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Immer mehr Corona-Tote

„Schluss mit dem Gejammer“ - Brasiliens Präsident Bolsonaro schimpft gegen Corona-Maßnahmen

  • Marcel Richters
    vonMarcel Richters
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Die Corona-Pandemie trifft Brasilien besonders stark. Die Zahl der Toten erreicht regelmäßig neue Höchststände. Doch Bolsonaro redet das Problem klein.

  • Brasilien gehört zu den von der Corona-Pandemie am schlimmsten betroffenen Staaten weltweit.
  • Der rechte Präsident Jair Bolsonaro verharmlost die Gefährlichkeit des Virus.
  • Fachleute befürchten derweil weiterhin ansteigende Zahlen bei den Corona-Toten im Land.

Update vom Freitag, 05.03.2021, 07.30 Uhr: Trotz der rasanten Ausbreitung des Coronavirus hält der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro nichts von Ausgangsbeschränkungen im Kampf gegen die Pandemie - ganz im Gegenteil: „Ihr seid nicht zu Hause geblieben. Ihr seid nicht feige gewesen“, sagte Bolsonaro Medienberichten zufolge bei der Einweihung eines Teilstücks einer Eisenbahnlinie in São Simão im Bundesstaat Goiás am Donnerstag (Ortszeit) zu den Arbeitern. „Schluss mit dem Gejammere.“ Diejenigen, die die Regierung zum Kauf von Corona-Impfstoffen auffordern, hatte er bei einer anderen Veranstaltung zuvor als „Idioten“ bezeichnet. 
 

Brasilien: Immer neue Höchststände an Corona-Toten

Update vom Donnerstag, 04.03.2021, 07.30 Uhr: Mit mehr als 1900 Corona-Todesfällen hat Brasilien den zweiten Tag hintereinander einen neuen Höchststand verzeichnet. Die Gesundheitsbehörden des Landes meldeten am Mittwoch (Ortszeit) 1910 Todesfälle durch Covid-19 binnen 24 Stunden. Damit stieg die Zahl der seit dem Beginn der Pandemie in Brasilien gemeldeten Corona-Todesfälle auf 259.271. Mehr Corona-Tote gibt es nur in den USA. „Erstmals seit dem Beginn der Pandemie sehen wir eine Verschlechterung der Lage im gesamten Land“, teilte das staatliche Gesundheitsinstitut Fiocruz vor der Veröffentlichung der Zahlen mit. „Die Situation ist alarmierend.“

Ursache für den jüngsten Anstieg der Infektionen sind nach Ansicht von Fachleuten unter anderem die Feiern zum brasilianischen Karneval. Zwar gelten in einzelnen Bundesstaaten und Großstädten Versammlungsverbote. Landesweite Ausgangsbeschränkungen wie in anderen Ländern gibt es aber nicht. Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro steht wegen seines Umgangs mit der Corona-Pandemie bereits seit langem in der Kritik. Er hatte die Gefahr durch das Virus seit Beginn der Pandemie heruntergespielt. Zuletzt stellte er laut der Nachrichtenagentur afp sogar den Nutzen von Impfungen in Frage.

Brasiliens rechter Präsident Jair Bolsonaro hat die Gefahr durch die Corona-Pandemie bislang heruntergespielt (Archivbild).

Corona wütet in Brasilien: Mehr als 1600 Tote innerhalb von 24 Stunden

Update vom Mittwoch, 03.03.2120, 07.30 Uhr: Brasilien hat bei den an einem Tag erfassten Corona-Toten einen neuen Höchstwert registriert. 1641 Menschen sind nach Daten des Gesundheitsministeriums vom Dienstag (Ortszeit) innerhalb von 24 Stunden gestorben. Der bisherige Höchstwert hatte am 29. Juli bei 1595 gelegen. Insgesamt sind damit in Brasilien 257 361 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Neu infiziert haben sich 59 925 Menschen, womit die Zahl der Corona-Infizierten in dem größten Land Lateinamerikas auf mehr als 10,6 Millionen stieg. Nur in den USA und in Indien sind die Zahlen noch höher. 
 

Corona wütet in Brasilien: Zunehmende Kritik an Bolsonaro

Erstmeldung: Brasília – Brasilien gehört zu den Ländern weltweit, die am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen sind. Und ein rechter Präsident verschärft die Lage zusätzlich, wie die britische Zeitung „Guardian“ berichtet.

Vergangene Woche (22.-28.02.2021) hat die Zahl der Verstorbenen im wöchentlichen Durchschnitt den höchsten Stand seit Beginn der Corona-Pandemie in Brasilien im Februar 2020 erreicht. Bereits mehr als 10 Millionen Fälle hat es im Land laut Johns Hopkins-Universität gegeben, bei rund 209,5 Millionen Einwohner:innen. Mit rund 255.000 Todesfällen weist Brasilien rund zehn Prozent der weltweiten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf. Zugleich breitet sich die „brasilianische Variante“ des Coronavirus weiter aus.

Kritik an Bolsonaros Umgang mit Corona in Brasilien

Die Kritik am Umgang mit der Krise durch Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro kommt aus den verschiedenen politischen Lagern. „Wir durchleben einen der schlimmsten Momente unserer Geschichte“, sagte beispielsweise der mitte-rechts Politiker Tasso Jereissati. Renato Casagrande, Governeur des Staates Espírito Santo und linksgerichtet, sagte dem Portal UOL, dass das Verhalten von Bolsonaro in Brasilien Menschenleben gekostet hat.

LandBrasilien
Bevölkerung209,5 Millionen (2018)
HauptstadtBrasília
StaatsoberhauptPräsident Jair Bolsonaro

Nach Angaben der Zeitung O Globo sind in 17 der 26 brasilianischen Bundesstaaten kaum noch Kapazitäten bei den Intensivbetten frei. In sechs Staaten und der Hauptstadt Brasília soll es gar keine freien Betten mehr geben. Fachleute fürchten, dass die Zahl der Toten auf mehr als 2.000 pro Tag steigen könnte. Dennoch sind erst rund 3,8 Prozent der Brasilianer:innen gegen das Coronavirus geimpft. Zuletzt hatten „Windimpfungen“ in Brasilien für Aufsehen gesorgt. Menschen hatten eine Spritze erhalten, aber es wurde kein Impfstoff injeziert.

Der Umgang mit der Pandemie resultiert wohl auch, aus der Haltung des Präsidentens. Der sieht in der Corona-Pandemie nicht mehr als „eine Grippe“. Im Dezember hatte Bolsonaro sogar das Ende der Pandemie in Brasilien verkündet.

Gesundheitsrat fordert Corona-Ausgangssperre in Brasilien

Trotzdem kann Jair Bolsonaro weiterhin politisch Boden gut machen. Erst im Februar wurden mehrere von ihm unterstützte Kandidat:innen in den Senat und das Unterhaus von Brasilien gewählt. Auf der Straße machen sich derweil immer mehr Menschen ihrem Ärger über Bolsonaro Luft. Graffitis rufen nach einer Amtsenthebung, Werbetafeln werden Ziel von Vandalismus. Auch Proteste hat es in den vergangenen Wochen bereits gegeben, sowohl von Rechten für Bolsonaro, als auch von Linken gegen den amtierenden Präsidenten.

Besserung ist trotz der angespannten Lage nicht in Sicht. Der Gesundheitsrat forderte daher eine landesweite Ausgangssperre zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Die Ausgangssperre soll dazu beitragen, dass sich das Coronavirus in Brasilien nicht noch weiter ausbreiten kann. „Der Nationale Rat der Gesundheitsbeauftragten (CONASS) spricht sich für die sofortige Verabschiedung von Maßnahmen aus, um den drohenden Zusammenbruch der öffentlichen und privaten Gesundheitssysteme zu vermeiden“, schreiben die Fachleute in einem offenen Brief am Montag (01.03.2020). Ob Bolosanro dieser Empfehlung aber folgen wird, ist fraglich. (Marcel Richters mit Guardian)

Rubriklistenbild: © Marcelo Camargo

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