1. Startseite
  2. Politik

Sturm auf Kongress in Brasilien: Bolsonaros Lager lernte von Trumps Team

Erstellt:

Von: Johanna Soll

Kommentare

Die Ausschreitungen in Brasilia erinnern stark an den Sturm auf das Kapitol in den USA. Tatsächlich bestehen Verbindungen zwischen dem Trump- und dem Bolsonaro-Lager.

Brasilia – In Brasilia, der Hauptstadt von Brasilien, ist es gestern (8. Januar) zu Ausschreitungen gekommen, die stark an den Sturm auf das Kapitol in den USA erinnern. Anhänger:innen des rechtsextremen brasilianischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro hatten mehrere Regierungsgebäude erstürmt. Offenbar hatten sich Bolsonaro-Fans zuvor in Telegramgruppen organisiert und eine Demonstration angekündigt – unter dem Motto „tomada de poder“, zu deutsch: Machtergreifung. Doch welche Verbindungen bestehen zwischen den Drahtziehern des Kapitolsturms und der brasilianischen Version?

Bolsonaro-Anhänger:innen stürmen Kongressgelände in Brasiliens Hauptstadt Brasilia
Bolsonaro-Anhänger:innen stürmen Kongressgelände in Brasiliens Hauptstadt Brasilia © Eraldo Peres/dpa

Nachdem Ende Oktober klar war, dass es in Brasilien eine Stichwahl zwischen Luiz Inácio Lula da Silva und dem damaligen Amtsinhaber Bolsonaro geben würde, verbreitete Steve Bannon bereits vorsorglich haltlose Gerüchte über Wahlbetrug. Bannon ist ehemaliger Chefstratege von Ex-US-Präsident Donald Trump und inzwischen droht ihm eine Haftstrafe, weil er einer Vorladung des US-Kongresses nicht nachkam. Zusammen mit anderen Verbündeten Trumps stellte Bannon die Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahlen 2020 infrage. In seinem Podcast schwurbelte er auch über eine „gestohlene Wahl“ in Brasilien und verbreitete den Hashtag #BrazilianSpring, brasilianischer Frühling.

Steve Bannon: „Lula hat die Wahl gestohlen“

Die falschen Berichte und haltlosen Behauptungen führten sowohl in den USA am 6. Januar 2021 als auch rund zwei Jahre später in Brasilien dazu, dass ein gewalttätiger Mob das Regierungsgebäude stürmte und Schaden sowohl an dem Gebäude als auch an der Demokratie beider Länder anrichtete. Als am Sonntag Bildmaterial von den Ausschreitungen in Brasilia zu sehen waren, verbreitete Steve Bannon weiter Lügen auf der rechten Social-Media-Seite Gettr: „Lula hat die Wahl gestohlen … Brasilianer wissen das.“ Er nannte den Mob, der das Regierungsviertel stürmte, „Freiheitskämpfer“.

Steve Bannon, hier im Jahr 2019, hat den Ex-US-Präsidenten Donald Trump beraten.
Steve Bannon, hier im Jahr 2019, hat den Ex-US-Präsidenten Donald Trump beraten. © Kay Nietfeld/dpa

Im November kam es zu einem Treffen zwischen dem Sohn Bolsonaros, dem brasilianische Kongressabgeordnete Eduardo Bolsonaro, und Donald Trump in dessen Anwesen Mar-a-Lago in Florida. Während seiner Reise sprach Eduardo Bolsonaro auch am Telefon mit Trump-Getreuen, darunter auch Steve Bannon, wie die Washington Post berichtete. Wie zuvor in den USA nahmen auch die brasilianischen Wahlleugner:innen das elektronische Wahlsystem ins Visier und behaupteten, es sei zugunsten Lulas manipuliert worden.

„Faschisten, die Trumps Randalierer vom 6. Januar nachahmen“

Laut einer BBC-Analyse wurden mehrere prominente brasilianische Twitter-Accounts, die wegen Wahlbetrugsgerüchten gesperrt wurden, nach der Wahl und der Übernahme des Unternehmens durch Elon Musk wiederhergestellt. Musk hatte angedeutet, dass einige der brasilianischen Twitter-Angestellten „politisch stark voreingenommen“ seien, ohne Details oder Beweise dafür zu nennen.

Gegner:innen von Donald Trump in den USA geben ihm und seinen Verbündeten die Schuld an den Ausschreitungen in Brasilien. Jamie Raskin, ein demokratischer Abgeordneter und Mitglied des Untersuchungsausschusses zum Sturm auf das Kapitol, nannte die brasilianischen Randalierer:innen auf Twitter „Faschisten, die Trumps Randalierer vom 6. Januar nachahmen.“ (Johanna Soll)

Auch interessant

Kommentare