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Gibt es bald mehr Selbstbestimmung für die Inselbewohner?

Papua-Neuguinea

Bougainville will unabhängig sein

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Ob die Insel ein eigenständiges Land wird, hängt vom Parlament in Papua-Neuguinea ab.

Das Ergebnis ist eindeutig: 98 Prozent der rund 177.000 Wahlberechtigten auf der Pazifikinsel Bougainville haben für die Unabhängigkeit gestimmt. Die Auszählung des Votums vom November wurde am Mittwoch in der Provinzhauptstadt Buka bekanntgegeben. Dort hatte sich eine große Menschenmenge versammelt, die in Applaus und Jubel ausbrach, als sie die Zahlen hörte: Kaum zwei Prozent wollten bei Papua-Neuguinea verbleiben und gaben sich mit mehr Autonomie zufrieden.

Die Insulaner hatten den Traum von der Unabhängigkeit bereits seit langem gehegt. Papua-Neuguinea ist nicht der erste Staat, der sich das rohstoffreiche Inselparadies, das rund 1500 Kilometer nordöstlich von Australien liegt, einverleibt hat. Um 1900 stand Bougainville, das seinen Namen dem französischen Forscher Louis Antoine de Bougainville verdankt, noch unter deutscher Verwaltung, 1914 wurde es von australischen Truppen besetzt, später von den Japanern.

Aktuell hat die Insel einen Autonomiestatus, doch Papua-Neuguinea, das selbst erst seit 1975 ein unabhängiger Staat ist, ist für die Außen- und Sicherheitspolitik Bougainvilles zuständig. Damit waren viele Menschen nicht zufrieden. Auf den Stimmzetteln gab es deswegen zwei Optionen zur Auswahl: eine noch größere Autonomie oder eben völlige Unabhängigkeit. Nachdem sich die Inselbewohner nun für die Unabhängigkeit entschieden haben, liegt die endgültige Entscheidung jedoch beim Parlament Papua-Neuguineas.

Gefahr von Unruhen groß

Sollten die Vorstellungen der Politiker dort jedoch vom Abstimmungsergebnis abweichen, so könnte die Region zum Krisenherd werden. So warnte ein Beobachter des Lowy Instituts in Sydney, das sich mit Außenpolitik beschäftigt, bereits vor der Abstimmung. „In diesem Szenario ist das Potenzial für eine weitere ernsthafte Sicherheitskrise in der Region real“, schrieb der australische Analyst und Journalist Ben Bohane.

Ende der 1980er wütete bereits ein heftiger Bürgerkrieg in der Region. Über zehn Jahre hinweg kämpften die Menschen gegen die Ausbeutung ihrer Insel sowie um die Unabhängigkeit von Papua-Neuguinea. Durch die Kämpfe, aber vor allem durch die mangelhafte Versorgung mit Lebensmitteln und Medizin, kamen damals zwischen 15 000 und 20 000 Menschen ums Leben. Als sich die Separatisten Bougainvilles vor fast 20 Jahren schließlich mit Papua-Neuguinea einigten und einen Friedensvertrag schlossen, wurde festgelegt, bis zum Jahr 2020 ein Unabhängigkeitsreferendum abzuhalten.

Rein wirtschaftlich gesehen ist Bougainville möglicherweise nicht wirklich bereit für die Unabhängigkeit, so sieht es zumindest Analyst Bohane. Denn Bougainvilles Wirtschaft ruht derzeit auf nur zwei Hauptexportgütern – Kakao und Kopra, das getrocknete Kernfleisch von Kokosnüssen, aus dem Kokosöl gewonnen wird.

Zwar verfügt Bougainville über große Kupfervorkommen und auch Gold und Silber lagern auf der Insel, doch die Pangunamine, in der die Metalle zwischen 1972 und 1989 im Tagebau gefördert wurden, ist seit dem Bürgerkrieg geschlossen. Sie war der Zankapfel, der Ende der 1980er Kämpfe ausbrechen ließ, nachdem die australische Minengesellschaft Bougainville Copper (BCL), ein Tochterunternehmen von Rio Tinto, giftigen Schlamm, der bei der Aufbereitung des Kupfererzes entsteht, in einen lokalen Fluss leitete.

Bougainville ist derzeit nicht die einzige Insel mit separatistischen Gedanken: In der indonesischen Region West-Papua brodelt es beispielsweise seit Jahren. In Neukaledonien ging eine Volksabstimmung Ende 2018 zwar zugunsten Frankreichs aus, doch das letzte Wort ist auch dort noch nicht gesprochen.

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