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Rassismus

Schwarzer in Brasilien zu Tode geprügelt - Angriff löst „Black lives matter“-Proteste aus

  • vonJoel Schmidt
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Nachdem ein Schwarzer in Porto Alegre nach einem Prügelangriff durch Sicherheitsleute stirbt, protestieren in Brasilien erneut hunderte gegen Rassismus.

  • Zwei weiße Sicherheitsleute schlagen am Donnerstag (19.11.2020) in Porto Alegre in Brasilien auf einen Schwarzen ein, bis dieser stirbt.
  • Wütende Proteste in mehreren Städten erinnern an die amerikanische „Black lives matter“-Bewegung.
  • Der Vorfall stößt auch eine Debatte über Rassismus im vom Rechtspopulisten Jair Bolsonaro regierten Brasilien an.

Rio de Janeiro – Nachdem am vergangenen Donnerstag (19.11.2020) in der brasilianischen Metropole Porto Alegre ein Schwarzer von weißen Sicherheitsleuten eines Supermarkts zu Tode geprügelt wurde, kam es am Sonntag (22.11.2020) erneut in mehreren brasilianischen Städten zu Demonstrationen gegen Rassismus. Demonstrierende trugen dabei Schilder mit der Aufschrift „Mörderischer Carrefour“ oder „Black lives matter“ mit sich.

Nach gewaltsamen Tod vor einem Supermarkt: Proteste in mehreren Städten Brasiliens

Die Proteste fanden erneut vor Filialen der internationalen Supermarktkette „Carrefour“ statt, da der 40-jährige João Alberto Silveira Freitas am Donnerstag (19.11.2020) vor einem solchen Markt ums Leben kam. Wie in einem Video des Vorfalls zu sehen ist, schlug ein Sicherheitsmann den Schwarzen Freitas über fünf Minuten lang brutal auf den Kopf und ins Gesicht, während sein Kollege das wehrlose Opfer festhielt. Bei der anschließenden Fixierung durch die weißen Wachmänner soll Freitas schließlich keine Luft mehr bekommen haben, sodass er trotz Wiederbelebungsversuchen von Sanitäter:innen noch vor Ort verstarb. Einer der Wachleute hatte sich auf den Hals des Opfers gekniet und ihm dadurch wohl die Luft abgeschnürt.

Die Vorfälle lösten neben heftigen Protesten, in deren Zuge mehrere „Carrefour“-Filialien verwüstet wurden, auch eine Rassismus-Debatte in dem größten Land Südamerikas aus. So kam es neben Porto Alegre auch in den Großstädten São Paulo, Rio De Janeiro, Belo Horizonte sowie in der Hauptstadt Brasilia zu wütenden Demonstrationen, auf denen immer wieder derselbe Slogan zu lesen war: „Black lives matter“.

Rassismus als Tatmotiv? Protestierende skandieren „Black lives matter“

Der Vergleich zu den Protesten gegen rassistische (Polizei-) Gewalt in den USA kommt nicht von Ungefähr. Obgleich etwa die Hälfte der brasilianischen Bevölkerung zur Schwarzen Minderheit gehört, schlägt sich dies keineswegs in der Repräsentation von Schwarzen in Politik und Gesellschaft nieder. Vielmehr das Gegenteil ist der Fall. Aufgrund der strukturellen Benachteiligung von Schwarzen in der brasilianischen Gesellschaft sprechen Kritiker:innen indes auch von Rassismus als einer Ursache für diesen Umstand.

Brasilien im Kurzüberblick:

Einwohner:innen: 211.834.000Portugiesische Kolonie seit: 1503
Bevölkerungsanteil von Schwarzen: 43,42 ProzentUnabhängigkeitserklärung: 1822
Bevölkerungsanteil von Weißen: 47,51 ProzentMilitärdiktatur: 1964 bis 1985

„Black lives matter“ in Brasilien: Debatte über strukturellen Rassismus

Wie die afrobrasilianische Philosophin und Aktivistin Djamila Ribeiro in einem Interview mit der „taz“ sagt, setze sich seit der Abschaffung der Sklaverei im späten 19. Jahrhundert in Brasilien der institutionalisierte Rassismus fort. „Alle 23 Minuten wird ein junger Schwarzer Mensch ermordet, die Schwarze Bevölkerung sitzt überdurchschnittlich oft in Gefängnissen“, fasst Ribeiro in dem Interview die Situation vieler Schwarzer in Brasilien zusammen.

Den Eindruck, dass es sich bei Rassismus um ein strukturelles Problem in Brasilien handelt, vermittelt auch ein an den Protesten teilnehmender Aktivist in Porto Alegre. „Wenn du ein Schwarzer in Brasilien bist, wird dir deine Menschenwürde genommen“, sagt er in einem Video gegenüber „Euronews Germany“. „Das Rechtssystem ist darauf ausgelegt, dass du immer der Schuldige sein wirst – selbst wenn du das Opfer bist“, fährt der Aktivist fort. Sein ernüchterndes Fazit: „Du bist die Zielscheibe der Gewalt in dieser Stadt und wenn eine Kugel einen Schwarzen trifft, ist dies niemals eine verlorene Kugel.“

Debatte über Rassismus in Brasilien: Für die weiße Elite kein Thema

Brasiliens rechtsextremer Staatschef Jair Bolsonaro äußerte sich im Kurznachrichtendienst Twitter nur indirekt zu dem Vorfall. Ohne den tödlichen Übergriff konkret zu nennen, schrieb er, dass Brasiliens Probleme „jenseits von Rassenfragen“ lägen. Brasiliens Vizepräsident Hamilton Mourão hingegen scheute sich nicht vor deutlicheren Worten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur „afp“ erklärte er, dass Freitas‘ Tod nichts mit Rassismus zu tun habe. „Für mich gibt es in Brasilien keinen Rassismus“, so die Aussage des stellvertretenden Präsidenten.

Nach gewaltsamen Tod in Brasilien: Supermarkt verurteilt Vorgehen

Die Militärpolizei im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul erklärte indessen zum Hintergrund des Vorfalls, das João Alberto Silveira Freitas eine Mitarbeiterin des „Carrefour“-Supermarktes in Porto Alegre bedroht haben soll, woraufhin diese den Wachschutz gerufen habe. Die zwei Wachleute sind nach dem rassistischen Übergriff mittlerweile festgenommen worden. Bei einem der beiden soll es sich um einen Militärpolizisten handeln, der Teilzeit in dem Supermarkt arbeitet. Der Supermarktbetreiber „Carrefour“ verurteilte das Vorgehen der Sicherheitsleute und kündigte ein Ende der Zusammenarbeit mit der betreffenden Wachschutzfirma an. (Joel Schmidt)

Rubriklistenbild: © Andre Lucas/dpa

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