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Brasilien

Corona in Brasilien: Schlimmster Monat seit Beginn der Pandemie

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  • Sophie Vorgrimler
    Sophie Vorgrimler
  • Sonja Thomaser
    Sonja Thomaser
  • Stefan Krieger
    Stefan Krieger

So viele Todesopfer durch das Coronavirus wie im März gab es in Brasilien noch nie. Schuld ist die Virus-Mutante - nicht unschuldig ist der Präsident, der das Virus lange leugnete.

Update vom Mittwoch, 1.4.2021 um 11:00: In Brasilien sind die Todeszahlen durch das Coronavirus auf den mit Abstand größten Stand seit dem Ausbruch der Pandemie gestiegen. Im Monat März hat das Land nach Angaben des Gesundheitsministeriums 66573 Corona-Tote verzeichnet, wie die Behörde am vergangenen Mittwoch mitteilte. Bisher galt der Juli im vergangenen Jahr als der schlimmste Monat für Brasilien: Damals waren 33000 Menschen am Coronavirus verstorben. Diese Entwicklung liegt auch an der Ausbreitung einer neuen Mutante des Coronavirus, die in Brasilien das erste Mal nachgewiesen wurde und als ansteckender gilt.

Vakzine für Brasiliens 212 Millionen Einwohner sind weiter knapp. Für den Impfstoff der US-Firma Johnson & Johnson wurde eine Notfallzulassung erteilt. Die Lieferung von 38 Millionen Impfdosen zum Corona-Schutz werden aber erst ab August erwartet. Brasiliens rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro hatte die Pandemie verharmlost. Angesichts des gigantischen Ausmaßes der Corona-Krise im Land gerät er unter Druck.

Brasilien: Revolte gegen Jair Bolsonaro - Militärs wenden sich ab

Update vom Mittwoch, 31.03.2021, 09.45 Uhr: Nachdem Präsident Jair Bolsonaro seinen Verteidigungsminister entlassen hatte, einen von sechs Kabinettsbeamten, die vor kurzem aus einer Regierung ausgetreten sind oder aus dieser herausgedrängt wurden, sind die Leiter aller drei militärischen Zweige zurückgetreten.

„Folha de São Paulo“ berichtet, dass General Edson Leal Pujol, Adm. Ilques Barbosa und Lt.-Brig. Antônio Carlos Bermudez - jeweils Kommandeure der Armee, der Marine und der Luftwaffe - einen Tag nach der Entlassung von Verteidigungsminister General Fernando Azevedo e Silva durch Bolsonaro zurückgetreten waren.

Wie der „Guardian“ berichtete, hatte Bolsonaro bereits die Entlassung von General Edson Leal Pujol gefordert, weil dieser sich den Bemühungen des rechtsextremen Präsidenten widersetzte, das Militär zu politisieren. Bolsonaro ist ein offener Bewunderer der ehemaligen US-Militärdiktatur Brasiliens, unter der Zehntausende Menschen gefoltert, ermordet und verschwunden sind. Einen führenden Militärfolterer aus dieser Zeit hatte Bolosonaro als „Nationalhelden“ gelobt.

Brasilien: „Große politische Krise“

Pujol hatte auch Bolsonaros Umgang mit der Coronavirus-Pandemie kritisiert, bei der laut Johns Hopkins University in Brasilien fast 314.000 Menschen ums Leben kamen, die zweithöchste Zahl der Todesopfer der Welt nach den USA.

Der in Brasilien lebende Journalist Glenn Greenwald bezeichnete die komplexe und sich immer weiter zuspitzende politische Situation als „große politische Krise“ für das Land.

Erstmeldung vom Dienstag, 30.03.2021: Brasilien, ohnehin in der Vergangenheit schon hart vom Coronavirus getroffen, durchlebt derzeit die schlimmste Phase der Pandemie. In den vergangenen Tagen wurden mehrmals über 3.000 Tote innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Zudem gehen den überfüllten Krankenhäusern Sauerstoff und Medikamente aus. Die Pandemie wird zusätzlich durch die aggressivere Mutante P.1 aus dem Amazonasgebiet befeuert. Trotzdem sträubt sich der Jair Bolsonaro, härtere Maßnahmen zu erlassen. Denn dadurch würde die Wirtschaft zu sehr geschwächt, so Brasiliens Präsident.

Angesichts zunehmender Kritik wegen des fehlenden Krisenmanagements in der Corona-Pandemie hat der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro jetzt gehandelt und die Spitzen von sechs Ministerien neu besetzt. Die Namen der neuen Minister sollten im Amtsblatt veröffentlicht werden, hieß es in einer Mitteilung des Kommunikationsministeriums in Brasília am Montagabend (29.03.2021).

Demnach gehören zu den Abgängen Außenminister Ernesto Araújo und Verteidigungsminister Fernando Azevedo e Silva, mit denen das Ministerkarussell am Montag begonnen hatte. Auf sie folgten der Karrierediplomat Carlos Alberto Franco França und der General Walter Souza Braga Netto, bisher „Chefe da Casa Civil“, vergleichbar mit dem Kanzleramtschef.

Brasilien: Rücktritt von Araújo herber Schlag für Jair Bolsonaro

Dass Araújo vom ideologischen Flügel der Regierung des Rechtspopulisten Bolsonaro seinen Rücktritt einreichte, wird als herber Schlag für den Bolsonarismus gesehen. Araújo war vorgeworfen worfen, durch sein Verhalten Brasilien auf der internationalen Bühne isoliert und das Land in eine schlechte Position gebracht zu haben, um Impfstoffe zu erwerben. So zettelte Araújo Überwerfungen mit wichtigen Handelspartnern wie China an.

Der für sein Faible für Verschwörungstheorien bekannte Außenminister Araujo hatte das Coronavirus vor einem Jahr als „Comunavirus“ bezeichnet, also als von Chinas Kommunisten erfundenes Virus. Auch Bolsonaros in der Politik aktive Söhne hatten scharfe Kritik an China geäußert. Die Äußerungen hatten die Beziehungen zu Brasiliens wichtigstem Handelspartner belastet. So stockten in den vergangenen Monaten Lieferungen von Grundstoffen für die Impfstoffherstellung aus China.

Regierungsumbildung in Brasilien: Bolsonaro unter Druck

Araujo sieht zudem den Klimawandel als marxistische Lüge zur Schwächung der christlichen Länder. Seitdem mit Joe Biden ein in Klimafragen engagierter Präsident im Weißen Haus sitzt, hatte diese Haltung Brasilien weiter isoliert. Auch Araujos Behauptung, dass Nationalsozialismus und der Faschismus in Wahrheit linke Ideologien gewesen seien, hatten international für Aufsehen gesorgt. Nachdem Politiker der mit Bolsonaro alliierten Zentrumsparteien zuletzt seine Ablösung gefordert hatten, trat Araujo nun zurück.

Ebenfalls entlassen wurde Bundesstaatsanwalt Jose Levi, der sich geweigert hatte, eine Verfassungsbeschwerde gegen Lockdown-Maßnahmen von drei Gouverneuren zu unterzeichnen. Bolsonaro hatte vergeblich versucht, mit der Klage vor dem Obersten Gericht härtere Maßnahmen zu verhindern.

Corona in Brasilien: Bolsonaro muss viel Kritik einstecken

Bolsonaro war vor rund einer Woche unter Druck geraten, als Brasilien erstmals über 3000 Tote in der Coronakrise binnen 24 Stunden registrierte und der Präsident der Abgeordnetenkammer, Arthur Lira, den Ton - auch mit Blick auf ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten - verschärfte.

Lira ist auch Anführer des „Centrão“ - kleine und kleinste Parteien, die ihre Unterstützung gegen Ämter und Posten tauschen. Damit dürfte Bolsonaros Diskurs aus dem Wahlkampf, dass er nicht vor der „alten Politik“ des „Dort zu nehmen, hier zu geben“ kapitulieren würde, vollends hinfällig sein. Vielmehr befindet er sich „in den Händen des Centrão“, wie „O Globo“ schrieb. Aus der ursprünglichen Regierung von Jair Bolsonaro sind inzwischen fast keine wichtigen Minister mehr im Amt. (skr/sot mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Eraldo Peres/dpa

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