+
Ohne Strauß geht es am Aschermittwoch nicht.

CSU

Brachialrhetorik und leise Töne

  • schließen

Der Aschermittwoch der CSU überrascht dank Söder und Weber mit scharfen Kontrasten.

Ich hätte auch gerne statt Lateinunterricht für Franz Josef Strauß demonstriert“, nimmt Markus Söder die Schüler-Demonstrationen für mehr Klimaschutz aufs Korn. Die Halle tobt, als der CSU-Chef hinterherschiebt, die jungen Leute sollten doch bitteschön freitagnachmittags oder samstags früh protestieren. 45 Minuten arbeitet sich Söder so an der politischen Agenda ab.

Er verspottet Grünen-Chef Robert Habeck als „Wanderprediger der Demokratie“, lästert über Kevin Kühnert von den Jusos, dem nicht zu trauen sei. Dann ruft der neue Parteivorsitzende auch noch bürgerliche AfD-Wähler zur Besinnung auf: „Kehrt zurück und lasst die Nazis alleine in der AfD.“

Natürlich gehören solche Sprüche zu einem politischen Aschermittwoch, jedenfalls so wie man ihn bei den Christsozialen begreift: bayrisch eben, Defiliermarsch, Franz-Josef-Strauß-Krüge, Fischsemmeln, weißblaue Schals, Lederhosen und Dirndl. Alles wie immer. Der Saal ein Hexenkessel voller Bierdunst, das Publikum in Erwartung brachialer Politrhetorik.

Die CSU versucht, Schwung für ein Jahr mit vielen Unbekannten zu holen: In Berlin könnte die Koalition platzen, aber in Brüssel könnte nach der Europawahl womöglich ein Bayer die EU-Kommission führen: Manfred Weber, aus dem kleinen Wildenberg unweit von Passau. „Weber for President“ steht auf Plakaten vor der Bühne, als die Passauer Stadtkapelle aufspielt. Ein frisch gezapftes Weißbier steht parat für den Hoffnungsträger, der aber daran nur nippt. Am Rednerpult wirkt er wie das Alternativprogramm zum krachledernen Rhetoriker Söder. Weber ist eher für leise Töne und ein bekennender Europäer dazu – keineswegs der Parteidurchschnitt.

Auf der Bühne gibt sich Weber staatsmännisch, beschwört erst die Verdienste Adenauers und Kohls um die politische Einigung auf dem Kontinent, preist Europa als Friedensprojekt und Freiheitsgarant, das deshalb unbedingt verteidigt gehöre. „Aus der Mitte heraus“ will Weber eine Politik „ohne Dumpfbacken“ von rechts und links. Feinheiten der Europapolitik sind eigentlich nix für eine Aschermittwochsrede. Doch Weber versucht es trotzdem: Er wolle hart reagieren, falls Donald Trump Autozölle verhänge, und Großkonzerne wie Apple und Amazon müssten künftig in Europa so viel Steuern zahlen wie der Handwerker hierzulande. Richtig zündet im Saal aber erst die Ankündigung, als Kommissionschef werde er anweisen, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu beenden.

Weber wird ausgiebig gefeiert. Schließlich liebt die CSU nichts so sehr wie den Erfolg oder zumindest die Aussicht darauf. Die derben Aschermittwochssprüche überlässt der Hoffnungsträger lieber seinem Parteichef.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare