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„Babylon wird fallen“ – Brasilien wappnet sich für neue Aufstände

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Von: Nail Akkoyun

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Nach dem Angriff radikaler Bolsonaro-Anhänger wappnet sich die Regierung für weitere Aufstände – Brasiliens Bevölkerung verurteilt die gewalttätigen Proteste.

Brasilia – Nach Aufständen von radikalen Anhänger:innen des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro befürchtet Brasiliens Regierung weitere Unruhen. In der Hauptstadt Brasilia sind die Sicherheitsvorkehrungen bereits erhöht worden – aus Sorge vor einer weiteren Mobilisierung der Extremist:innen.

Die brasilianische Zeitung O Globo berichtete unter anderem von einem „landesweiten Mega-Protest zur Machtübernahme“, den die Bolsonaro-Gefolgschaft in Whatsapp- und Telegram-Gruppen plane. Zuvor hatte Präsident Lula da Silva die Ausschreitungen am vergangenen Sonntag (8. Januar) als „beispiellos in der Geschichte Brasiliens“ bezeichnet. Der Rechtsextremist Bolsonaro, der nach seiner Wahlniederlage in Florida lebt, missbilligte die Proteste und wies Vorwürfe zurück, er habe seine Gefolgschaft zur Gewalt aufgestachelt.

Gefolgsleute des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro stürmen am 8. Januar mehrere Regierungsgebäude und liefern sich Kämpfe mit Sicherheitskräften.
Gefolgsleute des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro stürmen am 8. Januar mehrere Regierungsgebäude und liefern sich Kämpfe mit Sicherheitskräften. © Ton Molina/Imago

Brasilien: Gewaltsame Proteste – Bevölkerung verurteilt Angriff auf Regierungsgebäude

Während friedliche Proteste Teil jeder Demokratie seien, dürfe das Recht auf Demonstration „nicht mit Angriffen auf demokratische Institutionen“ sowie „mit terroristischem Verhalten“ verwechselt werden, sagte der Sicherheitschef im Hauptstadtdistrikt, Ricardo Cappelli, am Mittwoch (12. Januar) im brasilianischen Fernsehen. „Eine Wiederholung der Ereignisse“ sei jedoch ausgeschlossen. Bei möglichen aufrührerischen Akten werde man die gesamten Polizeikräfte mobilisieren. „Die Esplanade der Ministerien ist bereits für den Autoverkehr gesperrt. Es wird Barrieren, Straßensperren und Kontrollen geben“, sagte Cappelli weiter.

Die Bundespolizei verkündete indes die Festnahme einer mutmaßliche Organisatorin der Krawalle. Ana A. soll über eine Telegram-Gruppe Zehntausende radikale „Bolsonaristas“ dazu aufgerufen haben, in der Hauptstadt gegen den linken Präsidenten und dessen Regierung vorzugehen. „Babylon wird fallen“, habe die Frau in den Chats proklamiert.

Seitens der brasilianischen Regierung hieß es, man arbeite daran, die Normalität so schnell wie möglich wiederherzustellen – trotz der Angst vor weiteren Unruhen. Offenbar verurteilt ein Großteil der Menschen in Brasilien den Angriff auf das Regierungsviertel. Wie eine Erhebung des Meinungsforschungsinstitut Datafolha ergab, lehnten 93 Prozent der Befragten den Sturm auf Kongress, Regierungssitz und Obersten Gerichtshof ab. (nak)

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