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Mordfall im Amazonas-Regenwald: Umweltorganisationen geben Bolsonaro eine Mitschuld

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Von: Sandra Kathe

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Bei der Recherche um illegale Geschäfte im Amazonas-Regenwald in Brasilien werden zwei Männer ermordet. Für ihren Tod wird nun auch Präsident Bolsonaro beschuldigt.

Brasília – Nach tagelanger Suche nach dem britischen Journalisten Dom Phillips und seinem Recherche-Kollegen Bruno Pereira im Amazonas-Regenwald in Brasilien hat ein Tatverdächtiger brasilianische Ermittler zu den sterblichen Überresten mehrerer Menschen geführt. Identifizierungsmaßnahmen haben inzwischen belegt, dass es sich bei einem der Toten um den britischen Reporter handelt. Dass die zweite Leiche als Pereira identifiziert wird, gilt als wahrscheinlich. Weitere Untersuchungen sollen nun Aufschluss über die Todesursache geben, teilte die brasilianische Polizei am Freitag (17. Juni) mit.

Die Polizei in Brasilien verfolgt Berichten zufolge nun vor allem den Verdacht, dass der mutmaßliche Doppelmord mit illegalen Machenschaften in der Amazonas-Regenwald-Region in Zusammenhang stehen könnte. Das Grenzgebiet zu Peru und Kolumbien ist durch illegale Goldsuche, Abholzung, Wilderei, illegalen Fischfang sowie Drogenschmuggel besonders konfliktreich. Dom Phillips hatte für ein Buch über den Schutz des Amazonasgebiets, etwa zu den wirtschaftlichen Interessen an dessen Ausbeutung recherchiert.

Nach dem Leichenfund im Mordfall in Brasilien kam es am Wochenende etwa in São Paulo zu Protesten von Umweltaktivist:innen.
Nach dem Leichenfund im Mordfall in Brasilien kam es am Wochenende etwa in São Paulo zu Protesten von Umweltaktivist:innen. © Nelson Almeida/AFP

Umweltschutz im Amazonas-Regenwald Brasiliens: Eins der „gefährlichsten Länder der Welt“

„Der Tod von Dom und Bruno ist eine tragische Erinnerung daran, wie tödlich der Kampf für Landrechte und indigene Gemeinschaften sein kann, insbesondere in Brasilien, das für Land- und Umweltschützer eines der gefährlichsten Länder der Welt ist“, hieß es in einer Stellungnahme der internationalen Nichtregierungsorganisation Global Witness. „Sie haben sich heldenhaft für den Schutz des Amazonasgebiets und seiner Bewohner eingesetzt und die Lungen unseres Planeten geschützt. Die brasilianischen Behörden müssen den Tod der beiden untersuchen und ihren Familien Gerechtigkeit widerfahren lassen.“

Nachdem Phillips und Pereira nach Angaben einer regionalen Ureinwohner-Organisation nicht wie geplant am 5. Juni mit dem Boot in der Stadt Atalaia do Norte angekommen waren, hatte man zunächst tagelang nach den beiden gesucht. Einer der inzwischen festgenommenen Tatverdächtigen hatte die Polizei dann vergangene Woche an die Stelle geführt, an der sich die mutmaßlichen Täter der Leichen entledigt hatten. Einem Bericht des Nachrichtenportals Rawstory zufolge sollen beide erschossen worden sein.

Illegale Machenschaften im Regenwald in Brasilien: Täter sollen allein gehandelt haben

Zwei Verdächtige wurden daraufhin festgenommen. Nach ersten Ermittlungsergebnissen sollen die mutmaßlichen Mörder auf eigene Rechnung gehandelt haben: „Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass die Täter allein gehandelt haben und kein Auftraggeber oder kriminelle Organisation hinter der Tat stand“, teilte die Bundespolizei mit. Vor ihrem Verschwinden hatte Pereira allerdings mehrfach der Polizei gemeldet, für seine Arbeit bedroht worden zu sein. Er hatte für die Nationale Stiftung für Indios in Brasilien (FUNAI) illegale Machenschaften im Javari-Tal für die Behörden aufgezeichnet.

Im Gegensatz zu den aktuellen Erkenntnissen der Polizei sehen Umwelt-Aktivist:innen in Brasilien für den Tod der beiden Männer sehr wohl eine Mitschuld bei der Regierung Brasiliens um den rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro. In einer Stellungnahme von Greenpeace heißt es etwa, dass sich Brasilien in Bolsonaros Regierungszeit zu einem Land gewandelt hätte, in dem vor allem gegenüber der Umwelt alles möglich sei. Die brasilianische Regierung befeuere etwa „Invasionen, Landaneignungen, illegale Bergbau- und Rodungsarbeiten“. Auch Goldgräber, Wilderer und Drogenbanden seien in der Region zuletzt besonders aktiv gewesen.

Mord im Amazonas-Regenwald in Brasilien: Bolsonaro gab Opfern eine Mitschuld

Bolsonaro selbst hatte sich nach dem Verschwinden von Phillips und Pereira bereits geäußert und den beiden Unvorsicht und eine Mitschuld an ihrem Verschwinden vorgeworfen: Er sagte, dass Phillips „in der Region schlecht angesehen“ gewesen sei und mehr „auf sich selbst“ hätte achten müssen. Die Indigenen-Vereinigung des Javari-Tals dagegen beklagte den „unschätzbaren Verlust“ von „zwei Partnern“. Es waren vor allem die Indigenen der Region, die die Suche nach den Vermissten von Anfang an vorangetrieben hatten. (ska mit dpa)

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