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Hinter dieser Tür werden heiße Partys gefeiert.
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Hinter dieser Tür werden heiße Partys gefeiert.

Großbritannien

Boris Johnsons Lockdown-Kapriolen im Garten

  • Peter Rutkowski
    VonPeter Rutkowski
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Der britische Premierminister versucht, sich aus dem Skandal um Partys in Downing Street herauszureden.

Am Mittwochmittag gab es in London eine Grillparty, auf die Boris Johnson – bemerkenswerterweise – nun wirklich gar keine Lust hatte: Mittwoch, 13 Uhr, musste der britische Premierminister im Unterhaus antreten zur allwöchentlichen PMQ, der parlamentarischen Fragestunde „Prime Minister’s Questions“. Nach guter alter Sitte muss man da allen Abgeordneten Rede und Antwort stehen. Und wenn es einen Anlass gibt, wird der oder die Prime Minister in der einen Stunde ordentlich „gegrillt“. Das Unterhaus hatte Anlass dazu.

Denn der sich stets als Bonvivant, als lebensbejahend und lebenslustig gebende Johnson hat im Garten seines Amtssitzes 10 Downing Street eine große Party feiern lassen. Unter dem Motto „Bring your own booze“ (Bring dein eigenes Gesöff mit, vornehmer: „bottle party“) versammelten sich wohl bis zu 40 Gäste im Grünen hinter dem britischen Machtzentrum. Im Mai 2020.

Im Mai 2020 aber herrschte in Großbritannien – verspätet im Vergleich zu vielen anderen Ländern – allgemeiner harter Lockdown. Die konservative Regierungsmannschaft unter Führung des sehr offensichtlich geknickten Johnson predigte dem Volk, es müsse nun mal eine harte Zeit durchstehen, um am anderen Ende glücklich (und gesund) wieder rauszukommen. Maske tragen, Distanz wahren, auch Kontakte in der eigenen Familie weitgehend einschränken, keine Besuche, so wenig draußen sein wie möglich, auch von an Covid sterbenden oder verstorbenen Verwandten keinen Abschied nehmen. Und vor allem: keine Partys!

Nun begab es sich schon in genau jenem Mai 2020, dass der zweitmächtigste Mann im Königreich, Johnsons Chefberater und Haupteinflüsterer, der schillernd legere Ultrakonservative Dominic Cummings, meinte, die Corona-Regeln würden schon gelten, aber er wolle nun mal seine Eltern im Norden Englands besuchen. Mit Kind und Kegel. Und mit Covid-Symptomen. Großbritannien war entsprechend aufgebracht, aber auch macht- und hilflos. Viele hätten wohl gerne wie Cummings auf die Regeln gepfiffen.

Und einige in der politischen Kaste der Hauptstadt taten auch genau das. Sie feierten eine Gartenparty, die nun zur Schadensbegrenzung als „Arbeitstreffen mit Alkohol“ abgetan werden soll. Nur lässt das niemand außerhalb von Johnsons engstem Zirkel ernsthaft gelten. Abgeordnete seiner Torys sind seit Tagen in Aufruhr – eigentlich sind sie das schon seit vor der Weihnachtspause, als bekannt wurde, dass es auch im Dezember 2020 eine Party in Downing Street gab.

Neu ist aber jetzt, wie die britischen Massenblätter – praktisch durch die Bank erzkonservativ bis gefährlich reaktionär – auf Johnsons „Partygate“ (abgeleitet vom US-Politskandal Watergate in den 70ern) reagieren. Der üblicherweise Tory-Regierungen ohne jede Distanz zur Seite stehende „Telegraph“ titelte am Mittwoch „Johnson verliert Unterstützung der Tories“. Manche in Westminster wollten das schon als politisches Todesurteil sehen. Die „Sun“ bezichtigte den Premier der Lüge mit der Titelzeile „It’s my party and I’ll lie low if I want to“ (zu deutsch: „Es ist meine Party und ich tauche ab, wenn ich will“, Bezug auf den Popsong „It’s my party and I cry if I want to“). Die „Daily Mail“ stellte die Frage, ob nun für Johnson die „Party over“ sei.

Die BBC berichtete unter Berufung auf ungenannte Quellen, hochrangige Regierungsangestellte hätten aktiv verhindern müssen, dass während der Corona-Kontaktbeschränkungen 2021 noch mehr Partys stattfanden.

Im Unterhaus am Mittwoch spielte Johnson dann auf Sicherheit: Er entschuldigte sich damit, dass er angenommen habe, die Gartenparty sei ein Arbeitstreffen gewesen. Hätte er gewusst das dem nicht so war, dann natürlich… Worauf der Labour-Abgeordnete Chris Bryant den Premierminister fragte, für wie blöd er das britische Volk hält.

Auch Labour-Chef Keir Starmer äußerte sich am Mittwoch im Rahmen der Fragerunde entrüstet: „Jetzt bleibt nur noch die Frage, ob Sie anständig genug sind und freiwillig gehen.“ Johnson verwies daraufhin auf die Untersuchungen durch die Beamtin Sue Gray. „Warten Sie ab, was dabei herauskommt“, sagte er. Berichten zufolge kann es noch eine Weile dauern, bis die 64-Jährige das Ergebnis der Ermittlungen bekannt gibt. Eins ist Beobachtern zufolge aber klar: Sie wird den Premier nicht verschonen.  

mit dpa/RND

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