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Brasilia: Bolsonaro entwendet Kunstwerke aus Präsidentenpalast

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Von: Daniel Dillmann

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Der ehemalige Präsident Brasilien, Jair Bolsonaro, soll den Alvorada-Palast, Wohnsitz des brasilianischen Präsidenten, in erbärmlichen Zustand hinterlassen haben.

Brasilia - Abgefetzte Teppiche, kaputte Fußböden, zerbrochene Fensterscheiben und Wasserschäden an einer Zimmerdecke - die Bilder aus dem Präsidentenpalast in der Haupstadt Brasilia haben in Brasilien für Entsetzen gesorgt. Sie entstanden bei einer Tour, die die neue First Lady des Landes, Rosangela „Janja“ da Silva, gab.

Die Ehefrau des Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva führte ein Fernsehteam des TV-Senders TV Globo am Freitag durch den Alvorada-Palast, um zu zeigen, wie der vorherige Bewohner, Jair Bolsonaro, dort gehaust hatte. Manche der Privaträume des Präsidenten in dem berühmten dreistöckigen Gebäude in der Hauptstadt Brasilia seien „heruntergekommen“. Ein Bankettsaal, den das Fernsehteam filmte, war komplett leer geräumt. Offenbar wurde hier die gesamte Einrichtung entfernt.

Der Alvorada-Palast, Sitz des Präsidenten Brasiliens in Brasilia.
Der Alvorada-Palast, Sitz des Präsidenten Brasiliens in Brasilia. © Beto Barata/dpa

Brasilien: Jair Bolsonaro nimmt Möbel und Kunstwerke aus Brasilia mit

Daneben soll Jair Bolsonaro nach seinem Auszug weitere Dinge aus dem Alvorada-Palast entwendet haben. Eine bislang noch unbekannte Anzahl an Möbelstücken fehle ebenso wie zahlreiche Kunstwerke. Andere Einrichtungsgegenstände seien schwer beschädigt. Ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert habe einfach auf dem Fußboden gelegen. In der historischen Bibliothek, die über 3.400 Bücher enthält, soll elektronische Ausrüstung verteilt gewesen sein. Von hier aus hatte Bolsonaro während seiner Amtszeit eine wöchentliche Video-Ansprache gehalten.

Da Silva kündigte an, sie und ihr Mann würden den Präsidentenpalast zunächst renovieren und die Schäden beseitigen lassen. Erst nach einer vollständigen Bestandsaufnahme des Inventars wollten sie die Residenz beziehen. Geplant sei, die Möbelstücke und Kunstwerke auf die Liste des nationalen Erbes zu setzen, „damit es nicht wieder vorkommen kann, dass ein Präsident historische Gegenstände mitnimmt, die dem brasilianischen Staat gehören“. Die Inventur im Präsidentenpalast dürfte sich aber verzögern. Zunächst muss sich der Präsident mit dem Ansturm von Anhängern Bolsonaros auf den Kongress in Brasilia auseinandersetzen.

Jair Bolsonaro: Parallelen zu Donald Trump

Sollte sich der Verdacht der Lulas bestätigen und Jair Bolsonaro nach seiner Wahlniederlage wirklich Staatseigentum aus dem Amtssitz entwendet haben, gäbe es die nächste Parallele zwischen dem brasilianischen Populisten und seinem amerikanischen Vorbild. Auch Donald Trump packte nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus Kisten voll, beschränkte sich dabei aber vor allem auf Geheimdokumente. (Daniel Dillmann)

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