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Soldaten feiern in Brasilia den Beginn der Militärdiktatur vor 55 Jahren - auf Anordnung Bolsonaros.

Brasilien

Bildungsminister will Militärdiktatur aus Schulbüchern streichen

Präsident Jair Bolsonaro hatte zuvor Feiern zur Erinnerung an den Militärputsch angeordnet. Die Armee selbst ist nicht begeistert.

Brasiliens Bildungsminister Ricardo Velez Rodriguez will den Militärputsch von 1964 sowie die anschließenden 21 Jahre Diktatur aus den Schulbüchern streichen. Das berichten brasilianische Medien. Weder habe es einen Putsch noch eine Diktatur gegeben, sondern ein "demokratisches Gewaltregime", so der Minister. Am letzten Sonntag hatte Brasiliens Militärs auf Anordnung von Präsident Jair Messias Bolsonaro die Machtübernahme vor 55 Jahren gefeiert. 

Nach dem Militärputsch am 31. März 1964 war am 2. April der demokratisch gewählte Präsident Joao Goulart abgesetzt. Laut Velez war die Machtübernahme eine "souveräne Entscheidung der Gesellschaft". Für Rechtspopulist Bolsonaro haben die Militärs Brasilien damals vor einer kommunistischen Diktatur bewahrt. Historiker sehen jedoch keinerlei Anhaltspunkte für diese Behauptung. 

Brasilien: Acht von 22 Ministerien mit Militärs besetzt

Brasiliens Militärs, die mit 8 der 22 Ministerien derzeit so präsent in der Regierung sind wie seit der Diktatur (1964-85) nicht mehr, sollen nach Medienberichten nicht glücklich über die Diskussion sein. Zwar seien sie, allen voran das Heer, an einem positiveren Bild ihrer Herrschaft interessiert. Allerdings wollten sie eine breite öffentliche Diskussion darüber vermeiden. Zudem sprechen sie sich angeblich für die Absetzung des Ministers ein. Ein Militär soll nach ihrem Wunsch das Ministerium übernehmen, das auch drei Monate nach der Machtübernahme Bolsonaros immer noch nicht voll einsatzfähig ist. Schlüsselpositionen sind immer noch unbesetzt, da zahlreiche Beamte wegen angeblicher Sympathien für linke Ideologien ihrer Ämter enthoben wurden. 

Die am Sonntag von Bolsonaro angeordneten Feiern zum Jahrestag des Putsches waren auf massive Kritik in Brasilien sowie im Ausland gestoßen. Auf von Seiten der Vereinten Nationen (UN) geäußerte Kritik an den Feierlichkeiten hatte Brasilien am Mittwoch mit einem Schreiben reagiert. Darin verbat sich das Land jegliche Einmischung in innere Angelegenheiten. (kna)

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