Richter des Obersten Gerichtshofs hatte die Verurteilung im vergangenen Jahr jedoch aufgehoben.

Wahl in Brasilien: Lula sei ein „Säufer“, Bolsonaro ein „Schlächter“

„Lügner, Ex-Sträfling, Verräter“, nannte Bolsonaro Lula während einer Fernsehdebatte demnach außerdem. „Wenn Sie einen Säufer an die Spitze Brasiliens stellen, der eine Spur von Korruption, von Ausschweifungen, von Angriffen auf die brasilianische Familie, auf Priester und Pastoren, auf die Streitkräfte, auf die Polizei hinter sich hat, glauben Sie, dass das funktionieren wird?“, sagt Bolsonaro auf einer Pressekonferenz.

Lula ließ seinerseits kein gutes Haar an Bolsonaro: „Dieser Schlächter, der dieses Land regiert, wird von niemandem empfangen und niemand will dieses Land besuchen“, wird er von Rawstory zitiert.

Brasilien-Wahl 2022: Wahlplakate in den Straßen von Brasilia
Brasilien-Wahl 2022: Wahlplakate in den Straßen von Brasilia © Evaristo Sa/AFP

Brasilien-Wahl: Bolsonaro und Lula zielen unter die Gürtellinie

„Bolsonaro sieht aus wie ein Hofnarr“, soll Lula in einer TV-Sendung außerdem geäußert haben. Zudem stellte er die rechte politische Orientierung Bolsonaros in den Mittelpunkt: „Bolsonaros Veranstaltung sah aus wie ein Ku-Klux-Klan-Treffen. Das Einzige, was fehlte, waren die Kapuzen“, sagte Lula laut Angaben von Rawstory bei einem Treffen bei Rio de Janeiro. „Es waren keine Schwarzen, keine Braunen, keine Armen dabei“.

Zu einem späteren Zeitpunkt habe er Bolsonaros Corona-Politik kritisiert: „Wir haben es mit einem Mann ohne Seele, ohne Herz zu tun, einem Mann, der nicht die Sensibilität hatte, auch nur eine einzige Träne für eines der mehr als 680.000 Opfer von Covid zu vergießen“. Brasilien war eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder der Welt. Bolsonaro musste sich zudem für die Verbreitung von Falschinformationen über das Virus verantworten.

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