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FR vom März 1970

Brandstifter sind verschwunden

Nur einer antwortete auf Ladung zum Strafantritt / Nach Kuba?

Zum zweitenmal ist die Frankfurter Staatsanwaltschaft auf der Suche nach den Kaufhausbrandstiftern. Während die Fahndung zwei Tage nach den Bränden in den Kaufhäusern 'Schneider' und 'Kaufhof' im April 1968 Erfolg hatte, dürfte jedoch die Suche nach drei der vier Verurteilten, die am 25. Februar ihre Strafe antreten sollten, langwieriger werden. Die vier Brandstifter Gudrun Ensslin (29), Andreas Baader (26), Thorwald Proll (28) und Horst Söhnlein (27) waren am 31. Oktober 1968 zu je drei Jahren Zuchthaus wegen versuchter menschengefährdender Brandstiftung im Kaufhaus 'Schneider' verurteilt worden. Während das Revisionsverfahren lief, wurden sie am 13. Juni 1969 auf freien Fuß gesetzt. Sie erfüllten die damit verbundenen Auflagen, ließen sich in Frankfurt nieder und widmeten sich einer sozialen Aufgabe, der Betreuung, entwichener Fürsorgezöglinge - eine Aktivität, mit der sie zeitweise sogar reserviertes Wohlwollen amtlicher Stellen errangen.

Rechtskräftig wurde das Urteil im November 1969, worauf die vier Verurteilten Gnadengesuche beim hessischen Justizminister einreichten. Die Begnadigung wurde jedoch abgelehnt. Nun sollten die Brandstifter zum Strafantritt geladen werden. Nur einer war jedoch erreichbar: Horst Söhnlein hält sich gegenwärtig teils in Frankfurt, teils in München zur Verfügung der Justiz. Als ihm die Ladung zugestellt wurde, reichte er unverzüglich ein Gesuch um Strafaufschub ein. Darüber wird in den nächsten Tagen entschieden..

Die drei anderen Verurteilten wurden von der Ladung nicht erreicht, ohne daß man deshalb jetzt schon sagen könnte, sie hätten vor dem Strafantritt 'die Flucht ergriffen'. Denn Ende Januar, kurz bevor am 6. Februar die Begnadigung abgelehnt wurde, mußten Ensslin, Baader und Proll aus dem Haus in der Frankfurter Grafenstraße, wo sie gemeldet waren, ausziehen, da dieses Gebäude zum Abbruch vorgesehen ist. Sie wurden 'amtlich abgemeldet' - nämlich an ihre früheren Adressen, wo sie vor der Verhaftung wohnhaft waren.

Dort sollen sie nicht aufzufinden sein. Es tauchten unkontrollierbare Gerüchte auf, wonach Ensslin und Baader nach Florenz gefahren sein sollen. Ein andermal hieß es gar, sie hätten sich nach Kuba 'abgesetzt'. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wartet unterdessen nun schon seit zwei Wochen auf Antwort der Behörden, die um Mitteilung eventueller 'ladungsfähiger' Adressen ersucht wurden.

Erhält die Staatsanwaltschaft solche Adressen, beginnt die Prozedur erst einmal von vorn: Den Verurteilten wird erneut die Ladung zugestellt. Erst wenn sie sich daraufhin nicht melden, können Vollstreckungshaftbefehle herausgegeben werden.

FR vom 5. März 1970

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