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Brasilien-Wahl: Trans-Pionierin Erika Hilton strebt Sieg im Kongress an

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Von: Ares Abasi

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Eine transsexuelle Frau kandidiert in Brasilien für den Sitz im Kongress.
Eine transsexuelle Frau kandidiert in Brasilien für den Sitz im Kongress.  © imago

Eine transsexuelle Frau kandidiert in Brasilien für den Sitz im Kongress. Warum ihre Chancen, trotz Schwierigkeiten, gut stehen.

Brasília - Die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär ist in Brasilien wohl bekannt. Selbst der berühmteste Präsident der letzten Jahrzehnte putzte einst Schuhe. Die Geschichte von Erika Hilton ist indes weniger simpel. Die transsexuelle Teenagerin wurde im Alter von 14 Jahren aus ihrem Elternhaus geworfen und verbrachte mehrere Jahre als Sexarbeiterin, bevor sie wieder mit ihrer Mutter zusammenfand und an der Universität Pädagogik und Alterswissenschaft studierte.

Nachdem sie sich in der Studentenpolitik engagiert hatte, zog sie nach São Paulo und trat der linken Partei PSOL bei. Im Jahr 2020 wurde sie als erste transsexuelle Person in den Stadtrat, den größten Stadtrat Brasiliens, gewählt, das berichtet The Guardian. Jetzt kandidiert sie für den Kongress und gilt als sehr wahrscheinlich, dass sie das erste transsexuelle Mitglied des brasilianischen Parlaments wird.

Brasilien: Erika Hilton hat „gute Chance, gewählt zu werden“

„Ich denke, sie hat viele Facetten, denn sie ist schwarz, eine Frau und trans“, sagte Evorah Cardoso, eine Forscherin der NGO VoteLGBT. „Bei ihr geht es um mehr als nur um ihre körperlichen Eigenschaften. Sie hat eine Politik, die dazu passt und die sie sehr gut vertritt. Sie hat eine wirklich gute Chance, gewählt zu werden.“

In Brasilien kandidieren in diesem Jahr mindestens 300 LGBT-Kandidaten, von denen etwa 80 transsexuell sind, so Cardoso. Hilton ist eine der sichtbarsten. Ihr Auftritt bei den Stadtratswahlen in São Paulo vor zwei Jahren veranlasste die PSOL, Ressourcen für ihre Kampagne bereitzustellen, so the Guardian.

Brasilien: Mehr LGBT-Kandidaten im Parlament

Das komplizierte brasilianische Wahlsystem sieht vor, dass einzelne Stimmengewinner dazu beitragen, dass weniger populäre Mitglieder derselben Partei gewählt werden. Hilton gilt als eine der herausragenden Persönlichkeiten. Dies ist zu einem großen Teil auf ihren LGBT-Hintergrund und ihre klare Haltung zu Themen wie Bildung, sozialer Wohnungsbau und häusliche Gewalt zurückzuführen.

Auch das gestiegene Bewusstsein für die Macht, die LGBT-Kandidaten ausüben können, hat dazu beigetragen. Im Jahr 2017 fragten Forscher bei den jährlichen Pride-Paraden in Rio de Janeiro und São Paulo die Teilnehmer, ob sie der Meinung seien, dass LGBT-Personen für LGBT-Kandidaten stimmen sollten. 42,8 % stimmten ganz oder teilweise zu. Im Jahr 2022 war diese Zahl auf 88 % angestiegen.

Brasilien: Jair Bolsonaro gegen LGBT-Menschen

Die Wahl des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro im Jahr 2018 hat Minderheiten gleichermaßen bedroht und aufgerüttelt. Bolsonaro hatte seine Verachtung für LGBT-Menschen, Afrobrasilianer und Frauen schon lange deutlich gemacht. Hilton gehört zu einer neuen Generation, die aufgestanden ist, um zu antworten. (Ares Abasi

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