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Brasilien: Schwarzer „gefoltert und hingerichtet“ – Mann stirbt in den Händen der Polizei

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Von: Karolin Schäfer

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Ein Mann schreit Polizisten vor dem Krankenhaus Getulio Vargas nach einem Polizeieinsatz in einer Favela in Rio de Janeiro an. Bei einer Polizeirazzia in dem Armenviertel sind am Dienstag (24. Mai) 25 Menschen ums Leben gekommen.
Ein Mann schreit Polizisten vor dem Krankenhaus Getulio Vargas nach einem Polizeieinsatz in einer Favela in Rio de Janeiro an. Bei einer Polizeirazzia in dem Armenviertel sind am Dienstag (24. Mai) 25 Menschen ums Leben gekommen. © Mauro Pimentel / AFP

Der Schwarze Genivaldo de Jesus Santos erstickt auf dem Rücksitz eines Polizeiwagens in Brasilien. Beamte sollen eine Gasgranate darin gezündet haben.

Umbaúba – In Brasilien sorgt der grausame Tod eines Mannes für Aufsehen: Polizeibeamte sollen den Schwarzen Genivaldo de Jesus Santos auf dem Rücksitz eines Einsatzwagens festgehalten und dann eine Tränengasgranate gezündet haben. Der 38-Jährige erstickte.

Santos, der nach Angaben seiner Familie unter Schizophrenie litt, wurde am Mittwoch (25. Mai) von der Polizei in der brasilianischen Stadt Umbaúba im Osten des Landes angehalten. Was dann passierte, lässt sich bislang nur schwer nachverfolgen.

Brasilien: Videoaufnahmen zeigen mutmaßliche Polizeigewalt

Videoaufnahmen zeigten, dass zwei Beamte mit Helmen den Kofferraum des Polizeifahrzeuges zudrückten. Darunter ragten offenbar die Beine von Genivaldo de Jesus Santos hervor, während Rauchwolken aus dem Fahrzeug wichen. „Sie werden ihn umbringen“, wurde ein Zeuge von britischen Zeitung The Guardian zitiert.

Der Zeitung zufolge bestätigte ein Autopsiebericht am Donnerstag (26. Mai) dann, was die Videoaufnahmen zeigten: Santos ist erstickt. Sein Neffe, Alisson de Jesus, soll als Zeuge hautnah dabei gewesen sein. Er habe die Polizei gewarnt, dass es dem Mann nicht gut gehe. „Es war eine Folterung“, sagte er gegenüber der lokalen Presse.

Brasilien: „Polizisten verwandelten ein Auto in eine Gaskammer“

Die Bevölkerung in Brasilien ist in Aufruhr, wütende Proteste sind nach dem Tod des Mannes ausgebrochen, berichtete The Independent. „Polizisten verwandelten ein Auto in eine Gaskammer und exekutierten einen Mann mit psychischen Störungen, während sein Neffe am helllichten Tag zusah“, schrieb Renata Souza, eine schwarze Aktivistin und Politikerin aus Rio de Janeiro, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Für diese Unmenschlichkeit gibt es keine Worte.“

In einer Erklärung der Polizei im nordöstlichen Bundesstaat Sergipe hieß es, dass die Beamten „Immobilisierungstechniken“ sowie „Instrumente mit geringem Angriffspotenzial“ eingesetzt hatten, nachdem Santos aggressiv geworden war. Santos sei danach in ein Krankenhaus gebracht worden, als er sich auf dem Weg zur Polizeiwache unwohl gefühlt habe, hieß es weiter. Doch nach Angaben seiner Familie war Santos bereits tot, als er im Krankenhaus eintraf.

Brasilien: Tod von Genivaldo de Jesus Santos erinnert an Ermordung von George Floyd

Der Tod von Genivaldo de Jesus Santos ereignete sich auf den Tag genau zwei Jahre nach der Ermordung von George Floyd in Minneapolis durch einen Polizeibeamten. 9 Minuten und 29 Sekunden kniete der Beamte Derek Chauvin auf dessen Hals. Chauvin wurde des Mordes schuldig gesprochen.

Tödliche Polizeigewalt steht an der Tagesordnung in Brasilien, besonders betroffen ist die Schwarze Bevölkerung des Landes. Die wenigsten Fälle werden aufgeklärt. Nach Recherchen des brasilianischen Forums für öffentliche Sicherheit tötete die Polizei im Jahr 2020 insgesamt 6416 Menschen. Knapp 80 Prozent der Opfer waren Schwarze. Nur einen Tag vor Santos Tod wurden 25 Menschen bei einer Polizeirazzia in der Favela Vila Cruzeiro in Rio de Janeiro getötet.

Brasilien: Bevölkerung demonstriert für Gerechtigkeit

„Diese beiden Ungeziefer wissen, dass sie gefilmt werden, und trotzdem haben sie ein Todesurteil gefällt. Es gibt keine Scham oder Verlegenheit mehr. Sie haben den Mann gefoltert und hingerichtet“, twitterte Douglas Belchior, ein Mitglied der Bürgerrechtsorganisation Coalition for Black Rights. Währenddessen kündigte die brasilianische Polizei an, den Tod von Santos zu untersuchen.

Genivaldo de Jesus Santos wurde am Donnerstag beerdigt. Wie das brasilianische Nachrichtenportal G1 berichtete, haben zuvor Einheimische in Umbaúba protestiert, Autoreifen auf der Straße, in der sich die Tat abspielte, in Brand gesetzt und Gerechtigkeit gefordert. „Das war ein Verbrechen. Sie haben ihn auf grausame Weise getötet“, sagte Santos‘ Witwe, Maria Fabiana dos Santos, gegenüber lokalen Reportern. (kas)

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