Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Tuerkei_1_271020
+
Ein nicht ganz neues Feindbild: Macron-Porträt in Istanbul.

Türkei

Boykottaufrufe gegen Frankreich

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
    schließen

Im Streit über die Mohammed-Karikaturen mach der türkische Staatschef Erdogan mit antifranzösischen Tiraden Stimmung gegen Präsident Macron.

Im Konflikt mit Paris hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zum Boykott französischer Waren aufgerufen. „So wie in Frankreich einige sagen ‚kauft keine türkischen Marken‘, richte ich mich an meine Nation: Achtet nicht auf französisch gekennzeichnete Waren, kauft sie nicht“, sagte Erdogan am Montag in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.

Hintergrund der scharfen Äußerungen ist der Streit über die Reaktion des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf die mutmaßlich islamistisch motivierte Ermordung eines Geschichtslehrers nahe Paris in der vergangenen Woche. Macron hatte strengere Kontrollen von Moscheen und anderen muslimischen Einrichtungen angekündigt

Im Nahen und Mittleren Osten wird Macron nun der Islamfeindlichkeit, ja der „Geistesgestörtheit“ bezichtigt. Den Wortführer dieser Anfeindungen gibt einmal mehr Erdogan. Auf einem Parteikongress ortete er am Wochenende „beunruhigende Zeichen einer zunehmenden Islamfeindlichkeit in Europa“, um dann an „diese Person namens Macron“ gewandt anzufügen: „Gehen Sie Ihre geistige Gesundheit testen!“

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian bezeichnete diese persönliche Attacke als inakzeptabel und rief seinen Botschafter in Ankara nach Paris zurück. Auch behauptete er, die Türkei habe den Mord an Lehrer Samuel Paty nicht einmal verurteilt – was von türkischer Seite mit einem Twitter-Beleg dementiert wird.

Die Mohammed-Karikaturen bilden nur den neuesten Höhepunkt eines längeren Hickhacks zwischen Paris und Ankara. Im Libyen-Krieg liegen die beiden Länder genauso über Kreuz wie in der Frage der türkischen Rohstoffsuche in griechischen Gewässern; im Konflikt in Berg-Karabach stellt sich Macron derzeit schützend vor die Armenier und wirft Erdogan Einmischung vor.

Die Bundesregierung verurteilte Erdogans Worte über Macron. „Das sind diffamierende Äußerungen, die ganz und gar inakzeptabel sind“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Der europäische Chefdiplomat Josep Borrell rief Ankara auf, die „gefährliche Konfrontationsspirale zu stoppen“.

Erdogans antifranzösische Tiraden zeigen langsam Wirkung im ganzen arabischen Raum. Die 57 Länder der Organisation für islamische Kooperation (OIC) verurteilten in einem Kommuniqué die „systematischen Attacken“ gegen Frankreichs Muslime, und behaupteten, dass „gewisse französische Verantwortliche“ einen Hassdiskurs gegen sie nährten.

Am Wochenende zeigten sich erstmals konkrete Folgen. Während im Gaza-Streifen Porträtbilder Macrons verbrannt und mit Füßen getreten wurden, rief in Jordanien eine Oppositionspartei zum Boykott französischer Produkte auf. In Katar verschwinden bereits Käse und Kosmetika aus Supermarktregalen; in Kuwait streichen Tourismusagenturen Paris-Reisen aus dem Angebot.

Die Staatsführung sorgt sich bisher eher um die politischen Folgen. Macron ist der verbalen Auseinandersetzung mit Erdogan nie aus dem Weg gegangen, hat sie zeitweise sogar gesucht, um als Verteidiger westlicher Positionen anzutreten. Auch in der Frage der Mohammed-Karikaturen scheute er nicht vor präsidialen Selbstinszenierungen zurück. Die geopolitischen Kollateralschäden beachtete er bisher kaum.

Aber auch für die Türkei hat der Streit Folgen: Der Wertverfall der türkischen Lira geht ungebremst weiter. Am Montag erreichte die Lira im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro jeweils Rekordtiefs. Erstmals mussten für einen Dollar mehr als acht Lira gezahlt werden. (mit afp/dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare